Auslandsvermarktung

Fußball-Bundesliga öffnet Tür für Investoren

Von Klaus Max Smolka
26.03.2021
, 07:13
Die Profiklubs brauchen Geld. Auch deshalb prüft die DFL jetzt den Einstieg von Finanzinvestoren. Vor allem Private-Equity-Gesellschaften könnten mitmischen.

Die Pandemie setzt dem deutschen Profifußball mächtig zu. Zwar können die Berufskicker im Gegensatz zu Hobbysportlern ihren Ligabetrieb aufrechterhalten. Doch reißen die fehlenden Zuschauereinnahmen immer größere Lücken in die Etats der Lizenzspielervereine. Für ohnehin hochverschuldete Klubs wie Schalke 04 verschärft sich dadurch die Lage erheblich, aber auch vor der Krise als solide geltende Vereine wie Werder Bremen oder Mainz 05 geraten unter Druck. Nicht nur Eintracht Frankfurt musste seine Profis zum Gehaltsverzicht bewegen.

Vor diesem Hintergrund kämen neue Geldquellen zupass. Die Bundesliga hat nun den Startschuss für einen möglichen Einstieg internationaler Finanzinvestoren gegeben. Die sollen in der Vermarktung der Auslandsrechte mitmischen – ein unter Fans umstrittener Schritt, der die Finanzkraft der Klubs stärken soll. Es geht um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Konkret wird der Prozess dadurch, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) möglichen Geldgebern Informationspakete über eine Beteiligung geschickt hat. Das Projekt trägt den Namen „Competition“. Entsprechende Informationen der F.A.Z. bestätigte die DFL auf Anfrage. Der zusammenfassende Prospekt („Teaser“) für einen solchen Einstieg liegt dieser Zeitung vor. Er ist bei derartigen Transaktionen mit Investoren der übliche erste Schritt.

Es geht um bis zu 25,1 Prozent

Dem Vernehmen sind etwa 30 Parteien solchermaßen angeschrieben worden: alle bekannten Private-Equity-Adressen, die sich schon im Sportgeschäft engagiert haben, und daneben Unternehmen aus der Branche, namentlich Sportdatenspezialisten. Die DFL macht somit Ernst mit Überlegungen, über welche die F.A.Z. erstmals Ende Oktober berichtet hatte. Sie lässt sich von der Investmentbank Nomura beraten. Es geht um einen Anteil bis zu 25,1 Prozent an einer noch zu gründenden Einheit, welche Auslandsrechte vermarktet, auch um den Aufbau einer internationalen Plattform für digitale Inhalte.

Wie dem Teaser zu entnehmen ist, firmiert diese Tochtergesellschaft unter dem vorläufigen Namen „MediaCo“ – daneben steht eine zweite Einheit namens „DigitalCo“, die Rechte an virtuellen elektronischen Fußballspielen enthält. Beide sind den Plänen zufolge als Tochtergesellschaften unter der DFL GmbH aufgehängt.

In die MediaCo würde nach jetzigem Stand die bestehende DFL-Tochtergesellschaft „Bundesliga International“ aufgehen; diese früher DFL Sports Enterprises genannte Gesellschaft organisiert seit dem Jahr 2008 den Verkauf von Rechten im Ausland. Ursprünglich war einmal geplant gewesen, dass Investoren sich an ihr beteiligen; die Pläne haben sich also in einem gesellschaftsrechtlichen Detail geändert. Der Umsatz aus internationalen Medienrechten habe sich seit der Saison 2015/16 um durchschnittlich 10 Prozent jährlich erhöht, heißt es in den Dokumenten, welche die DFL und Nomura an Interessenten schickten. Es gehe um 295 Millionen Zuschauer in mehr als 210 Ländern und 230 Millionen Euro Umsatz.

Wachsende globale Beachtung

Als weitere Punkte führt der englischsprachige Teaser an: „Die Bundesliga ist immer noch wenig zu Geld gemacht im internationalen Vergleich mit der englischen Premier League, dabei ist es die am schnellsten wachsende große Liga, was die globale Beachtung angeht.“ Sie habe das Potential, durch ein Spektrum anderer kommerzieller Partnerschaften weiter geldbringend vermarktet zu werden.

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Die Gespräche drehen sich nicht nur, aber zum großen Teil um einen Teileinstieg von Private-Equity-Häusern – und damit Vertretern einer Branche, die in den vergangenen Jahren vermehrt ins Sportgeschäft einsteigt. Wie zu hören ist, bekamen Interessenten signalisiert, dass sie etwa sechs Wochen Zeit haben, um sich ein Urteil zu bilden. „Bis Ende April, Anfang Mai sollen indikative Angebote eingereicht werden“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Das entspricht dem klassischen Auktionsverfahren in Beteiligungsprozessen, wonach Interessenten zunächst eine vorläufige, unverbindliche Offerte abgeben.

Daraus soll im Anschluss eine Gruppe von etwa fünf Bewerbern ausgewählt werden, mit denen es in ernstere Verhandlungen geht. Über sie soll in einer außerordentlichen Sitzung die Mitgliederversammlung im Sommer urteilen, die aus 36 Profiklubs der Ersten und Zweiten Bundesliga besteht. „Es sind die Klubs, die entscheiden, ob sie das Investitionsangebot annehmen oder nicht“, sagte auf Anfrage Nomura-Banker Patrik Zeigherman, der das Projekt betreut. Kommt es zu Verhandlungen, geht es einerseits um ein Langfrist-Abkommen, denn das zu gründene Unternehmen soll für 25 Jahre die Lizenz für die Medienrechte im Ausland halten. Andererseits bindet sich Private Equity praktisch nie so lange, daher werden die Anteilseigner wechseln können, wie DFL-Geschäftsführer Christian Seifert bestätigt.

Operatives Geschäft führt die DFL GmbH

Das operative Geschäft der Deutschen Fußball-Liga wird von der DFL GmbH geführt, sie vermarktet den deutschen Profifußball also. Unter ihr hängen vier Tochtergesellschaften, darunter Bundesliga International. Nomura hatte die DFL im vergangenen Frühjahr schon in einer anderer Angelegenheit beraten. Damals ging es um einen Überbrückungskredit für den Fall, dass die Bundesliga-Saison coronabedingt endgültig abgebrochen worden wäre. Am Ende wurden die Spiele zwar wiederaufgenommen.

Nomura eruierte aber damals bei Private-Equity-Gesellschaften, die Kreditvergabesparten betreiben, unter ihnen Branchengrößen wie Blackstone und KKR. Umgekehrt brachten sich dem Vernehmen nach Finanzinvestoren selbst für einen Deal in Stellung – auch für Beteiligungen an Tochtergesellschaften. Auch zuvor soll es schon Anfragen von Private Equity gegeben haben.

Seifert betont denn auch stets seine Rolle als Chef einer von Investoren angesprochenen Gesellschaft. Es sei dann seine Aufgabe, das für die Klubs zu prüfen. Viele Fußball-Fans sehen es anders: Sie betrachten Private-Equity-Gesellschaften wie die im Sport aktiven CVC und Advent als Katalysatoren dafür, dass der ohnehin stark kommerzialisierte Spitzensport immer weiter Sache des großen Gelds werde.

DFL-Geschäftsführer Christian sieht großes Interesse

Warum eruiert die DFL das Interesse von Investoren?

Es gibt ein sehr großes Interesse im Markt. Die DFL wurde als Liga-Organisation gegründet, ist heute aber auch ein international aufgestellter Medienkonzern. Wir wurden bereits in den vergangenen Jahren immer wieder von renommierten Private-Equity-Firmen angesprochen. Im Zuge der Corona-Krise hat sich die Nachfrage nach Investmentmöglichkeiten in Sport- und Medienunternehmen nochmals verstärkt. Es wäre den Klubs gegenüber fahrlässig, derartige Optionen nicht zu prüfen.

Wie werden die Klubs reagieren?

Das kann ich noch nicht abschätzen, wir sprechen über 36 kleine und mittelständische Unternehmen mit heterogenen Strukturen und individuellen Strategien. Es wird letztlich an den Bietern sein, die 36 Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga von der Werthaltigkeit und strategischen Relevanz ihrer Angebote zu überzeugen.

Zum Zeitrahmen: Für wie lange sollen die Rechte vergeben werden?

Die Konstruktion sieht im Kern ein neues Unternehmen vor, das für 25 Jahre die Lizenz erhält, die internationalen Medienrechte sowie die globalen Marketingrechte zu verwerten. Das unterstreicht den soliden langfristigen Investmentansatz, der sowohl den Klubs als auch den Investoren Sicherheit beim Einstieg und ebenso beim möglichen Exit bietet. Private-Equity-Firmen sind üblicherweise Partner auf Zeit, und im Rahmen unseres Modells ist ein Ausstieg nach einigen Jahren problemlos möglich.

Wie werden die Fans reagieren?

Falls sich die Klubs für ein Investment entscheiden, sieht dies eine mögliche Minderheitsbeteiligung von maximal 25,1 Prozent an einer international tätigen Medien- und einer Datentochter der DFL GmbH vor, die keine spürbaren Berührungspunkte in Deutschland hätte. Mit der vieldiskutierten 50+1-Regel, die eine Mehrheitsübernahme bei deutschen Klubs untersagt, hat das weder inhaltlich noch strukturell etwas zu tun.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Smolka, Klaus Max
Klaus Max Smolka
Redakteur in der Wirtschaft.
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