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Karstadt

Goldkarte statt „Happy Digits“

Von Brigitte Koch
 - 16:28

Am kommenden Montag werden rund 4 Millionen Karstadt-Kunden Post von dem Essener Warenhaus-Unternehmen erhalten. Ihnen wird mitgeteilt, dass sie ab dem 1. März bei ihren Einkäufen in den Filialen und den Sporthäusern von Karstadt keine Punkte mehr sammeln können. Denn die Essener steigen aus dem Bonusprogramm Happy Digits aus. Als Ersatz erhalten die bisherigen Punktesammler nun automatisch die neue hauseigene „Karstadt Goldkarte“.

Wer seine Sammelpunkte gegen Sachprämien aus dem Repertoire der Warenhausgesellschaft einlösen möchte, hat dazu noch bis Ende August Zeit, wie ein Karstadt-Sprecher bestätigt. Ansonsten bleibt das Spektrum der übrigen Partner, zu denen beispielsweise die Supermärkte der Tengelmann-Gruppe, die Sportschuh-Kette Runners Point, der Autovermieter Sixt, die Best Western Hotels oder der Stromanbieter Yello gehören. Auf welchen Wert sich das noch ausstehende Bonusguthaben bei dem Essener Handelskonzern angesammelt hat, wird nicht kommentiert.

Auch die Telekom ist bei Happys Digits ausgestiegen

Mit Karstadt verliert das 2001 aus der Taufe gehobene Bonusprogramm Happy Digits bereits den zweiten großen Player. Erst vor wenigen Wochen hatte der Gründungspartner Deutsche Telekom seinen Ausstieg vermeldet und dies mit der Konzentration auf das Kerngeschäft begründet. In diesem Zusammenhang hatte Karstadt auch den 51 Prozent ausmachenden Telekom-Anteil an der Happy-Digits-Betreibergesellschaft Customer Advantage Program (CAP) erworben und die Beteiligung auf hundert Prozent aufgestockt.

Schon damals wurde in Branchenkreisen spekuliert, dass Karstadt das Geschäftsmodell ändern und eine eigene Karte herausbringen will, zumal Verbundvorteile und das Knowhow, etwa beim Sammeln und Verwalten von Kundendaten, auch weiterhin genutzt werden können. Offenbar war man bei Karstadt mit den Ergebnissen des alten Kundenbindungssystems nicht mehr zufrieden und erhofft sich mit der neuen Karte eine bessere Kundenansprache. Nun gibt es beim Einkauf keine Bonuspunkte mehr.

Vielmehr sollen die Kunden mit direkten Rabatten in die Läden gelockt werden. Im Rahmen sogenannter Goldwochen erhalten künftig ausgewählte Artikel oder Sortimentsteile einen Discount, den nur die Goldkarteninhaber in Anspruch nehmen können. Die Kunden profitierten künftig sofort beim Einkauf und müssten nicht erst lange sammeln, argumentiert man bei Karstadt. Nicht zuletzt die Verbraucherschützer, denen die vielen Plastikkärtchen allein schon aus Datenschutzgründen ein Dorn im Auge sind, hatten in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, dass hohe Umsätze und damit viele Einkäufe erforderlich seien, bis ein Kunde endlich in den Genuss einer Prämie – das Spektrum reicht vom Klingelton über die Espressomaschine bis zum Zeitungsabo – komme.

Die Basis bröckelt

Nach dem Ausstieg der Telekom und von Karstadt bröckelt die Basis von Happy Digits beträchtlich, zumal auch Quelle den Rückzug signalisiert oder der Partner Hertie das Insolvenzverfahren angemeldet hat. Bei der Tengelmann-Gruppe oder bei Runners Point wird das weitere Vorgehen noch geprüft. Eine Entscheidung liege noch nicht vor, sagt eine Sprecherin von Tengelmann, die zugleich auf die große Bedeutung der Karte für die Kundenbindung verweist. Wie bei Karstadt betont wird, bedeutet der Ausstieg nicht das Aus für die Betreibergesellschaft CAP. Sie hat nach Brancheninformationen rund 21 Millionen Karten im Umlauf, davon rund 4 Millionen des Warenhauskonzerns.

Die dort neu installierte Geschäftsführung führe vielmehr Gespräche mit den übrigen Partnern, wie das Geschäft nun weiterentwickelt werden könne. Happy Digits gilt als die Nummer zwei unter den drei großen branchenübergreifenden Kundenbindungsprogrammen, und zwar knapp hinter dem von Loyalty Partner, München, betriebenen Bonuskartenprogramm Payback. Dieser Organisation gehören als Schwergewichte unter anderen Aral, die Drogeriemarktkette dm, die Hotelgruppen Marriott und Ramada oder der Mobilfunkanbieter Vodafone an. Als dritter großer Anbieter ist im Frühjahr 2008 die Bertelsmann-Tochtergesellschaft Arvato mit der Deutschland-Card an den Start gegangen. Branchenbeobachter schließen nicht aus, dass es mit dem jetzigen Alleingang von Karstadt zu erheblichen Bewegungen und einer Konsolidierung im Markt der Punktesammelkarten kommt.

Quelle: F.A.Z.
Brigitte Koch
Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.
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