Transparenzbericht für 2021

EY steigert trotz Wirecard die Zahl wichtiger Prüfungskunden

Von Mark Fehr
02.11.2021
, 17:30
Im Blick der Öffentlichkeit: Markenzeichen des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens EY an einem Firmengebäude in Berlin
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat im ersten Geschäftsjahr nach dem Wirecard-Skandal mehr bedeutende Mandanten gewonnen als verloren. Zudem wurden Mitarbeiter geschult, um Betrug so früh wie möglich zu entdecken.
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Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen EY konnte im ersten Geschäftsjahr nach dem Wirecard-Skandal trotz des erlittenen Reputationsschadens die Zahl seiner wichtigen Prüfungskunden steigern. Das zeigt ein Blick in den jährlichen Transparenzbericht, den EY am Montagabend ins Internet gestellt hat. Im Anhang zu dem gesetzlich vorgeschriebenen Bericht listet die Prüfungsgesellschaft alphabetisch alle Unternehmen von öffentlichem Interesse auf, die EY mit der Prüfung ihrer Bilanzen beauftragt haben. Zählt man die dort genannten Namen, hat EY im Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021 gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen bei 180 für die Öffentlichkeit besonders interessanten Unternehmen durchgeführt.

Im Geschäftsjahr davor hatte EY diese Leistungen laut dem damaligen Transparenzbericht nur für 163 derart bedeutende Mandanten erbracht – darunter das Ende Juni 2020 in Insolvenz gegangene ehemalige Dax-Unternehmen Wirecard, welches auf der aktuellen Liste nicht mehr auftaucht. Laut Handelsrecht besteht öffentliches Interesse an einem Unternehmen, wenn es börsennotiert ist oder wenn es sich um Versicherungen oder bestimmte Kreditinstitute handelt.

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Diese Definition trifft natürlich längst nicht auf alle EY-Kunden zu, sodass es sich bei der Betrachtung hier nur um einen Ausschnitt handelt – aber um einen wichtigen. Denn Mandate von öffentlichem Interesse sind langfristig besonders entscheidend für das künftige Geschäft, weil die Auftraggeber großen Wert auf die Reputation und die Fähigkeiten des beauftragten Wirtschaftsprüfers legen.

Ein Vergleich mit dem Transparenzbericht aus dem Vorjahr zeigt, dass EY im Geschäftsjahr 2021 unter dem Strich 17 wichtige Mandanten mehr gewonnen als verloren hat. Unter den neu gewonnenen EY-Mandanten mit besonders bekannten Namen stechen die Dax-Unternehmen Deutsche Bank und Volkswagen mit vier weiteren VW-Konzerngesellschaften sowie die aus dem Dax abgestiegene Deutsche Lufthansa hervor. Ebenfalls hinzu kam das im Frühjahr in den Dax aufgestiegene Technologieunternehmen Siemens Energy. Dessen Mutterkonzern Siemens gehörte schon im Vorjahr zu den EY-Mandanten.

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Neuaufträge von Traton und Ergo

Prominente neue Prüfungsaufträge führte EY auch für Traton durch, die ehemalige Lkw-Sparte von Volkswagen, sowie für insgesamt sechs Gesellschaften der Ergo Versicherung. Zu den weiteren im Geschäftsjahr 2021 aufgenommenen wichtigen Prüfungskunden von EY gehört die DKV Deutsche Krankenversicherung, die Norisbank als Direktbanktochter der Deutschen Bank, der Lkw-Hersteller MAN, der Stahlhersteller Salzgitter oder die Wüstenrot Bausparkasse.

Unter den Abgängen aus der Liste der öffentlich bedeutsamen EY-Prüfungskunden fällt zunächst das Dax-Mitglied HeidelbergCement ins Auge. Als der Prüferwechsel bekannt geworden war, hatte der Baustoffhersteller allerdings betont, dass die Entscheidung nichts mit der Wirecard-Affäre zu tun gehabt habe. Auch die Porsche Automobil Holding, die ADAC Versicherung oder die Privatbank Merck Finck gehörten im EY-Geschäftsjahr 2021 nicht mehr zu den wichtigen Mandaten. Ebenfalls von der Liste verschwunden ist die Mediengruppe Axel Springer und die Start-up-Schmiede Rocket Internet. In diesen beiden Fällen hat EY das Mandat jedoch behalten, nur zählen die zwei Unternehmen wegen ihres Rückzugs von der Börse nicht mehr zu den Unternehmen von öffentlichem Interesse.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen betont in seinem aktuellen Transparenzbericht, dass es oberste Priorität sei, durch den Wirecard-Fall verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen und das Vertrauen in die Qualität der Prüfung zu stärken. EY habe daher eine unabhängige Bewertung der Geschehnisse vorgenommen und Konsequenzen daraus gezogen. So seien bisher 2100 EY-Mitarbeiter zusätzlich geschult worden, um ihre Wahrnehmung für Risiken und möglichen Betrug zu schärfen. Zudem setze EY auf neue Technologien, um Warnsignale in den Bilanzen von Mandanten so früh wie möglich zu erkennen. Des weiteren wurden Führungsabteilungen eingerichtet, um die Qualität der Abschlussprüfungen zu fördern und zu überwachen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fehr, Mark
Mark Fehr
Redakteur in der Wirtschaft.
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