Delisting und Squeeze-out

Immobilienkonzern Adler baut verschachtelte Konzernstruktur um

Von Mark Fehr
24.06.2022
, 14:03
Das Wohnhochhaus "Steglitzer Kreisel" im Ortsteil Berlins galt eins als Vorzeigeprojekt der Adler Group.
Während die Finanzaufsicht und eine Staatsanwaltschaft bei dem umstrittenen Immobilienunternehmen ermitteln, will Adler zwei Tochtergesellschaften von der Börse nehmen. Bei einer davon reagiert der Kurs heftig.
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Das kriselnde Immobilienunternehmen Adler Group will seine verschachtelte Konzernstruktur vereinfachen und daher die Tochtergesellschaften Adler Real Estate und Consus Real Estate von der Börse nehmen. Wie die Adler Group am Donnerstagabend mitteilte, ist sie als Muttergesellschaft zu 96,72 Prozent an der Adler Real Estate beteiligt und will die restlichen Aktionäre mit einem Squeeze-out-Verfahren herausdrängen. Das Verfahren ist im Aktienrecht vorgesehen und ermöglicht es einem Mehrheitseigentümer, Minderheitsaktionäre gegen Zahlung einer Abfindung aus dem Unternehmen zu kaufen, selbst wenn diese ihre Aktien lieber behalten möchten.

Auch die Adler-Tochter Consus kündigte am Donnerstagabend an, ihre Aktien von der Börse zu nehmen und die Einbeziehung in den Freiverkehr der Börsen Frankfurt und München zu kündigen. Das Delisting in Frankfurt soll voraussichtlich am 30. September wirksam werden, das in München soll innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate erfolgen. Die Entscheidung über das Delisting in München liegt laut Adler bei der Geschäftsführung der dortigen Börse, wobei Belange des Anlegerschutzes zu berücksichtigen seien. Die Aktie der Adler Real Estate hat am Freitag nach Bekanntgabe des Sqeeze-out-Plans einen hohen Kurssprung von bis zu rund 60 Prozent hingelegt. Für die Aktien der Adler Group und der Consus Real Estate waren keine signifikanten Kursbewegungen zu beobachten.

Die Bedeutung der Aktien der Adler-Töchter ist gegenüber der im S-Dax notierten Aktie der Konzernmutter Adler Group allerdings stark in den Hintergrund getreten. Für das Geschäft spielen die Töchter jedoch eine wichtige Rolle.

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Unübersichtliche Struktur

Die Adler-Tochter Consus ist für die Entwicklung neuer Immobilienprojekte zuständig, von denen viele zuletzt kaum vorankamen. Die Adler Real Estate dagegen hält rund 10.000 Wohnungen, vorwiegend in Nordrhein-Westfalen und Berlin, die vor allem an Mieter mit mittleren oder niedrigeren Einkommen vermietet werden. Die Adler-Gruppe insgesamt verfügt über 27.500 Wohneinheiten.

Während die Adler Real Estate in Berlin sitzt, befindet sich der Firmensitz der zentralen Adler Group in Luxemburg. Die Konzernstruktur ist also recht unübersichtlich. Das liegt zum Teil daran, dass die Adler Group im Jahr 2020 durch Fusionen von Adler Real Estate, dem Projektentwickler Consus sowie dem Wettbewerber Ado Properties entstanden ist. Seither haben die Aktien der Adler-Töchter gegenüber der Aktie der Adler-Mutter an Bedeutung für die Börse verloren.

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Das Vertrauen von Anlegern und Investoren in das Immobilienunternehmen ist eingebrochen, seit eine forensische Sonderprüfung schwere Vorwürfe des Leerverkäufers Fraser Perring nicht vollständig ausräumen konnte. Die Wirtschaftsprüfung KPMG hatte daher im April das Testat für den Jahresabschluss des Jahres 2021 verweigert. Auch für den Jahresabschluss der Konzerntochter Adler Real Estate wurde das Testat verweigert, weil der Abschlussprüfer nicht mit hinreichender Sicherheit beurteilen konnte, ob Geschäfte mit weiteren nahestehenden Personen stattgefunden hätten und ob diese Geschäfte vollständig und richtig erfasst worden seien.

Die Finanzaufsicht Bafin hat wegen dieser Zweifel eine schon länger laufende Bilanzkontrolle bei Adler Real Estate auf den Jahresabschluss für 2021 ausgeweitet. Auch untersucht die Bafin, ob es Insiderhandel mit der Adler-Aktie gegeben hat. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit einem Düsseldorfer Immobilienprojekt von Adler.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fehr, Mark
Mark Fehr
Redakteur in der Wirtschaft.
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