Warenhauskonzern in der Krise

Galeria Karstadt Kaufhof verhandelt über Staatshilfe

Von Jonas Jansen, Düsseldorf
15.01.2021
, 13:46
Erst im Herbst hat Karstadt Kaufhof sein Insolvenzverfahren abgeschlossen. Doch durch die über Monate geschlossenen Warenhäusern rutscht das Unternehmen gleich wieder in Schwierigkeiten.

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof soll mit der Bundesregierung über Finanzhilfen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro verhandeln. Das berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf „mit den Verhandlungen vertraute Personen“. Von Karstadt Kaufhof war am Freitag zunächst keine Stellungnahme zu bekommen, das Bundeswirtschaftsministerium äußert sich zu Verhandlungen mit einzelnen Unternehmen auf Anfrage nicht.

Der Warenhauskonzern braucht wegen der abermals geschlossenen Filialen dringend Geld, weil ihm die Kosten davon laufen. Karstadt Kaufhof verhandelt dem Bericht zufolge über ein nachrangiges Darlehen in Höhe von „deutlich unter einer halben Milliarde“ Euro.

„Wenn wir plötzlich über weitere acht bis zehn Wochen Schließung der Läden reden, dann kann das kein Non-Food-Unternehmen ohne Staatshilfen überleben“, zitiert der Spiegel eine nicht näher genannte Unternehmensquelle. „Wir schauen in die Röhre bei den allgemeinen Hilfen.“ Die Überbrückungshilfe III können Unternehmen bis zu einem Jahresumsatz von 500 Millionen Euro in Anspruch nehmen, diesen Wert übersteigt der Warenhauskonzern freilich. Jede Woche soll das Unternehmen 60 Millionen Euro Umsatz verlieren. Im Frühjahr, bevor der Warenhauskonzern in die Insolvenz in Eigenverantwortung gerutscht ist, war im Unternehmen von bis zu 80 Millionen Euro in der Woche die Rede. Schon im Frühjahr 2020 hatte Karstadt Kaufhof wegen der geschlossenen Filialen über ein Darlehen der KfW verhandelt. Die Geldspritze scheiterte aber auch am Widerstand der Hausbanken, die Verhandlungen bezeichnete Karstadt Kaufhof damals als kompliziert.

Von Schulden von 2 Milliarden Euro befreit

Der Warenhauskonzern hat seitdem ein Insolvenzverfahren durchlaufen, das er Ende September abgeschlossen hatte. Dadurch konnte sich das Unternehmen von 2 Milliarden Euro Schulden befreien, was die Verhandlungen mit Banken nun vereinfachen könnte. Zu der Rettungsaktion des Warenhauskonzerns gehörten allerdings auch deutliche Einschnitte im Filialnetz: Ursprünglich sollten 62 Karstadt- und Kaufhof-Filialen schließen, nach Verhandlungen mit zahlreichen Vermietern über Mietkürzungen war die Zahl auf weniger als 50 gesunken. Auch die Zentrale in Essen mit insgesamt 1200 Mitarbeitern bleibt erhalten.

Der Karstadt-Kaufhof-Chef Miguel Müllenbach hatte im Oktober im Gespräch mit der F.A.Z. noch gesagt, dass das Unternehmen schuldenfrei sei und sich ein Polster aufgebaut habe. Er warnte aber damals auch schon vor einem abermaligen Lockdown: „Wenn es großflächigere Schließungen gibt, haben wir kein Galeria-Karstadt-Kaufhof-Problem, sondern ein viel größeres“, sagte Müllenbach. „Dann ist der gesamte stationäre Einzelhandel betroffen - nebst Lieferanten und Dienstleistern mit jeweils eigenen zigtausend Jobs.“

Kaum Umsätze im Online-Handel

Der Warenhauskonzern hatte von seinem Eigentümer, der Signa-Holding des österreichischen Immobilieninvestors René Benko in der Sanierung mehrere Hundert Millionen Euro an Finanzspritzen erhalten. „Wir konzentrieren uns jetzt darauf, dass wir die finanziellen Mittel, die wir für unsere Investitionen brauchen, selbst erwirtschaften“, sagte Müllenbach im Oktober. Derzeit kann das Unternehmen jedoch kaum Umsätze erwirtschaften: Der Online-Anteil am Geschäft liegt in einem geringen einstelligen Prozentsatz, die Möglichkeit der Abholung von Bestellungen in der Warenhäusern kann das normale Geschäft freilich nicht auffangen.

Zuletzt hatte auch der Gesamtbetriebsrat der Warenhauskette zielgenauere Hilfen des Staates für den stationären Einzelhandel gefordert. „Erarbeiten Sie endlich Ihre Hilfspakete nicht über die Köpfe der Branchen und Sparten hinweg, sondern entwickeln Sie gemeinsam mit den Betroffenen praxisnahe, effiziente und existenzrettende Maßnahmen“, schrieb der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Galeria Karstadt Kaufhof, Jürgen Ettl, in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Sollte der Bund bei Karstadt Kaufhof direkt einsteigen, müsst er das EU-Beihilferecht beachten. Für eine Beteiligung braucht es eine positive wirtschaftliche Fortführungsperspektive. Darüber wurde auch schon bei vorigen Beteiligungen wie etwa beim Reisekonzern Tui debattiert.

Nächste Debatte über Mieten steht bevor

Wenn die Schließungen in der Corona-Pandemie verlängert werden, könnte im Einzelhandel auch abermals eine Debatte über Mietstundungen aufkommen. Im Frühjahr hatten einige Händler wie Douglas, Deichmann oder auch Karstadt Kaufhof mit ihren Vermietern über Kürzungen verhandelt. Derzeit gebe es allerdings noch keine Nachfragen, teilt ein Sprecher des Hamburger Einkaufszentrumsbetreibers ECE mit. Das liege auch daran, dass ECE mit der „überwiegenden Mehrheit der Mieter einvernehmliche Lösungen zum Umgang mit den Mieten für die Zeit des ersten Lockdowns finden konnten“, sagt der Sprecher.

Zudem hat das Unternehmen in den Centern auch eine hälftige Aufteilung der Mieten umgesetzt und entlastet die Mieter etwa bei Werbekosten. Der Handelsverband HDE hatte zuletzt jedoch auch kritisiert, dass viele Vermieter die Risiken der Krise bei ihren Mietern abladen wollten. Einer Umfrage des Handelsverbands zufolge waren Gespräche über die Anpassung der Miete in zwei Dritteln der Fälle erfolglos. „Der Gesetzgeber muss die Blockadehaltung der Immobilieneigentümer endlich aufbrechen“, forderte der HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Die Händler unterstützen daher den Vorstoß der Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), die das Mietrecht ändern will. Dabei geht es um die Störung der Geschäftsgrundlage nach Paragraph 313 des Bürgerlichen Gesetzbuches, die - so der Entwurf - durch solche besonderen Situationen wie die Corona-Pandemie vorliege. Die Händler argumentieren schon länger, dass sie nicht die volle Miete zahlen sollten, wenn sie ihre Geschäftsräume gar nicht oder nur eingeschränkt nutzen können. Staatliche Regulierung sehen Immobilienverbände wie IVD oder der ZIA kritisch und fürchten, dass auch Vermieter in Schieflage geraten.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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