Verkauf an Blackstone-Fonds

Justin Timberlake macht Song-Katalog zu Geld

Von Benjamin Fischer
27.05.2022
, 10:42
Justin Timberlake (rechts) in der Halbzeit des Super Bowl 2018
Dylan, Springsteen oder Neil Young: Vor allem ältere Künstler haben in den vergangenen Monaten für hunderte Millionen Rechte an ihrer Musik verkauft. Zu der Garde der jüngeren gesellt sich nun Justin Timberlake hinzu.
ANZEIGE

Diverse Stars haben in jüngster Zeit Rechte an ihrem Lebenswerk verkauft. Aktuell sondiert auch Pink Floyd den Markt. Sollte die Band letztlich sowohl ihre Autorenrechte als auch die an ihren Aufnahmen verkaufen, könnten die Briten den US-Musiker Bruce Springsteen toppen. Der „Boss“ trat im Dezember beide Rechtepakete ab. Rund 550 Millionen Dollar soll er dafür von Sony Music erhalten haben, wobei sich Sonys Verlag im Falle der Autorenrechte mit der US-Holding Eldridge Industries zusammengetan hatte.

Justin Timberlake hat die Verhandlungen mit potentiell interessierten Parteien schon hinter sich. Der 41 Jahre alte Amerikaner, bekannt geworden als Mitglied der Boygroup *NSYNC und heute auch als Solo-Künstler und Schauspieler erfolgreich, hat seine Rechte an Texten und Kompositionen an den von ihm (mit)verfassten Songs an das Investmentunternehmen Hipgnosis abgetreten. Wie beide Parteien am Donnerstag mitteilten, erfolgte der Kauf über den Mitte Oktober zusammen mit Blackstone eingerichteten, rund eine Milliarde Dollar schweren Fonds Hipgnosis Songs Capital. Der Finanzinvestor hatte im Rahmen dieser Partnerschaft zudem Anteile am Unternehmen Hipgnosis Song Management erworben, das auch den separaten, an der Londoner Börse notierten Fonds Hipgnosis Songs managt.

ANZEIGE

100 Millionen Dollar für Timberlake?

Der Deal umfasst Rechte an rund 200 Songs, darunter Hits wie „Cry Me A River“ oder „Sexy Back“, aber auch an Soundtracks für Filmen an denen Timberlake mitgewirkt hat. Insgesamt hat er fünf Solo-Alben veröffentlicht, das jüngste, „Man Of The Woods“, erschien 2018. Die Rechte an Timberlakes Aufnahmen sind entsprechend nicht Teil des Verkaufs und dürften weiterhin bei seinem Label RCA Records aus dem Hause Sony oder teils bei ihm liegen. Wie es bei solchen Verkäufen die Regel ist, wurde über finanzielle Details nichts mitgeteilt. Das „Wall Street Journal“ verweist jedoch auf informierte Kreise, denen zufolge der Preis knapp über 100 Millionen Dollar lag.

Hipgnosis wurde 2018 vom ehemaligen Künstlermanager Merck Mercuriadis gegründet und gehört seitdem zu den umtriebigsten Käufern von Musikrechten im Zuge des jüngsten Booms. Über den börsennotierten Fonds wurden seit Mitte 2018 für Anteile an mehr als 65.000 Songs mehr als zwei Milliarden Dollar ausgegeben.

ANZEIGE

Hipgnosis hält unter anderem 50 Prozent an den Texten und Kompositionen von Neil Young sowie Anteile am Schaffen von Blondie, Lindsey Buckingham oder Shakira. Meist kauft der Fonds Autorenrechte, er hält jedoch auch die Tantiemenansprüche, die Jimmy Iovine aus der Vermarktung der von ihm produzierten Aufnahmen zustehen. Der Timberlake-Deal ist der dritte Kauf über den privaten Blackstone-Fonds. Zuvor hatte Hipgnosis Anteile an der Vermarktung der Aufnahmen von Country-Star Kenny Chesney und einen Teil der Rechte an Leonard Cohens Texten und Kompositionen erworben.

Viele Finanzinvestoren tummeln sich auf dem Feld

Neben Blackstone interessieren sich auch andere Finanzinvestoren seit einiger Zeit für Musikrechte. KKR (alleine und über eine Partnerschaft mit BMG), Pimco, die genannte Holding Eldridge Industries, Blackrock oder Apollo Global Management haben das Feld ebenfalls im Blick. Natürlich kaufen auch die etablierten Player der Musikindustrie, allen voran die Majors Universal, Sony und Warner Music, im Zuge des aktuellen Booms ausgewählte Kataloge, gehört das Auswerten dieser doch zu ihrem Kerngeschäft.

ANZEIGE

Längst nicht jeder Kauf wird öffentlich gemacht, aber der Reiz für Käufer liegt stets darin, durch die Rechte langfristig stabile Einnahmen einzustreichen. Aktuell erfolgreiche Chart-Hits sind ein deutlich unsichereres Geschäft, aber einmal fest etablierte Songs werfen sicher wie beständig Geld ab. Und diese Summe lässt sich durch weiteres Wachstum des Streaming-Marktes und die geschickte Auswertung der Rechte über andere, neue digitale Vermarktungswege oder die Lizensierung an Filme, Werbung oder Videospiele potentiell noch steigern.

Künstler wiederum erhalten für die ihnen zustehenden Tantiemen-Ansprüche eine je nach Bekanntheitsgrad und Rechtepaket stattliche Einmalzahlung. Vor allem Verkäufe älterer Musiker wie Springsteen oder Bob Dylan, aber auch Neil Diamond, Sting oder Tina Turner sorgten zuletzt für Aufsehen und generierten hohe Summen. Die Motive können ganz unterschiedlich sein, manchen geht es neben potentiellen steuerlichen Vorteilen wohl auch darum, das Erbe einfacher zu regeln.

Flaut der Boom durch die steigenden Zinsen ab?

Timberlake ist aber beileibe nicht der erste jüngere Künstler, den womöglich das aktuell sehr hohe Preisniveau gereizt hat. Auch John Legend verkaufte Teile seiner Autorenrechte (hier waren KKR und Bertelsmanns Musiksparte KKR die Käufer) und David Guetta trat die Rechte an den Aufnahmen „der vergangenen zwei Jahrzehnte“ an Warner Music ab.

ANZEIGE

Rechte an Aufnahmen werden seltener verkauft, da sie - gerade bei älteren Musikern - oft langfristig an das Label des Künstlers abgetreten wurden, im Gegenzug für dessen Investitionen. Fallen die Rechte zurück, kann ein Künstler sie freilich verkaufen oder neu und zu für ihn potentiell erheblich besseren Konditionen zur weiteren Vermarktung lizensieren. Die Rock-Band Aerosmith handhabte es zuletzt so mit Universal Music und auch David Bowies Erben verkauften die Rechte an seinen Aufnahmen nicht, sondern handelten einen neuen Vermarktungsvertrag mit Warner aus.

Noch ist unklar, wie sich die steigenden Zinsen auf den seit einigen Jahren anhaltenden Ansturm auf Musikrechte auswirken. Womöglich werden gerade Kataloge, die weniger begehrt sind als der eines Kalibers wie Dylan, Springsteen oder Pink Floyd, perspektivisch doch für weniger Geld verkauft als noch vor einigen Monaten.

Der grundsätzliche Reiz, der von Musikrechten ausgeht, bleibt angesichts rosiger Wachstumsaussichten für die Branche und die vielen neuen Vermarktungsmöglichkeiten für Musik ungebrochen. Auch die aktuellen 100 Millionen an Justin Timberlake sind auf den ersten Blick noch kein Zeichen für einen Abschwung. Doch wann der Deal besiegelt wurde, ist ebenso unklar, wie die finanziellen Details und etwaige Klauseln. Bob Dylan beispielsweise verkaufte schon im Sommer 2021 die Rechte an seinen Aufnahmen an Sony. Bekannt gemacht wurde der Deal erst Anfang Januar dieses Jahres.

Quelle: F.A.Z.
Autorenbild/ Benjamin Fischer
Benjamin Fischer
Redakteur in der Wirtschaft.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Kapitalanalge
Pflegeimmobilien als Kapitalanlage der Zukunft
Sprachkurse
Lernen Sie Englisch
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Zertifikate
Ihre Weiterbildung im Projektmanagement
SUV
Premium-SUVs zum Gebrauchtwagenpreis
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
ANZEIGE