FAZ plus ArtikelGasgeschäfte mit Russland

Manche Nord-Stream-2-Kritiker sind Putins Partner

Von Tobias Piller
22.07.2021
, 21:35
Ein umstrittenes Projekt: Deutschland und die USA haben im Streit über Nord-Stream-2 einen Durchbruch erzielt.
Wegen der Ostseepipeline gab es harsche Kritik an Deutschland. Doch auch Unternehmen aus Amerika, Frankreich und Großbritannien machen Gasgeschäfte mit Russland.

Mit bösen Worten haben führende Politiker in Washington, London und Paris nicht gespart, wenn während der vergangenen Jahre die zweite direkte Pipelineverbindung zwischen Russland und Deutschland diskutiert wurde. Noch als Außenminister sagte der britische Politiker Boris Johnson 2018, Nord Stream 2 sei ein „entzweiendes Projekt“ Deutschlands, das zudem Europas Gasmarkt in der Hand eines böswilligen russischen Staates lasse. Der Außenminister der amerikanischen Regierung unter Donald Trump, Rex Tillerson, begründete seinen Widerstand mit „gemeinsamen strategischen Interessen“, sein Botschafter in Berlin sprach von „einem erheblichen Sanktionsrisiko“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte noch im Februar das Ende von Nord Stream 2.

Gemeinsam ist all diesen Politikern, dass Öl- und Gaskonzerne aus ihren eigenen Ländern tief in russische Gasgeschäfte verwickelt sind. Herausragend ist dabei der Fall Großbritannien, dessen eigene Gasquellen in der Nordsee versiegt sind. Nun bezieht man selbst russisches Gas. Und der britische Öl- und Gaskonzern BP ist zu 19,75 Prozent am russischen Gaskonzern Rosneft beteiligt, der sich selbst als größten börsennotierten Gaslieferanten der Welt ansieht. In der Bilanz des britischen Ölkonzerns wird dabei immer wieder deutlich gemacht, dass man die Zahlen aus Russland nicht mit denen der eigenen Aktivitäten vermischen will und sie deshalb behandelt wie eine eigene ­Sparte. Größter Aktionär bei Rosneft ist mit offiziell 40,4 Prozent der russische Staat, weshalb sich dieser Konzern immer mit Vorzugsbehandlung in Moskau rechnen kann. BP kann daran direkt mitverdienen – obwohl ausgerechnet für 2020 ein Buchverlust registriert werden musste.

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

: Aktion

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Piller, Tobias (tp.)
Tobias Piller
Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot