Vorwurf des Steuerbetrugs

Justiz durchsucht McKinsey-Büros

Von Tillmann Neuscheler
25.05.2022
, 14:47
Vier Polizisten verlassen die französische McKinsey-Zentrale auf der Champs-Élysée in Paris.
McKinsey ist ins Visier der französischen Steuerfahnder geraten: In dieser Woche haben Beamte die Landeszentrale in Paris durchsucht. Das Unternehmen sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.
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Die französische Justiz hat am Dienstag die Pariser Zentrale der Unternehmensberatung McKinsey durchsucht. Laut der Finanzstaatsanwaltschaft steht der Verdacht der Geldwäsche in Verbindung mit schwerer Steuerhinterziehung im Raum, berichtet die französische Tageszeitung „Le Monde“.

Schon Anfang April hatte die Staatsanwaltschaft – damals noch ohne den Namen McKinsey explizit zu nennen - mitgeteilt, eine Voruntersuchung wegen des Verdachts auf Steuerbetrug eingeleitet zu haben, der Wortlaut hatte aber schon damals darauf schließen lassen, dass McKinsey gemeint war.

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McKinsey bestätigt den Besuch der französischen Finanzstaatsanwaltschaft am Dienstag in ihrem Pariser Büro: „McKinsey kooperiert in vollem Umfang mit den französischen Behörden, wie es immer der Fall war“, teilte das Unternehmen mit, bekräftigte zugleich aber seine bisherige Position, dass man „die geltenden französischen Steuer- und Sozialversicherungsvorschriften einhält“.

McKinsey steht in Frankreich schon seit Mitte März unter Druck. Im Vorfeld der französischen Präsidentenwahl wurde in einem fast 400-seitigen Senatsbericht, der unter Führung der oppositionellen Republikaner angefertigt wurde, der starke Anstieg der Beraterausgaben in der Amtszeit von Emmanuel Macron kritisiert. Beratungsunternehmen hätten – so der Tenor des Berichts – zu weitreichenden Einfluss auf die Entscheidungen der Regierung, Macron habe zudem Steuergelder verschwendet und dabei seinen eigenen Interessen gedient.

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Attacken im Wahlkampf

Macrons Rivalin Marine Le Pen versuchte dabei, die öffentlich Empörung über die Beraterausgaben zu nutzen, um Macron kurz vor der Wahl anzugreifen. In dem Bericht hieß es damals auch, McKinsey habe in Frankreich eine Steuerkonstruktion aufgebaut, die es ihnen ermöglicht habe, zwischen 2011 und 2020 keine Körperschaftssteuer zu zahlen.

Ein Polizist mit einer roten Armbinde des Zolls am Empfang des McKinsey-Hauptsitzes in Paris.
Ein Polizist mit einer roten Armbinde des Zolls am Empfang des McKinsey-Hauptsitzes in Paris. Bild: AP

McKinsey sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Man habe sechs Jahre lang über die Tochtergesellschaft Orphoz Körperschaftsteuer bezahlt. Alle McKinsey-Einheiten in Frankreich zusammen hätten in dem fraglichen Zeitraum mehr als 422 Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben gezahlt, was fast 20 Prozent des Umsatzes entspreche. Anders als öffentlich dargestellt, entfielen auch nur ein Prozent der Beraterausgaben des französischen Staates auf McKinsey. Mit den Angaben von McKinsey hatte sich die Opposition aber nicht zufrieden gegeben. Ohne weitere Angaben zum genauen Gewinn und Umsatz von McKinsey sei der Verweis eine "Veräppelung", hatte damals der Republikaner Arnaud Bazin Anfang April gesagt, unter dessen Führung der Senatsbericht erstellt worden war. Jetzt ist es Aufgabe der Justiz, die Steuervorwürfe und die unterschiedlichen Angaben aufzuklären.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Neuscheler, Tillmann Jörg
Tillmann Neuscheler
Redakteur in der Wirtschaft.
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