Glutenfreier Marktführer

Für manche ist Weizen des Gluten zu viel

Von Aaron Conrady, Eichsfeld-Gymnasium, Duderstadt
15.02.2021
, 16:19
Rohstofflieferant
Wer Zöliakie hat, ist auf Produkte ohne Gluten angewiesen. Doch sie werden inzwischen auch von vielen Menschen gekauft, die nicht an der Darmerkrankung leiden.
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In Deutschland leidet nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts einer von 100 Menschen unter einer Zöliakie. Diese chronische Erkrankung ist gemäß der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) eine Unverträglichkeit des Dünndarms gegenüber Gluten. Gluten ist ein Sammelbegriff für Proteine und kommt in Weizen und anderen Getreidearten vor.

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Menschen mit dieser Darmerkrankung sind auf glutenfreie Lebensmittel angewiesen. Das niedersächsische Familienunternehmen Bauck GmbH aus Rosche produziert glutenfreies Mehl, Frühstücksflocken, Brot- und Kuchenbackmischungen unter dem Markennamen Bauckhof.

„Die Bauck GmbH ist deutscher Marktführer im glutenfreien Bio-Sortiment und bei Bio-Backmischungen“, berichtet Marketingleiter Hannes Öhler. „Wir haben damals gedacht, es kann ein kleines Standbein nebenbei werden. Heute sind mehr als die Hälfte unserer Produkte glutenfrei“, sagt der Geschäftsführer Jan-Peter Bauck.

Hafer nicht immer glutenfrei

Zu den Wettbewerbern im glutenfreien Segment zählten Werz und Schär und bei klassischen Demeter-Mühlenprodukten die Spielberger Mühle. Seit drei Generationen verkauft das Unternehmen Mehle und andere Getreideprodukte. Im Jahr 2005 entschied sich Bauck dann dazu, glutenfreie Produkte in das Sortiment aufzunehmen.

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„Die Erkenntnis, dass Hafer glutenfrei ist, war für uns ein großer Gewinn“, erklärt Bauck. Denn mit Hafer habe man ein Getreide gefunden, das sich gut in Norddeutschland anbauen lässt. Allerdings, ergänzt Öhler, sei der handelsübliche Hafer meistens nicht glutenfrei. Er werde bei Ernte, Transport und Verarbeitung oft verunreinigt, wenn zum Beispiel Maschinen verwendet würden, die zuvor in der Weizenernte genutzt wurden.

„Dies vermeiden wir durch entsprechende Briefings und Vereinbarungen mit den Landwirten. Darüber hinaus testen wir Rohstoffe und Endprodukte im eigenen Glutenlabor.“ Außerdem tragen alle glutenfreien Haferprodukte von Bauckhof das DZG-Siegel der durchgestrichenen Ähre. Mit ihm garantiert die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft die Einhaltung hoher Produktstandards.

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Investition in eine neue Mühle

Die Nachfrage nach glutenfreien Produkten wuchs stetig, so dass sich das Unternehmen 2019 entschied, für gut 20 Millionen Euro eine neue Hafermühle zu bauen. Im Spätsommer 2020 ist sie in Betrieb gegangen. „Die Hafermühle ist mit ihrer speziell entwickelten Mühlentechnik für die Verflockung, Vermahlung und Verpackung von glutenfreiem Hafer und weiteren glutenfreien Rohstoffen in Europa einzigartig“, berichtet Öhler. Durch sie verdoppelte Bauck die Kapazitäten der Gesamtverarbeitung. „Die neue Mühle stellt die größte Investition unserer Unternehmensgeschichte dar“, sagt Bauck.

Die Duderstädterin Ursula Muth kauft die Bauckhof-Mehle, seit bei ihrem Sohn Zöliakie diagnostiziert wurde. „Die Backeigenschaften und der Geschmack des Hafermehls haben mich überzeugt“, sagt sie. Den Preisunterschied zu herkömmlichem Weizenmehl fand sie erst einmal enorm.

„Vor der Erkrankung meines Sohnes habe ich Mehl für etwa 0,90 Euro gekauft, das glutenfreie Hafermehl von Bauckhof kostet mich ungefähr das Doppelte.“ Glutenfreie Produkte seien allerdings insgesamt teurer und die Bauckhof-Mehle eher günstig.

Hohe Umsatzsteigerung

Doch nicht nur Zöliakie-Betroffene oder Personen mit Unverträglichkeiten kaufen glutenfreie Produkte. Es gibt laut Öhler unterschiedliche Motive. So werde glutenfrei zu leben seit längerem von vielen Prominenten, vor allem in den Vereinigten Staaten, empfohlen.

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Zahlreiche Menschen erhofften sich eine gesündere Ernährung. Jedoch warnt die DZG-Vorsitzende Claudia Wiedemann auf der Internetseite der Gesellschaft vor diesem Irrglauben. Dieser Ernährungstrend führe zu keiner Verbesserung der Gesundheit.

Neben dem Hauptrohstoff Hafer verarbeitet das Unternehmen unter anderem Hirse, Braunhirse, Kichererbsen, Reis, Buchweizen, Kastanien und Quinoa zu Flocken und Mehlen. Die Kapazität für diese glutenfreien Produkte wurde durch die neue Anlage verdreifacht. Außerdem wurden durch sie vierzig neue Arbeitsplätze geschaffen; derzeit arbeiten rund 220 Mitarbeiter bei Bauck.

Im Geschäftsjahr 2019/20 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 64 Millionen Euro umgesetzt. Damit wurde der Umsatz in den vergangenen drei Jahren um rund 45 Prozent gesteigert. Die Produkte werden in Deutschland und mehr als dreißig weiteren Ländern verkauft. Das Sortiment umfasst mehr als 140 Produkte, dazu gehören auch Porridges, Müslis sowie Burger- und Falafel-Mischungen.

Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

Quelle: F.A.Z.
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