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F.A.Z. exklusiv

Deutsche Bank verpflichtet Fintech-Pionier

Von Hanno Mußler
Aktualisiert am 06.08.2020
 - 18:11
Jochen Siegert Bild: Payment & Banking
Daten aus der Industrie könnten bald eine neue Art von Finanzierungen erlauben. Für das Plattformgeschäft der Unternehmenssparte setzt die Deutsche Bank nun auf einen Fintech-Pionier und Zahlungsverkehrsexperten.

Die Deutsche Bank wittert einen neuen Finanzierungsbedarf von Unternehmen und hat dafür den Fintech-Pionier und Zahlungsverkehrsexperten Jochen Siegert verpflichtet. Siegert arbeitete schon für Paypal und Mastercard und ist derzeit noch Finanzvorstand der Lieferantenkreditplattform Traxpay, an der sich die Deutsche Bank gerade mit einem Minderheitsanteil beteiligt hat. Vom 17. August an soll Siegert nun in der Unternehmenssparte der Deutschen Bank digitale Marktplätze („Plattformen“) aufbauen und Finanzierungslösungen dafür entwickeln.

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Den Sinn dahinter erklärt Stefan Hoops, Chef der Unternehmenssparte der Deutschen Bank so: „Aus vielen Gesprächen mit unseren Kunden wissen wir, dass etwa Maschinenhersteller ihre Kunden gern enger an sich binden. Und viele Kunden scheuen in der Corona-Krise vor Investitionen zurück.“ Um hier für beide Seiten eine gute Finanzierungslösung zu finden, hätte man als Bank früher Maschinen-Leasing oder Maschinen-Mietkauf empfohlen, erzählt Hoops im Gespräch mit der F.A.Z. „Heute aber gibt es ganz neue Möglichkeiten der nutzungsbasierten Finanzierung, denn Maschinen sind im Zeitalter des Internets der Dinge miteinander vernetzt und tauschen permanent Daten aus.“

Mieten statt besitzen

Was Verbraucher von Plattformen wie Netflix schon kennen, stellt sich die Deutsche Bank auch für ihre Kunden aus der Industrie vor: Weniger eigenes Equipment besitzen, statt dessen mehr Maschinen mieten und nur für die Nutzung bezahlen. Die industrielle Vernetzung und die dabei entstehenden Daten erlauben heute schon Technikern, die Nutzungsintensität einer Maschine zu kennen und daraus auf ihre nötige Wartung oder die Nutzungsdauer zu schließen. Diese Daten aber in Zahlungsströme und dann in Finanzierungen zu übersetzen, wird die Herausforderung für Banken sein. „Dieser Trend wird von unseren Unternehmenskunden befördert, als Deutsche Bank wollen wir für die Industrie 4.0 die Finanzierungslösung 4.0 liefern können“, sagt Hoops. Das werde noch ein paar Monate dauern.

Zunächst muss auf dem Marktplatz Grundlegendes zwischen Herstellern und Nutzern geklärt werden: Wer stellt fest, wer was wie lange oder wie intensiv genutzt hat? Wer schützt vor Hacker-Angriffen? Und in wessen Bilanz wird eine nach Nutzung bezahlte Mietmaschine als Vermögen gebucht – beim Hersteller oder beim Nutzer? „Der Markt entsteht gerade erst. Wir sind mit 30 Pilotkunden, mit Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern dabei, einen Rahmen für dieses neue Ökosystem abzustecken“, sagt Hoops. Klar sei jetzt schon: „Es wird abhängig von der Art der Maschine unterschiedliche Finanzierungsmodelle geben“, sagt Daniel Schmand, Leiter für Handelsfinanzierung und Unternehmenskredite der Deutschen Bank.

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Aus Daten werden Zahlungsströme

Die Zahlungsströme unterscheiden sich darin, ob etwa ein Gabelstapler transportierbar ist und von mehreren Mietern genutzt werden kann oder ob eine Maschine fest bei einem Mieter installiert ist. Und die Deutsche Bank wird dann entscheiden, welche Finanzierungslösungen sie ihren Industriekunden auf der Plattform anbietet. Zunächst wolle man eigene Kredite anbieten. Doch auch Versicherer, Private-Equity-Investoren und Family Offices dürften an dieser Form deutscher Mittelstandsfinanzierung als Anleger interessiert sein. „Eine Möglichkeit kann sein, ähnliche Finanzierungen zu bündeln und dann am Kapitalmarkt zu plazieren“, blickt Schmand im Gespräch mit der F.A.Z. voraus.

Das werde langsam losgehen, aber das Potential sei groß, sagt Hoops. „Finanzinnovationen entstehen über die Zeit. Aber dieser Markt der nutzungsbasierten Mietfinanzierungen wird sich in den kommenden Jahren etablieren. Deshalb ist es wichtig, jetzt gleich zu Beginn die Regeln richtig zu setzen. Nur so kann man sicherstellen, dass der Markt auch dauerhaft funktioniert und Fehlentwicklungen wie im Vorfeld der Finanzkrise verhindert werden.“ Zu Beginn des Jahrtausends hatten Banken Immobilienkredite gebündelt. Hierauf wurden wenige Jahre später verschachtelte Derivate aufgelegt, die letztlich als Subprime-Kredite die Finanzkrise auslösten. Dazu soll es auf der Plattform der Deutschen Bank natürlich nicht kommen.

Schmand kann sich vorstellen, dass auch das Factoring-Geschäft in den von Neuzugang Siegert geleiteten Geschäftsbereich wechseln wird. „Es geht in der Covid-Krise für viele Unternehmen weniger um Profitabilität, sondern mehr um Liquidität. Deshalb entstehen jetzt neue digitale Marktplätze, mit denen Unternehmen in der Bilanz gebundene Vermögensgegenstände – seien es Maschinen oder auch von Lieferanten noch nicht geleistete Zahlungen – verkaufen, um damit Liquidität zu sichern“, schließt Schmand.

Quelle: F.A.Z.
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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