Bahn-Kommentar

Papierkrieg

EIN KOMMENTAR Von Jonas Jansen
19.02.2019
, 06:59
Warum fühlt sich der Bahnreisende bei Verspätungen wie Asterix und Obelix auf der Suche nach Passierschein A38? Das muss nicht sein – gut, wenn die Bahn nun umdenkt.

Die Deutsche Bahn kann digital sein – wenn sie es denn will: Der DB Navigator, also die Smartphone-App, mit der man Verbindungen suchen und buchen kann, gehört zu den besseren auf dem Markt. Auch der „Komfort Check-In“ auf bestimmten ICE-Strecken, mit dem Reisende sich die Kontrolle im Zug sparen können, funktioniert gut.

Bei der Wifi-Verbindung im Zug wird es schon etwas schwieriger mit der Kundenzufriedenheit, bei einer Verspätung wird es ganz düster. Dann nämlich laufen die überhaupt nicht beneidenswerten Bahn-Mitarbeiter mit Zetteln herum, deren Titel jeden Pendler erschaudern lässt: Fahrgastrechteformular. Das ist genauso kompliziert, wie es klingt.

Wer ein Ticket gekauft hat und die Reise dann doch nicht antreten konnte, kann seine Fahrkarte ohne Schwierigkeiten online zumindest teilweise erstatten lassen. Wer drei Stunden zu spät in Hamburg ankommt, muss ein Formular ausfüllen und am besten noch selbst im „Reisezentrum“ vorbeischauen.

Warum fühlt sich der Bahnreisende, der ohnehin wegen Verspätung gebeutelt ist, dann wie Asterix und Obelix auf der Suche nach Passierschein A38? Das muss nicht sein und das weiß die Bahn selbst auch. Sie könnte es besser – doch dahinter steckt wohl Kalkül. Je komplizierter es für Reisende ist, ihre Rechte durchzusetzen, desto eher verzichten sie darauf. Gut, wenn die Bahn nun umdenkt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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