Verdacht auf Bilanzfehler

Finanzaufsicht Bafin weitet Adler-Prüfung aus

Von Mark Fehr
22.06.2022
, 13:31
Die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin erweitert ihre Sonderprüfung der Bilanzen des Immobilienunternehmens Adler Real Estate.
Weil dem umstrittenen Immobilienunternehmen ein Testat des Wirtschaftsprüfers fehlt, erweitert die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin ihr Bilanzkontrollverfahren. Möglicherweise wurden Geschäfte mit nahestehenden Personen unvollständig oder falsch abgebildet – ein schwerwiegender Vorwurf.
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Weil der Immobilienkonzern Adler Group immer noch kein Testat seines Wirtschaftsprüfers für die Bilanz 2021 erhalten hat, weitet die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin ihr seit vergangenem Jahr laufendes Bilanzkontrollverfahren bei dem Unternehmen aus. Konkret untersucht die Bafin die Tochtergesellschaft Adler Real Estate mit Sitz in Berlin. Für die Adler-Muttergesellschaft mit Sitz in Luxemburg dagegen ist die dortige Finanzaufsicht CSSF zuständig.

Wie Adler am Mittwoch mitteilte, hat die Bafin der Adler Real Estate eine Anordnung zur Prüfung des Konzernabschlusses sowie des zusammengefassten Lageberichts für das Geschäftsjahr 2021 zugestellt. Es handelt sich damit um die Ausweitung einer schon laufenden Sonderprüfung auf ein weiteres Geschäftsjahr. Für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 hatte die Bafin schon im August vergangenen Jahres ein Bilanzkontrollverfahren angestoßen.

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Der verschachtelte Konzern kämpft seit einer Leerverkäufer-Attacke gegen wachsende Zweifeln an seinen Bilanzen, der Kurs der im S-Dax notierten Adler-Aktie ist seither tief eingebrochen. Auch eine von Adler in Auftrag gegebene forensische Sonderprüfung konnte die Zweifel nicht vollständig ausräumen. Deshalb hatte die für die jährlichen Bilanzprüfungen zuständige Wirtschaftsprüfung KPMG im April das Testat für den Jahresabschluss 2021 verweigert. Das verweigerte Testat ist der Grund dafür, dass die Bafin die Bilanzkontrolle nun auf das Geschäftsjahr 2021 ausgeweitet hat. Auf den aktuellen Aktienkurs hatte diese Nachricht bis Mittwochnachmittag jedoch kaum Auswirkungen.

ADLER GROUP S.A. NPV

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Wie Adler mitteilte, bestehen nach Auffassung der Bafin konkrete Anhaltspunkte dafür, dass Beziehungen und Geschäftsvorfälle mit nahestehenden Personen oder Unternehmen entgegen dem internationalen Rechnungslegungsstandard IAS 24 in der Konzernrechnungslegung möglicherweise nicht vollständig und richtig erfasst und abgebildet worden seien. Auch der professionelle Leerverkäufer Fraser Perring wirft Adler seit Herbst vergangenen Jahres unter anderem Geschäfte mit nahestehenden Personen zum Nachteil der Aktionäre vor.

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Die Wirtschaftsprüfung KPMG hat die Verweigerung ihres Testats für die Adler-Bilanzen ebenfalls damit begründet, nicht mit hinreichender Sicherheit beurteilen zu können, ob Geschäfte mit weiteren nahestehenden Personen und Unternehmen stattgefunden hätten und ob diese Geschäfte vollständig und richtig erfasst worden seien.

Sollte sich der Verdacht auf Bilanzlücken oder Fehler bestätigen, würde die Bafin Informationen dazu veröffentlichen. Zudem könnte die Bafin eine Korrektur der Bilanzen verlangen. Trotzdem begrüßte Adler am Mittwoch die Bafin-Prüfung, weil sie einen weiteren Beitrag zur Aufklärung der Anschuldigungen gegen das Unternehmen leisten werde.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Fehr, Mark
Mark Fehr
Redakteur in der Wirtschaft.
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