Logistikkonzern im Aufwind

Der Paketboom beflügelt die Deutsche Post

Von Jonas Jansen
05.08.2021
, 12:31
Vor dem Transport zum Endkunden: Ein Mitarbeiter der DHL schiebt einen Behälterwagen durch einen Zustellstützpunkt in Sachsen.
Der Logistikkonzern profitiert ohnehin vom boomenden Online-Handel – jetzt kommen auch die Geschäftskunden zurück. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Post-Chef Appel ein Rekordergebnis.

Außer dem in der Corona-Pandemie wachsenden Online-Handel profitiert die Deutsche Post nun davon, dass auch der Welthandel wieder deutlich anzieht. Die Containerschiffe sind voll beladen, deshalb verschicken viel mehr Geschäftskunden im Moment schwere Waren mit dem Flugzeug. Damit erzielt die Post in ihrem Express- und dem Frachtgeschäft nicht nur deutlich höhere Preise, sondern lastet seine Maschinen auch besser aus, was wiederum das Ergebnis verbessert. In der Express-Division, die mehr als die Hälfte zum Konzerngewinn beiträgt, stiegen die gewerblichen Transportmengen um ein Viertel. Die Zustellungen an Privatkunden, die noch zur Hochzeit der Pandemie das Geschäft getrieben hatten, legten nur noch um 10 Prozent zu.

„Die Weltwirtschaft ist in vollem Gang, das führt zu einer deutlichen Steigerung der Sendungsmenge“, sagte Frank Appel, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, in einer Telefonkonferenz am Donnerstag. „Wir glauben auch, dass wir in der Seefracht Marktanteile gewonnen haben“, sagte Appel. In dem Geschäftsbereich ist der Umsatz um mehr als 61 Prozent gestiegen, während die transportierten Volumina um 14,5 Prozent zulegten.

Die Dynamik spürt die Post in allen Geschäftsbereichen. „Wir wachsen sehr schnell und die Weltwirtschaft hilft uns da“, sagte Appel. Alleine die Sparten DHL Express und die Frachtsparte haben im zweiten Quartal mehr als 1 Milliarde Euro Umsatz mehr als im Vorjahreszeitraum erzielt. Insgesamt stieg der Konzernumsatz im zweiten Quartal um 22,2 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro, nach 15,9 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das Betriebsergebnis (Ebit) im ersten Halbjahr beträgt fast 4 Milliarden Euro, ein Wert, über den das Unternehmen sich vor einigen Jahren noch für das Gesamtjahr gefreut hätte. Unter dem Strich hat die Deutsche Post im zweiten Quartal einen Konzerngewinn von 1,3 Milliarden Euro nach 525 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum erzielt. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie hat sich auf 1,05 Euro mehr als verdoppelt, nach 43 Cent vor einem Jahr.

Roboter bringen mehr Effizienz

Dazu trägt auch die Automation bei, etwa in der Division „Supply Chain“, die Lagerei-Dienstleistungen für Elektronik-, Lebensmittel- oder Automobilkonzerne übernimmt. Mit Robotern und anderen technischen Helfern sowie einer gesteigerten Datenanalyse erzielte der Konzern dort eine Ebit-Marge von 6 Prozent, was laut Appel über der eigenen Zielmarke liegt.

Etwas abgeschwächt ist die Dynamik im Paketgeschäft in Deutschland. Das war in den vergangenen Quartalen um mehr als ein Fünftel gewachsen, in den abgelaufenen drei Monaten war nur noch ein Plus von 13,1 Prozent zu verzeichnen. „Wir werden weiter strukturell Wachstum sehen aber natürlich nicht mit den Wachstumsraten des Vorjahres“, sagte Appel.

Für das Weihnachtsgeschäft, das traditionell das höchste Paketaufkommen hat, wird das Unternehmen abermals mehr Mitarbeiter einstellen. Jedoch befindet sich das Sendevolumen derzeit schon etwa auf dem höchsten Wert vom Jahr 2019, weshalb die Post auch im vergleichsweise ruhigeren Sommer mehr Personal behält. „Wir werden nicht so viel herunterfahren, auch wenn es zu Lasten der kurzfristigen Produktivität geht“, sagte Finanzchefin Melanie Kreis. Gleichzeitig schraubt der Konzern die Investitionen hoch. „Wir müssen Kapazitäten erweitern, um mit dem Volumen schrittzuhalten“, sagte Kreis.

Vorstandschef Appel bestätigte am Donnerstag die kurz- und mittelfristige Ergebnisprognose, die der Konzern im Juli angehoben hatte. „Wir sehen eine sehr gute Auslastung unserer Netze, da ist ein deutlicher Ergebnissprung gegenüber 2020 zu erwarten“, sagte Appel. Für das laufende Geschäftsjahr 2021 erwarte man weiterhin ein Rekordergebnis von mehr als sieben Milliarden Euro. Darin enthalten ist auch ein Corona-Bonus von jeweils 300 Euro für die 550.000 Mitarbeiter rund um die Welt, der das Unternehmen rund 200 Millionen kostet. Gebucht werden soll das im vierten Quartal. Der mittelfristige Ergebnisausblick für 2023 beträgt unverändert mehr als 7,4 Milliarden Euro.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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