FAZ plus ArtikelSatellitenprojekt Galileo

Schock für Bremens OHB

Von Christian Müßgens, Hamburg
21.01.2021
, 22:49
Das Raumfahrtunternehmen OHB ist im Ringen um Aufträge für das Satellitensystem Galileo ausgeschieden. Vorstandschef Fuchs muss Kosten senken. Er sieht aber auch Chancen.

Marco Fuchs ist die Enttäuschung deutlich anzumerken. In dieser Woche hatte der Vorstandsvorsitzende des Bremer Satellitenherstellers OHB überraschend schlechte Nachrichten aus Brüssel erhalten: Die Europäische Raumfahrtbehörde Esa und die EU-Kommission teilten ihm und seiner Mannschaft kurz und knapp mit, dass OHB in der Ausschreibung um neue Satelliten für das Navigationssystem Galileo nicht zum Zuge kommt. Fuchs, dessen börsennotiertes Familienunternehmen das System bisher fast im Alleingang aufgebaut hatte, war vor den Kopf gestoßen. „Wir waren über Jahre mit viel Herzblut bei der Sache, Galileo ist ein Teil unserer Identität geworden“, sagt der 58 Jahre alte Manager. „Dass wir jetzt aus dem Projekt ausscheiden, ist ein großer Misserfolg.“

22 Galileo-Satelliten aus dem Hause OHB kreisen schon um die Erde. Ein weiteres Dutzend wird zur Zeit noch gebaut. In der Ausschreibung für zwölf zusätzliche Modelle der zweiten Generation haben aber jetzt der deutsch-französische Airbus-Konzern und die französisch-italienische Thales Alenia Space den Zuschlag bekommen. Die Wahrnehmung, dass seine Ingenieure auf ganzer Linie versagt haben, weist Fuchs entschieden zurück. „Die Esa hat unser Angebot zwischen gut und sehr gut eingestuft“, sagte er der F.A.Z. „Das zeigt, dass wir keine Anfänger sind, sondern einen guten Job gemacht haben.“ Gleichzeitig gibt er zu, dass OHB in der Analyse noch ganz am Anfang steht und dass eigene Fehler natürlich eine Rolle gespielt haben dürften. „Vielleicht sind wir ein bisschen zu selbstsicher und bequem geworden, das kann ich nicht ausschließen.“ Mehr Informationen erhofft er sich von einer Nachbesprechung, zu der die Behörden am 26. Januar eingeladen haben.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Müßgens, Christian
Christian Müßgens
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
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