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Verkauf der Aufzugssparte

Angst vor einer Thyssen-Insolvenz

Von Helmut Bünder, Düsseldorf
Aktualisiert am 18.02.2020
 - 23:18
Frust in Finnland: Kone-Chef Henrik Ehrnrooth bot viel und bekommt nichts.
Die Übernahme von Thyssen-Krupps Aufzuggeschäft durch Kone ist geplatzt. Der Chef des finnischen Unternehmens sieht den Ruhrkonzern in einer prekären Lage. Der Stahlkonzern hält dagegen.

Am Tag danach hat Kone-Vorstandschef Hendrik Ehrnrooth die Enttäuschung über die Absage von Thyssen-Krupp noch nicht ganz überwunden. „Wir hatten zwanzig Jahre auf diesen Deal hingearbeitet, weil seine industrielle Logik einfach phantastisch ist. Ich glaube, es gab nicht viele Industriezusammenschlüsse, die einen solchen Wert abgeworfen hätten“, sagte der Vorstandsvorsitzende des finnischen Aufzugherstellers. Aber seit Montag konzentriert sich Thyssen-Krupp beim geplanten Verkauf seines begehrten Aufzuggeschäftes auf Verhandlungen mit zwei Gruppen von Finanzinvestoren. Kone ist draußen und will da auch bleiben. Dabei hatten die Finnen zuvor das höchste Angebot vorgelegt. Angeblich waren es mehr als 17 Milliarden Euro, eine Zahl, die Ehrnrooth nicht kommentieren will.

„Wir konnten nicht weiter gehen“, sagte er im Gespräch mit der F.A.Z. „Das hatte sich schon an den vergangenen Tagen abgezeichnet. Nach der Rating-Abstufung durch Moody’s am Montag war für uns klar, dass das finanzielle Risiko zu groß würde“, beschrieb der Kone-Chef seine Sicht der Dinge. Bei Thyssen-Krupp klingt das anders. Dort hatte Finanzvorstand Johannes Dietsch vorsorglich schon in der vorigen Woche darauf verwiesen, dass beim Zuschlag für Kone eine „umfangreiche Kartellprüfung“ zu befürchten sei.

Ehrnrooth widersprach: „Die Wettbewerbsprüfung wäre in der von uns vorbereiteten Konstruktion für Thyssen-Krupp kein Hindernis gewesen.“ Kone habe angeboten, mögliche Verzögerungen finanziell abzufedern. Ein bis anderthalb Jahre, schätzt Ehrnrooth, hätte es gedauert, bis Kone die Übernahme tatsächlich hätte vollziehen können. „Wir waren bereit, diese Zeit mit einer Abschlagszahlung von 2,5 Milliarden Euro direkt bei der Unterzeichnung des Kaufvertrages zu überbrücken.“ Aber das sei zu waghalsig geworden. „Wenn Thyssen-Krupp zwischen der Unterzeichnung und dem Vollzug der Übernahme insolvent werden würde, hätten wir dieses Geld verloren. Dieses Risiko wurde uns zu groß“, sagte er.

IG Metall befürchtete Verlust von Arbeitsplätzen

Thyssens Finanzchef Johannes Dietsch bezeichnet das als Affront. Kone sei aufgefordert worden, solche Aussagen zu unterlassen. „Thyssen-Krupp verfügt per Ende Dezember über eine Liquidität von 5,1 Milliarden Euro, die sich aus liquiden Mitteln und freien, fest zugesagten Kreditlinien zusammensetzt“, heißt es in einem internen Schreiben von ihm an die Führungskräfte des Stahlkonzerns.

Durch die anstehende Elevator-Transaktion sei zudem ein erheblicher Mittelzufluss und eine Eigenkapitalstärkung zu erwarten. Für den Kone-Chef kommt es dabei auf das Tempo an. „Wenn ein Private-Equity-Investor sehr schnell das Geld auf den Tisch legt, stimmt das“, sagte Ehrnrooth. „Deshalb hat sich Thyssen-Krupp dafür entschieden, lieber früher weniger als später mehr Geld einzunehmen. Wegen ihrer finanziellen Lage konnten sie nicht länger warten. So einfach ist das.“ Die Börse quittierte die Entscheidung gegen Kone auch am Dienstag mit hohen Kursverlusten für Thyssen-Krupp. Die Aktie rutschte auf den tiefsten Stand seit dem vorigen Sommer.

Die Gewerkschaft IG Metall stand Kone von Anfang an misstrauisch gegenüber, weil sie den Verlust vieler Arbeitsplätze befürchtete. Jetzt verlangt sie von den verbliebenen Kaufinteressenten Zusagen für eine langfristige Standort- und Beschäftigungssicherung. Zusätzlich geht es ihr um Garantien für Investitionen und Forschungsmittel sowie den Erhalt der Mitbestimmung. „Wir würden uns wünschen, dass Thyssen-Krupp eine Minderheitsbeteiligung behält“, sagte der nordrhein-westfälische IG-Metall-Chef Knut Giesler.

Ob es so kommt, will der Konzern möglichst bis Ende Februar entscheiden. Ehrnrooth bezweifelt, dass die mehr als 50.000 Mitarbeiter, davon rund 5000 in Deutschland, mit einem Finanzinvestor besser fahren werden. „Die Beschäftigten werden ein Unternehmen bekommen, das die neuen Eigentümer mit einem enormen Schuldenberg belasten werden“, sagte er voraus. „Ich glaube, dass es für die Mitarbeiter besser gewesen wäre, Teil eines sehr starken Weltunternehmens zu werden.“

Als Unternehmen, das sich seit 95 Jahren in Familienhand befinde, lege Kone von jeher größten Wert auf ein konstruktives Miteinander und ein gutes Verhältnis zur Belegschaft. „Das gehört zu unserer Tradition und unserem Selbstverständnis“, meinte Ehrnrooth. Mit dem Versprechen, sich an diese Werte zu halten, sei man auch in die Gespräche mit Thyssen-Krupp gegangen. „Und vergessen Sie nicht: Wir hätten den Mitarbeitern die Wachstumschancen eines global aufgestellten Unternehmens geboten.“ Kone werde sich jetzt vorrangig auf organisches Wachstum konzentrieren.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bünder, Helmut (bü.)
Helmut Bünder
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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