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F.A.Z. exklusiv

TUI und Boeing einigen sich auf Schadenersatz

Von Christian Müßgens und Roland Lindner
Aktualisiert am 02.06.2020
 - 20:30
TUI hatte in mehreren Schritten 61 Maschinen der 737-Max-Reihe bestellt, von denen 15 infolge von Flugverboten am Boden bleiben mussten.
Nicht nur die Corona-Pandemie macht TUI zu schaffen – auch das teure Debakel um die 737 Max lastete bis zuletzt auf dem Reisekonzern. Nun aber gibt es zumindest eine gute Nachricht in der Krise.

Der Reisekonzern TUI macht eine schwere Zeit durch. Die Corona-Krise hat den Tourismus seit Mitte März lahmgelegt. Nur dank eines staatlichen Hilfskredits in Milliardenhöhe wurde der Zusammenbruch des Unternehmens verhindert. Noch sind die Folgen der Pandemie nicht durchgestanden, allerdings kann Konzernchef Fritz Joussen jetzt an einer völlig anderen Front eine Einigung vermelden. Nach Informationen der F.A.Z. hat sich TUI mit dem amerikanischen Flugzeughersteller Boeing auf eine Kompensation des Schadens verständigt, der im Zusammenhang mit Flugverboten für Maschinen des Typs 737 Max entstanden war. Die Einigung gibt TUI gleichzeitig die Möglichkeit, seine Airlines zu verkleinern, was schon länger im Gespräch war.

TUI hatte in mehreren Schritten 61 Maschinen der 737-Max-Reihe bestellt. 15 davon waren vergangenes Jahr schon im Einsatz gewesen, mussten aber am Boden bleiben, nachdem Behörden auf der ganzen Welt als Reaktion auf Abstürze in Indonesien und Äthiopien ein Flugverbot verhängt hatten. Die Lieferung der übrigen Maschinen steht aus. Nach Angaben von TUI belief sich der Schaden durch Kosten für Ersatzflugzeuge und andere Sonderlasten infolge der Krise im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 293 Millionen Euro. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres schlugen weitere Ausgaben zu Buche. Als Wiedergutmachung soll Boeing jetzt eine Summe zahlen, die „einen erheblichen Teil des Schadens abdeckt“, über deren Höhe jedoch Stillschweigen vereinbart wurde. Zudem wird TUI ein Guthaben für künftige Bestellungen zugesprochen.

Außerdem sieht die Einigung vor, dass Boeing die Lieferung der bestellten Flugzeuge über einen längeren Zeitraum streckt als ursprünglich geplant. Da TUI gleichzeitig ältere Maschinen planmäßig aus der Flotte aussortiert, werden die hauseigenen Airlines schrittweise kleiner. Das deckt sich mit Joussens Vorhaben, die Kapazität der eigenen Fluggesellschaften zu reduzieren, was durch Corona noch deutlich wichtiger geworden ist. „Der Markt wird kleiner, Airlines wie Lufthansa und Easyjet haben ihre Flottengröße und die Bestellungen bei den Herstellern bereits angepasst“, hatte er kürzlich in einem Brief an die Belegschaft geschrieben. Auch TUI müsse auf die veränderten Erwartungen reagieren.

Die Liquidität wird geschont

Aktuell verfügen die fünf europäischen Fluggesellschaften des Konzerns über rund 150 Maschinen. Ein Teil davon sollte schrittweise durch die neuen Boeing 737 Max ersetzt werden. Konkret ist jetzt nach Informationen der F.A.Z. geplant, dass Boeing in den kommenden zwei Jahren weniger als die Hälfte der ursprünglich vorgesehenen Flugzeuge liefert. Über den ganzen, noch weit über diesen Zeitabschnitt hinausgehenden Planungszeitraum der Flottenerneuerung verschiebt sich die Abnahme im Durchschnitt um etwa zwei Jahre. Besonders hart dürfte es das Fluggeschäft der TUI in Deutschland treffen, wo laut Beteiligten erhebliche Einschnitte geplant sind. Das macht Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern nötig. Sie sollen demnächst beginnen.

Für TUI hat die Verschiebung den Nebeneffekt, dass sich der Kapital- und Finanzierungsbedarf im Konzern verringert. Auch die Liquidität wird geschont – ein wichtiges Thema für das Unternehmen. Nachdem die staatseigene KfW-Bank dem Konzern ein Darlehen von 1,8 Milliarden Euro gewährt hatte, verfügte TUI zuletzt noch über flüssige Mittel von 2,1 Milliarden Euro. Wie lange das reicht, hängt vor allem davon ab, wann der Reisebetrieb wieder richtig losgeht und neue Zahlungen von Kunden zufließen. Sollte die Krise länger dauern als erhofft, könnte TUI zusätzliche Staatshilfen beantragen, hatte Joussen kürzlich angedeutet.

Das bleibt im Moment noch ungewiss

Für Boeing ist die Einigung mit TUI ein weiterer Schritt zur Bewältigung des Debakels um die 737 Max, nachdem der Konzern zuvor schon mit anderen Großkunden Vereinbarungen über Entschädigungen geschlossen hatte. Im Dezember gab es ein Abkommen mit Southwest Airlines, der amerikanischen Fluglinie, die bislang die größte Flotte des Maschinentyps im Einsatz hatte. Im Januar folgte eine Einigung mit American Airlines. In beiden Fällen wurden keine finanziellen Details publik gemacht. Insgesamt hat Boeing bislang 8,3 Milliarden Dollar für Entschädigungen an Fluggesellschaften verbucht. Daneben hat das Flugverbot auch andere Kosten verursacht, etwa für den zwischenzeitlichen Produktionsstopp des Modells. Die gesamten finanziellen Belastungen hat Boeing bislang auf fast 20 Milliarden Dollar beziffert.

Wann die Maschine wieder abheben darf, bleibt im Moment noch ungewiss. Dies hängt davon ab, dass Aufsichtsbehörden eine Nachbesserung einer Flugautomatik genehmigen, die mit den beiden Abstürzen in Verbindung gebracht wird. Boeing hat eine Rückkehr der 737 Max für Mitte des Jahres in Aussicht gestellt, aber auch zugegeben, dass die Corona-Krise den Prozess komplizierter gemacht hat. In der vergangenen Woche hat das Unternehmen die im Januar ausgesetzte Fertigung des Modells wiederaufgenommen, wenn auch zunächst in niedrigen Mengen. Wegen der Pandemie rechnet Boeing damit, auch auf längere Sicht nicht an frühere Stückzahlen heranzukommen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Müßgens, Christian
Christian Müßgens
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Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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