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Als CureVac noch in der Rumpelkammer steckte

Von Wolfgang Klein
24.05.2021
, 13:17
CureVac-Gründer Ingmar Hoerr 2002 im Chefbüro seiner damals frisch gegründeten Firma –  ein umfunktionierter Abstellraum neben dem Labor im Chemiehochhaus der Universität in Tübingen
Curevac aus Tübingen ist ein Hoffnungsträger im Kampf gegen Corona. Vor 20 Jahren hatten die Gründer Mühe, genug Geld für ihr Labor zusammenzukratzen. Ein Augenzeugenbericht.
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Die Gründung von CureVac als GmbH im Herbst 2002 erfolgte ein oder zwei Jahre zu spät. 1999 und 2000 waren Börsengänge mit astronomischen Bewertungen, die auf nicht viel mehr als einer guten Idee beruhten, noch durchaus möglich. Manche Biotech-Firmen sammelten 50 oder 100 Millionen Euro und mehr am Kapitalmarkt ein, um ihre Produktentwicklungen zu finanzieren. Dann folgte der Einbruch. Einstigen Biotech-Stars des Neuen Marktes wie Medigene, Lion Bioscience, MorphoSys, Evotech oder auch Qiagen wurde plötzlich das zuvor vermutete Wachstumspotential nicht mehr zugetraut. Der Aktienkurs von Medigene sank binnen zwei Jahren von über 480 Euro auf rund 10 Euro oder nur noch etwa 2 Prozent des Wertes, den das Unternehmen 2000 erreicht hatte.

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Die Kurse der anderen Biotechnologieaktien entwickelten sich ähnlich. Risikokapitalgesellschaften und Privatinvestoren wandten sich von der Branche ab. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Suche nach dem dringend benötigten Kapital für CureVacs Geschäftsplan, der damals genau zur „Don’t-Liste“ der aus dem Platzen der Blase gelernten Lektionen passte: Schnell zu vermarktende Produkte waren gesucht, nicht mehr Technologien mit langer Entwicklungszeit. Dem Management von CureVac wurde nicht zugetraut, sich zu behaupten. Kurz gesagt, die Kapitalquellen waren versiegt und gute Alternativen nicht in Sicht.

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Wolfgang Klein war von 2002 bis 2010 Finanz- und Personalchef von CureVac. Unser Text ist ein überarbeiteter Auszug aus seinem Buch „Die CureVac-Story“, das am 19. Mai im Campus-Verlag erscheint. 247 Seiten, 24,95 Euro.

Quelle: F.A.S.
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