FAZ plus ArtikelChipindustrie in Dresden

Das deutsche Silicon Valley

Von Stefan Locke, Dresden
18.07.2018
, 21:26
Infineon-Werk in Dresden: Der Chiphersteller ist eines von vielen internationalen Unternehmen, das in das Silicon Saxony investiert.
In Dresden befindet sich heute Europas größter Mikroelektronik-Standort. Die Grundlage für das Silicon Saxony wurde einst in der DDR gelegt.

Ein Dutzend Kräne drehen sich auf dem rund zehn Hektar großen Grundstück im Dresdner Norden. Hier, in unmittelbarer Nähe des Flughafens, investiert Bosch eine Milliarde Euro in eine neue Chipfabrik, die von 2021 an Halbleiter für Autos sowie das Internet der Dinge produzieren soll. Just Ende Juni legte Bosch-Vorstand Dirk Hoheisel im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer den Grundstein für das neue Werk, das für Bosch die zweite Halbleiter-Fabrik und seit einem Jahrzehnt auch wieder der erste Neubau einer solchen in Europa ist. Die Entscheidung für Dresden fiel in einem weltweiten Wettbewerb, sei aber letztlich eindeutig gewesen, sagt Hoheisel. „Sachsens Landeshauptstadt besitzt ein ausgezeichnetes Mikroelektronik-Cluster.“

Dieses Cluster besteht zurzeit aus 2300 Unternehmen mit rund 60.000 Mitarbeitern in ganz Sachsen, Tendenz steigend. „Global wächst die Branche“, sagt Frank Bösenberg. „Das Internet der Dinge lässt den Bedarf an Mikroelektronik-Chips steigen, und derzeit ist kein Ende abzusehen.“ Bösenberg ist Geschäftsführer der Silicon Saxony Management GmbH, die als Tochtergesellschaft des gleichnamigen Branchenverbandes die Kooperation zwischen Firmen und Forschungseinrichtungen in Sachsen stärkt. Der Name ist bewusst an das Silicon Valley angelehnt, den weltweit bekanntesten Hightech-Standort in Kalifornien, und er hat sich sowohl im Volksmund als auch in der Branche etabliert. Dresden ist heute der größte Mikroelektronik-Standort in Europa, jeder zweite in der EU gefertigte Chip kommt von hier, allerdings werden nur noch sieben Prozent aller Chips überhaupt in Europa produziert. Das Bosch-Projekt könnte diesen Anteil wieder steigen lassen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Locke, Stefan
Stefan Locke
Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.
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