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Das ist Frankreichs nächstes Einhorn

Von Niklas Záboji
18.01.2022
, 08:44
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Die Zahl der französischen Jungunternehmen im Wert von mindestens einer Milliarde Euro hat sich in kürzester Zeit vervielfacht – noch schneller als von Präsident Macron gefordert. Nun folgt Nummer 26.
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In Frankreich sind die Einhörner los. Mit dem Fintech Spendesk erreicht nach Informationen der F.A.Z. an diesem Dienstag das nunmehr 26. Jungunternehmen im Land jenen Status, der eine Investorenbewertung von mehr als einer Milliarde Dollar kennzeichnet.

Durch die Erweiterung der sogenannten Series-C-Runde um zusätzliche 100 Millionen Euro hat Spendesk diese Schwelle nun übersprungen. Die Investitionssumme kommt vom amerikanischen Beteiligungskapital-Fonds Tiger Global mit Beteiligung aller bestehenden Investoren. Tiger Global hat schon früh Technologieunternehmen wie Meta (Facebook) und Spotify finanziert und ist in der Branche entsprechend populär.

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Von Woche zu Woche immer länger

Als Anbieter für das Management von Geschäftsausgaben ist Spendesk seit 2016 am Markt. Es bietet Unternehmen mit 50 bis 1000 Mitarbeitern eine Software an, in der alle Ausgaben gesammelt und nachverfolgt werden können. Das soll Prozesse vereinfachen und automatisieren, das heißt vor allem in der Buchhaltung Zeit und Kosten sparen helfen. Der von Hand ausgefüllte Spesenzettel soll der Vergangenheit angehören. Spendesk hat zur Zeit 400 Mitarbeiter, bis Ende dieses Jahres sollen 300 weitere dazukommen, davon 120 an den Standorten Berlin und Hamburg.

Dass sich das französische Fintech am Markt behaupten kann, ist durchaus bemerkenswert. Denn das Geschäft mit der Spesendigitalisierung ist hart umkämpft. So wurde der dänische Konkurrent Pleo Mitte voriges Jahres zum ersten dänischen Einhorn und ist mittlerweile fast 5 Milliarden Euro wert. Auch das in Sofia gegründete und in London ansässige Fintech Payhawk, Pliant aus Berlin und Soldo aus London oder die französischen Abrechnungsspezialisten Jenji, Qonto und Mooncard buhlen um Kunden aus kleinen und mittleren Unternehmen.

Der Spendesk-Chef Rodolphe Ardant hat große Ziele – und viel Konkurrenz.
Der Spendesk-Chef Rodolphe Ardant hat große Ziele – und viel Konkurrenz. Bild: Spendesk

Der Spendesk-Mitgründer und -Geschäftsführer Rodolphe Ardant gibt an, nicht die Fintech-Konkurrenz am meisten zu fürchten. „Unsere Wettbewerber sind Unternehmen, die am Status quo mit traditionellen und sehr bürokratischen Prozessen festhalten“, sagt er im Gespräch. Dabei seien die Früchte der Digitalisierung mit den Händen zu greifen. Ardant, der an der angesehen Ingenieurshochschule École polytechnique studiert und schon einmal ein Unternehmen gegründet und verkauft hat, sieht den Vorteil seiner Software vor allem darin, dass sie die ganze Ausgabenpalette abdeckt.

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Aktuell wird Spendesk nach eigenen Angaben von rund 60.000 Nutzern verwendet. Auf die Bundesrepublik entfallen rund 30 Prozent des Umsatzes, aber Ardant nennt sie den größten potentiellen Markt, vor allem mit Blick auf die vielen mittelständischen Unternehmen. Dort will er verstärkt expandieren. Zu den deutschen Kunden gehören bislang beispielsweise der Busanbieter Flixbus und die schwäbische Industrieikone Stihl.

Als Einhorn reiht sich Spendesk ein in eine Liste an französischen Einhörner, die zuletzt von Woche zu Woche immer länger wurde: Anfang Januar erst hatten die Fintechs Payfit und Qonto bekannt gegeben, mehr als eine Milliarde Dollar eingesammelt zu haben, Letzteres wurde mit einer Bewertung von 4,4 Milliarde Euro sogar zum wertvollsten französischen Start-up. Auch die Handelsplattform Ankorstore wurde vor wenigen Tagen zum Einhorn.

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Der Markt schwimmt derzeit in Investorengeld, heißt es allenthalben. Zusammen akquirierten die französischen Start-ups im vergangenen Jahr den Rekordwert von knapp 12 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie 2020. Allerdings gab es solche und noch größere Zuwächse auch in anderen Ländern wie Großbritannien und Deutschland.

Direkte Ansprechpartner in den Ministerien

Der Roboterdienstleister Exotec wurde am Montag Einhorn Nummer 25. Das von Emmanuel Macron im September 2019 ausgerufene Ziel, diese Menge an mit einer Milliarde Dollar bewerteten Jungunternehmen zu erreichen, ist damit deutlich früher erreicht als geplant; damals gab es erst gut eine Handvoll Einhörner wie den Fahrtvermittler Blablacar, den Cloudanbieter OVH oder die Terminvergabeplattform Doctolib.

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Der schon im Wahlkampfmodus befindliche Präsident nahm die Zielerreichung zum Anlass, in einer Videobotschaft auf den Erfolg von „French Tech“ zu verweisen. Dies verändere das Leben der Franzosen, schaffe Hunderttausende von Arbeitsplätzen im ganzen Land und mache die französische Souveränität aus.

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Spendesk-Mitgründer Ardant macht deutlich, von Macrons Start-up-Förderung enorm profitiert zu haben. „Die französische Politik fördert die Digitalwirtschaft mit konkreten Maßnahmen ganz gezielt“, sagt er. Dazu gehörten die Aktienoptionen für Mitarbeiter und die unbürokratischen Regelungen, um Fachkräfte ins Land zu holen. Dadurch arbeiteten für Spendesk heute Mitarbeiter aus 40 Nationen.

„Zudem gibt es in Frankreich direkte Ansprechpartner in den Ministerien“, betont Ardant. „Das hilft sehr“. Cedric O, französischer Staatssekretär für Digitales, habe sich für diesen Dienstag zu einem Besuch angekündigt, und im Februar stehe schon ein Treffen mit Macrons Wirtschaftsberater Philippe Englebert im Élysée-Palast im Terminkalender.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Zaboji, Niklas
Niklas Záboji
Wirtschaftskorrespondent in Paris
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