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Hotels reduzieren Plastikmüll

Schluss mit den Mini-Shampoos!

Von Roland Lindner, New York
 - 06:13
Mini-Packungen mit Shampoo, Conditioner und Body Lotion in den SpringHill Suites in New Orleans, die zur Mariott-Gruppe gehören.

Kleine Plastikfläschchen mit Shampoo oder Duschgel gehören zum gewohnten Bild in den Badezimmern von Hotels. Für die Gäste sind sie oft auch beliebte Souvenirs. Aber in vielen Hotels werden sie bald der Vergangenheit angehören. Einige der größten Hotelketten der Welt haben angekündigt, die Einwegbehälter aus ihren Zimmern zu entfernen, um den mit ihnen verbundenen Müll zu reduzieren. Und zumindest auf lokaler Ebene haben auch amerikanische Gesetzgeber den Kampf gegen die Minifläschchen aufgenommen. Im traditionell besonders umweltfreundlichen Kalifornien hat gerade ein Gesetzentwurf, der ein Verbot dieser Behälter in der Hotellerie vorsieht, eine weitere Hürde genommen.

Marriott, der gemessen am Umsatz größte Hotelbetreiber der Welt, zu dem neben den namensgebenden Häusern Ketten wie Sheraton, St. Regis oder W gehören, hat vor rund zwei Wochen mitgeteilt, seinen Gästen künftig nirgendwo auf der Welt mehr kleine Fläschchen mit Shampoo, Conditioner und Duschgel zur Verfügung zu stellen. Stattdessen soll es größere Behälter mit einem Pumpmechanismus geben, in die zehn bis zwölf Mal so viel passt. Wie Marriott mitteilte, landen die bisherigen Miniflaschen üblicherweise nicht im Recycling, sondern im Restmüll. Die größeren Behälter sollen dagegen recycelt werden.

Wenn die Umstellung vollzogen ist, wird das nach Marriott-Angaben dafür sorgen, dass künftig 500 Millionen kleine Plastikflaschen oder knapp 800.000 Kilogramm Plastik nicht mehr auf die Müllhalde wandern. Der Hotelkonzern ist nach eigener Aussage schon in 1000 amerikanischen Häusern zu den Pumpbehältern übergangen, bis Ende nächsten Jahres will er es in allen seinen 7000 Hotels in der Welt geschafft haben.

Kalifornien will Plastikstrohhalme ganz verbieten

Auch der Marriott-Wettbewerber IHG, zu dem Ketten wie Intercontinental und Holiday Inn gehören, hat unlängst mitgeteilt, die Mini-Badeartikel in seinen 5600 Häusern bis 2021 abzuschaffen. Bislang werden dort nach seinen Angaben 200 Millionen solcher Behälter im Jahr verbraucht. Der Unterhaltungskonzern Walt Disney hat schon im vergangenen Jahr gesagt, er wolle in den Hotelzimmern seiner Freizeitparks und auf seinen Kreuzfahrtschiffen zu nachfüllbaren Behältern im Bad übergehen. Für Disney wie auch für Marriott und IHG ist der Verzicht auf die Mini-Shampoos und –Duschgels eine von mehreren Initiativen, um den Plastikmüll zu reduzieren. All diese Unternehmen haben zum Beispiel auch angekündigt, Strohhalme aus Plastik aus ihren Betrieben zu verbannen. Disney spart nun nach eigener Aussage jährlich rund 175 Millionen Plastikstrohhalme ein.

In Kalifornien wollen sich Politiker auf solche Initiativen der Unternehmen nicht verlassen. Der Landkreis Santa Cruz, der schon 2016 als erster in Amerika ein Verbot für Plastikstrohhalme beschloss, hat vor knapp einem Jahr auch die Bereitstellung der kleinen Plastikbehälter in Hotels per Gesetz untersagt. Inspiriert davon, haben Politiker einen ähnlichen Gesetzentwurf auf Bundesebene entwickelt, der gerade vom dortigen Senat abgesegnet wurde und damit der Umsetzung einen Schritt näher kam. Der Entwurf sieht vor, dass Hotels mit mehr als 50 Zimmern von Anfang 2023 an keine kleinen Plastikflaschen mit Körperpflegemitteln mehr in den Zimmern zur Verfügung stellen dürfen. Für kleinere Häuser soll das Verbot ein Jahr später gelten. Wer sich nicht daran hält, soll beim ersten Mal verwarnt und bei weiteren Zuwiderhandlungen mit einem Bußgeld von jeweils 500 Dollar bestraft werden.

Schlupfloch für Andenkensammler

Auch wenn der Verzicht auf die Portionsfläschchen der Umwelt zu Gute kommen soll, wird sich womöglich nicht jeder Hotelgast darüber freuen. Marriott-Vorstandschef Arne Sorenson sagte zur Nachrichtenagentur „Associated Press“, er stelle sich auf einige Beschwerden ein, zumal viele Menschen die Minibehälter gerne sammelten. Seine eigene Mutter habe eine ganze Schublade davon gehabt. Für solche Sammler enthält zumindest der kalifornische Gesetzentwurf ein Schlupfloch: Denn an Gäste, die explizit darum bitten, sollen Hotels die kleinen Fläschchen mit Shampoo oder Duschgel auch künftig aushändigen dürfen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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