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IFA

Faltbare Handys, gigantische Fernseher, clevere Herde

Von Thiemo Heeg, Berlin
 - 19:56
Das lange erwartete faltbare Smartphone von Samsungzur Bildergalerie

Fernseher und Smartphones so groß wie noch nie, ein superschneller Mobilfunk und Hausgeräte, die die Wünsche ihrer Nutzer quasi von deren Lippen ablesen – das sind die Highlights der IFA, die am Freitag in Berlin ihre Tore geöffnet hat. Doch Besucher, die nach weltbewegenden Innovationen suchen, sind auf der größten Konsumelektronikmesse der Welt fehl am Platz. Alles schon mal dagewesen, vieles aber diesmal oder zumindest sehr bald marktfähig – so könnte ein Resümee nach einem Gang durch die Hallen rund um den Funkturm lauten.

Das zeigt sich am eindrucksvollsten im Hype um den neuen Mobilfunkstandard 5G. Eigentlich ist 5G in erster Linie für die Unternehmenssphäre interessant: Es ermöglicht selbstfahrende Autos, Telemedizin und das Internet der Dinge. Die IFA aber ist eine Konsumentenmesse, und deshalb muss man in Berlin klarmachen, dass Konsumenten 5G unbedingt brauchen. Zu den eifrigsten Protagonisten gehört dabei Richard Yu, der dem von der Politik gebeutelten chinesischen Konzern Huawei vorsteht. Für ihn ist es keine Frage: Ohne 5G läuft künftig nicht mehr viel. In seinem Heimatland sei das schon ein entscheidender Faktor für Handy-Käufer. Auch in Europa, so lautet seine Prognose, werde 5G schon im kommenden Jahr „viel wichtiger“ sein als in diesem Jahr. Yu stellt in Berlin den neuen Smartphone-Prozessor Kirin 990 vor. Er enthält ein eingebautes Modem für 5G und einen kleinen Chip für die Anbindung von Wearables, wie Computeruhren. Soweit sind die Huawei-Wettbewerber Samsung und Qualcomm technologisch noch nicht.

Ansonsten zeigt sich der Huawei-Chef, der zu einer Keynote-Rede eingeladen war, zurückhaltend in Sachen Politik und Amerika. Bitte nur Produktfragen, lautete die Vorgabe in einer Journalistenrunde. In seiner Rede zum IFA-Start erwähnt er den Konflikt mit den Vereinigten Staaten mit keinem Wort. Trotzdem hat die Auseinandersetzung Konsequenzen: Ein erstes Gerät, das Huawei als Folge des Handelskonfliktes ohne Google-Apps wie Maps oder den Play Store herausbringen wird, will das Unternehmen am 18. September in München vorstellen. Huawei droht der Verlust des Zugangs zu westlicher Technologie, weil die Trump-Regierung den Konzern mit Verweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt hat.

Schwierigkeiten anderer Art plagen Samsung – zumindest in den vergangenen Wochen. Sein Falthandy Fold, auf dem große Hoffnungen ruhen, zeigte im Display Schwächen. Es wurde nachgearbeitet, und nun kommt das Modell in weniger als zwei Wochen in Deutschland auf den Markt. Vom 18. September an soll es hierzulande erhältlich sein. Wer das Gerät in den Varianten „Cosmos Black“ und „Space Silver“ haben will, muss allerdings soviel Geld auf den Tisch legen wie für kaum ein anderes Smartphone. Eine Preisempfehlung von 2100 Euro hat Samsung aufgerufen.

Dafür hat der Konzern „die Grenzen des traditionellen Smartphone-Designs“ überwunden, wie der Chef der Mobilsparte, DJ Koh, stolz formuliert. Das Galaxy Fold mit 5G verfügt über ein 7,3-Zoll-Display, das gefaltet werden kann. Wenn das Gerät geschlossen ist, können Nutzer über den Frontbildschirm bequem mit einer Hand auf die wichtigsten Informationen zugreifen, verspricht Samsung und verweist auf ein verbessertes Design und eine überarbeitete Konstruktion: Sie sorgten „für ein hohes Maß an Stabilität“.

5G-Handys brauchen 5G-Netze: Und die sind erst im Aufbau, das wird auf der IFA klar. Immerhin: Man fängt an, nachdem Frequenzen vor einigen Wochen für 6,6 Milliarden Euro versteigert wurden. Die Deutsche Telekom gab bekannt, dass die ersten Antennen nun im schnellen Standard funken. Michael Hagspihl, der für das Privatkunden-Geschäft zuständig ist, sagte: „Mit 5G bricht ein neues Zeitalter an – und das nicht nur für Geschäftskunden, sondern auch für Privatkunden.“ Vodafone hat sogar schon mehr Antennen aufgebaut. Fachleute sehen die Vorstöße kritisch: 5G für Privatkunden sei „reines Marketing und viel Lärm um sehr wenig“, sagte Torsten Gerpott, Telekommunikationsprofessor an der Universität Duisburg-Essen.

Dem „Immer-größer“-Trend folgen auch die Fernseher. „Premium-TV-Riesen“ seien im Trend heißt es auf der Messe. Sie sind mit einer 8k-Auflösung so scharf wie noch wie. Wenn etwa Sony ein Modell mit äußerst üppigen 98 Zoll präsentiert, kann man sehr nahe am Gerät stehen, ohne dass einzelne Pixel sichtbar sind und stören. Eine andere Frage ist, wie ein solcher Gigant in eine Mietwohnung im vierten Stock gehievt werden kann – vom Preis ganz zu schweigen.

Neben Telekommunikationstechnik und Unterhaltungselektronik ist die IFA seit einigen Jahren auch ein Treffpunkt für Hausgeräteenthusiasten. Hier gilt die Vernetzung als das große Schicksalsthema der Branche. Ein Ofen, der sich über den Sprachassistenten Alexa öffnen lässt, gehört in diesem Jahr zu den Stars in Berlin. Das schöne neue Smart Home hat freilich auch seine Schattenseiten. Immer wieder warnen Sicherheitsfachleute vor Hackereinbrüchen in Küche und Wohnzimmer. Ihnen werde es angesichts der kaum geschützten Hardware zu leicht gemacht, lautet die Sorge. Andererseits: Das vernetzte Zuhause ist weit davon entfernt, ein Massenmarkt zu sein. Nicht einmal jeder zehnte Internetnutzer in Deutschland verwendet bislang Smart-Home-Technologie wie vernetzte Kaffeemaschinen und Saugroboter, wie das Statistische Bundesamt herausgefunden hat.

Quelle: F.A.Z.
Thiemo Heeg - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Thiemo Heeg
Redakteur in der Wirtschaft.
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