FAZ plus ArtikelChinesischer Immobilienkonzern

Wer im Evergrande-Drama verliert

Von Hendrik Ankenbrand
01.10.2021
, 09:58
Evergrande-Zentrale in Shenzhen: Wer hoch baut, kann tief fallen.
Obwohl Peking zur Rettung eilen wird, gibt es für viele Stakeholder keine Hoffnung. Ausländische Gläubiger gehen wohl leer aus. Allein Chinas Bevölkerung kann hoffen.
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Es gibt eine interessante Geschichte über Xu Jiayin, den Gründer des von der Zahlungsunfähigkeit bedrohten chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande. Demnach reiste der Milliardär im Jahr 2009 mit seiner Frau und drei weiteren Paaren nach Paris – nicht in einem Privatjet, sondern der Bequemlichkeit zuliebe gleich in dreien. Zwei der Maschinen flogen allerdings ohne Passagiere, weil die Gruppe sich kurzfristig entschlossen hatte, während des Flugs zusammen Karten zu spielen. So steht es im Buch „Red Roulette“, das kürzlich herausgekommen ist und von einem ins Ausland geflohenen chinesischen Finanzmanager namens Desmond Shum geschrieben wurde. Der Erzählung des Mannes zufolge, der den Trip nach Frankreich organisiert haben will, war der Hauptzweck der Reise eine Weinverkostung im Restaurant Pavillon Ledoyen auf den Champs-Élysées. Vier Stunden lang trank die Gesellschaft um den Evergrande-Gründer jeweils eine Magnumflasche Château Lafite mit Jahrgängen zwischen 1900 und 1990 und zahlte dafür mehr als 100 .000 Euro, das Essen nicht eingerechnet.

Die Schnurre lässt ahnen, warum sich die chinesische Regierung derzeit so sehr sperrt, trotz Ansteckungsgefahr an den Finanzmärkten den zweitgrößten Immobilienkonzern des Landes mit Staatsgeld zu retten. In Chinas sozialen Medien häufen sich dieser Tage die Videos wütender Evergrande-Kunden, die Wohnungen bezahlt haben, die aber nicht fertig gebaut wurden, weil dem mit mehr als 300 Milliarden Dollar verschuldeten Konzern dafür das Geld fehlt. Die Opfer des auf Kredit finanzierten rasanten Wachstums von Evergrande überziehen dessen Chef Xu Jiayin mit Flüchen, die von derart heftiger Natur sind, dass auf eine Übersetzung an dieser Stelle verzichtet werden soll.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ankenbrand, Hendrik
Hendrik Ankenbrand
Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
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