Deutsche Autoindustrie

Dieter Hundt verkauft Autozulieferer Allgaier an Chinesen

Von Gustav Theile
04.07.2022
, 14:09
Pressteilen für den Automobilbau: Dieter Hundt im Jahr 2013 in einem Werk des Automobilzulieferers Allgaier Werke GmbH in Uhingen.
Die deutsche Autoindustrie soll unabhängiger von China werden? Jetzt lässt die Politik den Verkauf eines schwäbischen Autozulieferers zu.
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Der ehemalige Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat seinen Autozulieferer Allgaier an einen chinesischen Investor verkauft. Das teilte das Unternehmen am Montag in Uhingen mit. Der Investor Westron habe zum 1. Juli die Mehrheit der Anteile des schwäbischen Traditionsbetriebs übernommen.

Die Allgaier Gruppe, die ihren Sitz in Uhingen östlich von Stuttgart hat, wurde 1906 gegründet und verformt als Zulieferer für die Autoindustrie etwa Bleche, ist aber auch im Maschinen- und Werkzeugbau aktiv und stellt zum Beispiel Siebanlagen her. Das Unternehmen hat etwa 1700 Mitarbeiter und war über längere Zeit finanziell angeschlagen. Die Auftragseingänge im Werkzeugbau waren stark rückläufig. Chipkrise und Pandemie setzten dem Unternehmen zu. Im Dezember 2020 hieß es, die Finanzierung sei nur bis ins Jahr 2023 gesichert. Das Unternehmen reagierte mit Kostensenkungen und Personalabbau. Zuletzt ging es offenbar wieder aufwärts. Der Auftragseingang von 650 Millionen Euro im Jahr 2021 sei ein „historischer Höchststand“ gewesen, es habe eine „erfreuliche Umsatzsteigerung“ gegeben.

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Verkauf genehmigt

Das Bundeswirtschaftsministerium, das bei Übernahmen durch Nicht-EU-Ausländer ein Veto einlegen kann, hatte den Verkauf kurz vor dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar geprüft und genehmigt. Seitdem haben sich die geopolitischen Spannungen mit China massiv erhöht. Politiker fordern von hiesigen Unternehmen, vor allem aus der Automobilindustrie, stärker zu diversifizieren und die Abhängigkeit von China zu reduzieren.

Hundt war lange Jahre einer der einflussreichsten Unternehmer des Landes. Von 1996 bis 2013 war er Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und ist heute BDA-Ehrenpräsident. Zudem führte er mehr als ein Jahrzehnt den Aufsichtsrat des VfB Stuttgart. Der Unternehmer pflegt seit langem enge Beziehungen nach China. Er ist Aufsichtsratschef der Zhongde Metal Group, die deutsche Mittelständler in China und chinesische Unternehmen in Deutschland berät. Für Allgaier ist der Manager seit 1975 tätig, zunächst als Geschäftsführer, dann übernahm er sukzessive die Anteile von der Eigentümerfamilie Allgaier. Unter seiner Führung expandierte das Unternehmen stark international und wuchs auch durch Übernahmen. Zuletzt war Hundt Aufsichtsratschef und hielt 75 Prozent der Anteile, seine beiden Kinder jeweils 12,5.

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Westron übernimmt nun 88,9 Prozent der Anteile der Familie und bringt zusätzliches Eigenkapital ein. Der Investor will sich auch operativ mit seinen „Erfahrungen aus der Restrukturierung, der Automobilindustrie sowie der Metallverarbeitung“ beteiligen. Durch den Verkauf solle das Wachstum gesichert und die finanzielle Lage stabilisiert werden, heißt es in der Mitteilung. Künftig solle der „Markt in China und Asien eine zentrale Rolle spielen“. Alle Verträge mit Mitarbeitern, Finanzierern und Kunden würden aufrechterhalten.

Westron ist in der Region nicht völlig unbekannt. Im Jahr 2018 übernahm der Investor zusammen mit einem Hongkonger Investor ein Gemeinschaftsunternehmen der Autozulieferer Bosch und Mahle mit 1300 Mitarbeitern, das Abgasturbolader herstellt. Laut der Mitteilung handelt es sich um ein „Industrieunternehmen, dessen Investmentsparte sich auf den Automobil- und Technologiesektor konzentriert“ und Beteiligungen in China und Deutschland hält. Allgaier verfüge über eine „exzellente Reputation in der Automobil- und Umwelt- sowie Recyclingindustrie“, wird Westron-Partner Scanny Cai zitiert. Man sehe im laufenden Jahr schon „einen deutlichen Umsatzanstieg“. Cai war laut seinem Linkedin-Profil in der Vergangenheit für Shell und Mercedes und einen Autozulieferer in China und Europa tätig.

Er freue sich, dass Westron mit „seinen finanziellen Möglichkeiten“ Allgaier erfolgreich führen werde und den Mitarbeitern eine hervorragende Perspektive gebe, wird Hundt in der Mitteilung zitiert. Westron habe „ein in allen Belangen wettbewerbsfähiges Angebot im Bieterverfahren vorgelegt“, sagte Finanzchef Rolf Graf laut Mitteilung. Die Belegschaft sei „sehr froh“ mit Westron einen Investor gefunden zu haben, mit dem „unser aller Arbeitsplätze“ gesichert werden könnten, wird Stilianos Barembas, Vorsitzender des Betriebsrates, zitiert. Die Mitarbeiter seien bisher dazu bereit gewesen, dem Unternehmen zu helfen. Man wolle nun auch mit Westron „eng zusammenarbeiten und die Erfolgsgeschichte Allgaier weiterschreiben“.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Theile, Gustav
Gustav Theile
Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.
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