Neue Projekte

Siemens legt digital nach

Von Ilka Kopplin
29.06.2022
, 19:13
Partner unter sich: Siemens-Chef Roland Busch (rechts) und sein Pendant bei Nvidia, Jensen Huang
Der Industriekonzern verkündet eine Reihe neuer Projekte: An den finanziellen Zielen ändern die jedoch erst einmal nichts.
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Am Wittelsbacher Platz in München – der Siemens -Zentrale – herrscht in dieser Woche reges Treiben. Allerhand neue Kooperationen und Projekte, auch Übernahmen gibt es zu verkünden. Insgesamt fließen sie alle in das Ziel ein, den traditionellen Industriekonzern zunehmend zu einer digitalen Software-Schmiede zu formen. „Die heutige Markteinführung von Siemens Xcelerator, die kürzliche Übernahme von Brightly Software und der Ausbau unserer Partnerschaft mit Nvidia sind Meilensteine: Wir setzen unsere Strategie konsequent um und beschleunigen unser wertsteigerndes Wachstum“, sagte Siemens-Vorstandsvorsitzender Roland Busch am Mittwoch.

Busch hatte im vergangenen Jahr seine neue Strategie vorgestellt. Ein wesentlicher Teil besteht für den Industriekonzern darin, neben Hardware zunehmend auch passende digitale Angebote zu verkaufen. Software soll zudem künftig vermehrt über eine Art Abo-Modell (as a Service) anstatt über einmalige Lizenzgebühren vertrieben werden. Die im vergangenen Jahr festgelegten Ziele hob der Manager am Mittwoch derweil nicht an, sondern bekräftigte, die digitalen Umsätze durchschnittlich um 10 Prozent im Jahr steigern zu wollen. Im zurückliegenden Geschäftsjahr (per Ende September) betrugen die Einnahmen im Digitalgeschäft 5,6 Milliarden Euro. Insgesamt erlöste der Konzern rund 62 Milliarden Euro.

Am Mittwoch gab Busch nun den Startschuss für die Plattform Xcelerator. Darunter versteht Siemens eine Art offenen Marktplatz, auf dem Kunden ein Portfolio an internetfähiger Hardware und Software aus dem eigenen Haus finden, ebenso aber auch Angebote von Drittanbietern. Künftig sollen Kunden und Partner auf diesem Wege leichter zueinanderfinden, sich austauschen können und ihre Entwicklungen gemeinsam vorantreiben.

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Siemens selbst wird dafür unter anderem das gesamte Angebot an internetfähiger Hardware und Software schrittweise modular gestalten und mit der Cloud verbinden. Auch sollen Standardschnittstellen eingesetzt werden. Die Idee ist es, Unternehmen auf diesem Wege zu ermöglichen, eigene Systeme mit Siemens-Technik zu integrieren und umgekehrt. So soll die Technik etwa auch für mittelständische Betriebe, die nicht alles umstellen wollen, interessant werden.

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50 zertifizierte Partner

Bislang zählt die neue Plattform, mit deren Entwicklung Siemens vor rund drei Jahren begonnen hat, gut 50 zertifizierte Partner, wie Peter Körte, Leiter für Technologie- und Strategiethemen, in einem Pressegespräch erklärte – und damit vorerst nur einen Bruchteil der rund 4000 Unternehmen, die Siemens insgesamt als Partner bezeichnet. Auch geht es dem Management nicht darum, mit der Plattform direkt Umsätze zu generieren. Die Strategie sei ganz klar, die Anzahl der Interaktionen zu steigern, „unsere Idee ist es nicht, die Plattform zu früh zu monetarisieren“, sagte Körte.

Ein wesentlicher erster Schritt – und Teil der neuen Plattform – ist eine erweiterte Kooperation mit dem Tech-Konzern Nvidia. Siemens und die Amerikaner wollen den sogenannten digitalen Zwilling verbessern. Darunter versteht man ein digitales Abbild dessen, was gebaut werden soll. Digital lassen sich auf diesem Wege beispielsweise Fehler ausmerzen und Prototypen besser erstellen.

Siemens ist global führend in der Industrieautomatisierung und hat viel Erfahrung mit digitalen Zwillingen. Nvidia wiederum hat eine KI-gestützte Plattform, die in Kombination mit der Technik der Münchner zu originalgetreuen, auch dreidimensionalen digitalen Zwillingen in Echtzeit führen soll.

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Welches Potential sich die beiden Vorstandschefs von dieser technologischen Partnerschaft erhoffen, daran ließen sie am Mittwoch keinen Zweifel: „Fotorealistische und physikalisch gestützte digitale Zwillinge [...] bieten enormes Potential, Volkswirtschaften und Industrien zu transformieren“, sagte Busch. Die beiden Unternehmen verbinde eine gemeinsame Vision, „wie das industrielle Metaversum die digitale Transformation vorantreiben wird“, sagte Nvidia-Gründer und -Chef Jensen Huang und bezog sich damit auf die Idee eines virtuellen Raums, der sich mit der analogen Welt verbindet. Wie viel Umsatz sie mit dieser Kooperation anstreben, ließen die beiden indes offen.

Zahlen nannte Siemens jedoch schon zu Beginn der Woche, als der Konzern ankündigte, das amerikanische Software-Unternehmen Brightly für rund 1,6 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Die Amerikaner bieten eine Software für Anlagen- und Gebäudemanagement an, die einfach zu installieren und zu handhaben ist und damit für eine größere Kundengruppe infrage kommt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kopplin, Ilka
Ilka Kopplin
Wirtschaftskorrespondentin in München.
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