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Der Batterie-Visionär vom Polarkreis

Von Sebastian Balzter
15.03.2021
, 16:52
Peter Carlsson will mit seiner Firma Northvolt Europas größte Batteriefabrik bauen. Gerade hat VW bei ihm für 14 Milliarden Euro vorbestellt.

Kann man sich in eine Fabrik verknallen? Die Frage drängt sich auf, wenn Peter Carlsson mit geradezu zärtlichen Worten davon erzählt, wie sehr er es als Schuljunge vor bald vierzig Jahren genossen hat, den Arbeitsplatz seines Vaters im Stammwerk des schwedischen Lastwagenherstellers Scania zu besuchen. „Eine Fabrik mit einer unglaublich starken Seele. Das hat mich immer fasziniert.“ Er sagt es, als redete er von einer Jugendliebe.

Später kamen professionelle Vergleichswerte hinzu; Carlsson legte eine internationale Karriere als Einkaufs- und Logistikmanager hin; seine Leidenschaft für die Industrie ist nicht geringer geworden. Er beschreibt sie nicht anhand von kalten Kennzahlen, sondern mit einem speziellen Gefühl, einer Mischung aus Ehrfurcht und Hingabe: In einer Halbleiterproduktion in Taiwan habe er diesen wohligen Schauder empfunden, dann auch im Porsche-Werk in Zuffenhausen und beim Elektroautohersteller Tesla in Kalifornien. „In den neunziger Jahren habe ich mir beruflich mehr als 200 Fabriken auf der ganzen Welt angesehen“, sagt Carlsson. „In den besten steckt eine besondere Energie. Der gemeinsame Nenner ist der Eindruck von Ruhe, den das perfekt synchronisierte Zusammenspiel von Menschen, Maschinen und Material hinterlässt.“

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Peter Carlsson und Northvolt

Knapp fünf Jahre lang war der Schwede Peter Carlsson Einkaufschef des amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla. Danach wollte er es eigentlich ruhiger angehen lassen. Stattdessen hat er 2016 als Vorstandsvorsitzender den Batteriehersteller Northvolt mitgegründet, was ihn indirekt zum Wettbewerber seines früheren Chefs Elon Musk bei Tesla macht – und zum Hoffnungsträger vieler europäischer Industriepolitiker, die sich für die Zukunft der Autobranche dringend einen erfolgreichen Batteriekonzern auf dem Kontinent wünschen. Carlsson wurde 1970 als Sohn eines Facharbeiters geboren, hat an der Universität von Luleå am schwedischen Polarkreis Wirtschaftsingenieurwesen studiert und danach für den Mobiltelefonhersteller Sony Ericsson und den Halbleiterhersteller NXP Semiconductors gearbeitet, bevor er zu Tesla wechselte. Er ist ein passionierter Wintersportler, verheiratet und Vater dreier Kinder.

Kein anderer europäischer Batteriehersteller macht derzeit so viel Furore wie das schwedische Startup Northvolt. Die Firma wurde mit dem Vorsatz gegründet, die umweltfreundlichsten Elektroautobatterien der Welt herzustellen. Auch für eine Reihe anderer Einsatzmöglichkeiten will Northvolt Batterien liefern. Noch ist die industrielle Produktion nicht angelaufen. Aber Investoren wie Goldman Sachs und Volkswagen haben sich schon mit viel Geld beteiligt. Im Herbst will Northvolt seine erste Fabrik im nordschwedischen Skellefteå in Betrieb nehmen; zusammen mit VW wird eine zweite Fabrik in Salzgitter gebaut; auch BMW hat schon einen Liefervertrag mit Northvolt abgeschlossen.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Balzter, Sebastian
Sebastian Balzter
Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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