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Neues Angebot

Sechs Monate Elternurlaub, voll bezahlt

Von Susanne Preuß, Böblingen
 - 09:25
Elternzeit nehmen längst auch viele Väter.

Das IT-Unternehmen Hewlett Packard Enterprise (HPE) gewährt seinen Beschäftigten ab sofort einen besonderen Elternurlaub: Bei voller Bezahlung kann jede Mutter und jeder Vater innerhalb von zwölf Monaten nach der Geburt ihres Kindes ein halbes Jahr Pause einlegen und anschließend trotzdem noch die staatlichen Elternzeit-Leistungen in Anspruch nehmen. „Das ist eine riesige Investition. Aber für uns steht außer Frage, dass sie sich auszahlen wird“, erklärt Ernst Reichart, der Personalgeschäftsführer von HPE in Deutschland im Gespräch mit der F.A.Z.: „Zufriedene Menschen sind kreativer, produktiver und leistungsfreudiger.“

Aktuell sind es in Deutschland rund 30 HPE-Mitarbeiter, die von dem Angebot profitieren werden, berichtet Reichart – wobei er nicht sicher sein kann, dass er alle Anspruchsberechtigten schon kennt. Erstens erfährt das Unternehmen gerade von werdenden Vätern erst spät von einer Schwangerschaft. Der Elternurlaub wird außerdem auch im Fall von Adoptionen gewährt und er gilt auch in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Voraussetzung ist lediglich, dass die Mitarbeiter bis zum Beginn des Elternurlaubs schon mindestens zwölf Monate bei HPE beschäftigt sind, und sie müssen den Urlaub im ersten Lebensjahr des Kindes nehmen.

Der Elternurlaub, der in diesem Umfang ein einzigartiges Angebot sein dürfte, ist Teil einer globalen Initiative von Hewlett Packard Enterprise zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Dazu gehören weitere Maßnahmen wie etwa Teilzeitmöglichkeiten und Unterstützung nach einer längeren Pause im Beruf, aber auch ein bezahlter freier Freitagnachmittag pro Monat. Bei HPE in Deutschland ist es der zweite Freitag im Monat, an dem praktisch keine Mails im Postfach landen, weil die Arbeit weitgehend ruht. Somit muss niemand Angst haben, etwas zu verpassen, lautet die Logik hinter diesem „Wellness-Freitag“.

Bei all dem weiß die HPE-Belegschaft den Konzernchef hinter sich. „Ich hoffe, dass meine CEO-Laufbahn nicht nur an der Aktionärsrendite gemessen wird, sondern auch an unserer Kultur und an dem Team, das wir aufgebaut haben“, wird Antonio Neri, der seit bald zwei Jahren HPE führt, in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert. Er sieht sich damit wiederum in der Tradition der Gründer Bill Hewlett und David Packard, die von Beginn an für eine spezielle Unternehmenskultur bekannt waren.

„Wollen auch, dass sie Karriere machen“

Dabei ist der noch existierende Drucker-Hersteller Hewlett-Packard nur ein Teil des von ihnen gegründeten Unternehmens. HPE ist der Name des größeren Konzernteils, der 2015 abgespalten wurde. HPE beschäftigt 60.000 Mitarbeiter (davon 2100 in Deutschland) im IT-Geschäft mit Unternehmenskunden.

„Wenn das wirklich weltweit gilt, auch in den Schwellenländern, die sicherlich keine deutsche Elternzeit kennen, dann ist das wirklich ein ganz besonderes Angebot, das die Wertschätzung des Unternehmens gegenüber den Mitarbeitern und ihren Familien ausdrückt“, lobt Markus-Oliver Schwaab, Professor für Personalmanagement an der Hochschule Pforzheim. Er gießt allerdings auch Wasser in den Wein. „Ich habe Zweifel, ob es HPE damit in Deutschland gelingen kann, ein klares Alleinstellungsmerkmal zu schaffen.“ Der Elternurlaub sei de facto „nur“ eine Ergänzung der gesetzlichen Regelung zur Elternzeit. „Insgesamt betrachtet glaube ich, dass Unternehmen eher damit punkten können, wenn sie wirklich familiengerechte, flexible Kinderbetreuungsangebote unterbreiten können - denn da drückt viele junge Familien der Schuh“, sagt Schwaab.

Ein wichtiges Zukunftsthema könnten zudem betriebliche Senioren-Betreuungseinrichtungen sein, ergänzt der Professor. Tatsächlich war auch die Pflege von Angehörigen ein Thema, als für die deutsche HPE mit Sitz in Böblingen die Betriebsvereinbarung zum Elternurlaub geschlossen wurde, bestätigt HPE-Geschäftsführer Reichart. Hier helfe ein flexibles Zeitkontensystem sowie externe Unterstützung, die HPE vermittle.

Mit den familienfreundlichen Angeboten dürfte HPE jedenfalls das Interesse vieler Menschen treffen, gerade in Deutschland. Für 65 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer ist Familie das Wichtigste im Leben, so das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Umfrage unter 4100 Erwachsenen, die das Meinungsforschungsinstitut Yougov im Auftrag von HPE durchgeführt hat. Die berufliche Karriere steht demnach nur für 2 Prozent der Frauen und 3 Prozent der Männer an erster Stelle.

HPE-Geschäftsführer Ernst Reichart sieht nun die Chance, dass seine Mitarbeiter beides unter einen Hut bringen. Ziel sei es, den Mitarbeitern eine längerfristige Entwicklung zu ermöglichen. „Wir wollen auch, dass sie Karriere machen“, sagt Reichart: „Aber das wird häufig mit der Erwartung verbunden, dass man Abstriche machen muss.“ Traditionell würden Führungspositionen aus den eigenen Reihen besetzt, wann immer das möglich sei.

Dass HPE künftig vorwiegend Bewerbungen von rein sicherheitsorientierten Kandidaten mit dem Wunsch nach einer Großfamilie bekomme, fürchtet Reichart nicht. Der 61 Jahre alte Familienvater, den es einst nach dem Studium der Sozialwissenschaften selbst wegen der besonderen HP-Kultur in das Unternehmen gezogen hat, ist sich sicher, dass sich die passenden Interessen schon treffen werden. Akute Probleme, gute Kandidaten zu finden, habe HPE nicht. Derzeit habe man rund 40 Stellen zu besetzen, größtenteils in den Bereichen Verkauf und Beratung. „Da geht es nicht ums Verkaufen nach Datenblättern“, beschreibt er die Anforderungen: „Man muss technische Kompetenz mitbringen, aber auch die Sprache des Kunden sprechen.“ Erfahrungsgemäß erziele man mit möglichst vielfältig zusammen gesetzten Teams die besten Ergebnisse.

Auch deswegen gefällt es Reichart nicht so gut, dass nur 27 Prozent der HPE-Beschäftigten in Deutschland Frauen seien – auch wenn das für die IT-Branche schon ein relativ hoher Wert ist. Besserung ist in Sicht, signalisiert er: unter den 280 HPE-Mitarbeitern, die sich in Dualen Studiengängen auf eine Karriere bei dem IT-Unternehmen vorbereiten, sind immerhin schon 40 Prozent weiblich.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Preuss, Susanne
Susanne Preuß
Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.
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