Rekordminus

Corona am Zug

EIN KOMMENTAR Von Kerstin Schwenn, Berlin
Aktualisiert am 25.11.2020
 - 07:19
Die Fernzüge der Deutschen Bahn sind im Moment nur zu rund 20 Prozent ausgelastet.
Die Bahn verzeichnet in diesem Jahr einen Rekordverlust. Daran ist Corona Schuld, aber nicht nur. Doch ist der Rat des Rechnungshofs, Kosten durch eine Verringerung des Angebots einzusparen, ist zu kurz gedacht.

Die Bundesregierung warnt vor überflüssiger Mobilität, und viele Menschen halten sich daran. Die Fernzüge der Deutschen Bahn sind nach dem Auftürmen der zweiten Pandemie-Welle nur noch zu einem Fünftel besetzt, die Regionalzüge gut zur Hälfte.

Auch die Güterbahn leidet an Corona. Das wird teuer: Der Bahnvorstand meldet jetzt für das laufende Jahr einen Rekordverlust von 5,6 Milliarden Euro. Die Hoffnung, das Minus werde umgehend durch eine großzügige Eigenkapitalspritze des Bundes kompensiert, scheint sich nicht zu erfüllen. Die EU-Kommission lässt sich Zeit mit der Beihilfeprüfung und erwägt Auflagen.

Ihre Skepsis, die der Bundesrechnungshof und die Bahn-Konkurrenten teilen, ist nicht ganz unbegründet, denn nicht alles Ungemach kommt von Corona. Manches Problem ist hausgemacht. Da muss bei den Finanzhilfen fein unterschieden werden – auch um den Wettbewerb zu anderen nicht zu verzerren.

Der Rat des Rechnungshofs, im Konzern durch eine Verminderung des Angebots zu sparen, ist aber zu kurz gedacht, denn die Fixkosten bleiben. Und in dieser Zeit will auch niemand im Zug enger zusammenrücken.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schwenn, Kerstin
Kerstin Schwenn
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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