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Betriebsrat fordert Garantie

Diess schwört 20.000 VW-Mitarbeiter ein

Von Carsten Germis, Hamburg
 - 13:45

VW-Betriebsratsboss Bernd Osterloh hat für die Kernmarke VW Pkw eine Beschäftigungssicherung für zehn Jahre bis Ende 2028 gefordert. Das sei eine Bedingung für die Transformation des Unternehmens durch Digitalisierung und Elektromobilität. „Ende 2028 muss für alle VW-Standorte in Deutschland gelten“, sagte Osterloh am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung von VW in Wolfsburg vor ungefähr 20.000 Mitarbeitern. Der Betriebsrat werde nicht zulassen, dass der rasante Wandel in der Autoindustrie vom Management als Vorwand für Arbeitsverdichtung genutzt werde.

Konzernchef Herbert Diess drängte die Belegschaft dagegen auf mehr Bereitschaft zur Veränderung. Er sei oft ungeduldiger als Osterloh, sagte er und fügte hinzu: „Weil ich die Risiken noch massiver kommen sehe.“ Diess warnte vor neuen Wettbewerbern und sagte, VW dürfe nicht zum Hardware-Lieferanten für Apple und Google zu werden. Die neuen Konkurrenten in Amerika und in China gäben sehr viel Gas. „Wir müssen uns unglaublich anstrengen, um das Tempo mitzugehen“, sagte Diess. „Und es ist keine ausgemachte Sache, dass wir den Wandel schaffen.“

Der VW-Chef wies abermals darauf hin, dass ein E-Auto mit etwa 30 Prozent weniger Arbeit hergestellt werde als ein Verbrenner. „Es wird schwer, das nur mit Fluktuation und Altersteilzeit zu bewältigen“, sagte er. Diess meinte aber auch, dass sich bei VW in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der Rente näherten – und damit das Potential für Arbeitsplatzabbau durch Altersteilzeitlösungen groß ist. „Wir werden gemeinsam mit dem Betriebsrat alles daransetzen, diese Möglichkeiten maximal auszuschöpfen“, sagte er. Das gelte für die Produktion wie für die Verwaltung.

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Diess sieht Geldverschwendung

„Wir wollen hier gleiche Sicherheit für alle Volkswagen-Beschäftigten“, sagte Osterloh zur Begründung der vom Betriebsrat geforderten Beschäftigungsgarantie bis 2028. Damit würden die bisherigen Regelungen bei VW angeglichen – bislang gibt es einerseits die Garantie bis Ende 2025 aus dem „Zukunftspakt“ genannten Sparpaket, anderseits die Beschäftigungssicherung bis Ende 2028 für die Werke Emden und Hannover, in denen künftig Elektroautos gebaut werden sollen.

Der Andrang zur Mitgliederversammlung war ungewöhnlich groß, nachdem Volkswagen vor wenigen Tagen angekündigt hatte, dass in den nächsten fünf Jahren zusätzlich 5000 bis 7000 Stellen in der Verwaltung wegfallen sollen. Mit automatisierten Routinearbeiten, Materialeinsparungen und geringerer Modellvielfalt sollten von 2023 an die Kosten weiter sinken und die angestrebte Gewinnverbesserung um 5,9 Milliarden Euro jährlich steigen. Vorgesehen ist, dass Stellen nicht neu besetzt werden, wenn Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden.

Diess sagte, dass sich in der Verwaltung mit moderner IT viele Routinearbeiten und Prozesse automatisieren ließen. „Unsere Systeme sind alt und umständlich“, sagte er. „Dadurch sind wir langsam, verschwenden Zeit und Geld.“ Klar sei, dass mit der Digitalisierung in der Verwaltung Arbeitsplätze wegfallen. „Auch das werden wir sozialverträglich lösen – etwa über die Altersteilzeit“, sagte Diess und ergänzte, er stehe zur Beschäftigungssicherung bis 2025. Dennoch gebe es keine Alternative zu seinen Plänen: „Wir müssen mit unseren Autos deutlich mehr Geld verdienen, um in die Zukunft investieren zu können.“

Verständnis für Schülerstreiks

Während VW auf der einen Seite zu viele Mitarbeiter hat, fehlen dem Unternehmen auf der anderen Seite Software-Spezialisten. In dem Segment sollen 2000 neue Stellen entstehen. Wie wichtig das für das Unternehmen ist, zeigen die großen Probleme, die VW derzeit mit neuen Modellen hat. „Der Fehlerabbau im Softwarebereich ist kritisch“, sagte Diess. Das gelte für alle neuen Fahrzeugprojekte: Passat, Golf, Neo. „Aber auch der Audi A8 und der neue Touareg hatten jeweils ein Jahr Verspätung wegen Software“, sagte Diess. „Wir haben hier Defizite, die wir abstellen.“

Trotz der Sorgen um die Arbeitsplätze bekam Diess von den Mitarbeitern aber immer wieder auch kräftigen Beifall – vor allem, als er sich zum Klimaschutz äußerte. „Wir müssen und wollen kräftig mithelfen, die Erderwärmung auf höchstens 2 Grad zu begrenzen“, sagte er, das sei auch VW den nächsten Generationen schuldig. Er habe übrigens viel Verständnis und Sympathie für streikende Schüler, die Angst um unseren Planeten hätten. „Sie sind unzufrieden mit uns, mit der Politik und den Unternehmen“, sagte er. „Wir müssen die richtigen Antworten geben.“

Quelle: FAZ.NET
Carsten Germis
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
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