Burgerkette in Russland

McDonald’s verkauft russische Filialen an sibirischen Unternehmer

Von Marie Katharina Wagner, Berlin
20.05.2022
, 14:45
Mit kyrillischen Buchstaben steht „McDonalds“ über einer Filiale im russischen Sotschi.
Der Fast-Food-Konzern hat einen Käufer für seine 850 Filialen in Russland gefunden: den sibirischen Unternehmer Alexander Gowor. Er muss nun einen neuen Namen für die Restaurants finden.
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Der Kreml ist seinem Traum einer russifizierten Version von McDonald’s einen großen Schritt näher gekommen: Der amerikanische Fast-Food-Konzern teilte mit, einen Käufer für seine rund 850 Filialen in Russland gefunden zu haben, nämlich den sibirischen Unternehmer Alexander Gowor. Er war 2014 als Franchisenehmer bei McDonald’s eingestiegen; zuletzt verwaltete sein Unternehmen 25 Filialen in sibirischen Städten. Gowor wird den Läden nun einen neuen Namen geben und ein neues Menü entwerfen müssen. Der amerikanische Konzern hatte festgelegt, dass Marke und Logo in Russland nach einem Verkauf nicht weiter genutzt werden dürfen, will aber seine Warenzeichen in dem Land behalten.

Welcher Name künftig das goldene M ersetzen wird, ist noch unklar. Der Vorsitzende der Duma, des Unterhauses des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, hatte im März vorgeschlagen, die Fast-Food-Kette in „Bei Onkel Wanja“ umzubenennen. Daraufhin hatte eine Firma ein Patent auf den Namen und ein Logo angemeldet, das aus dem kyrillischen Buchstaben W wie in Wanja bestand, der aber aussah wie das um neunzig Grad gedrehte goldene M auf rotem Grund und damit dem McDonald’s-Logo sehr nahe kam.

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Der Antrag wurde Anfang April wieder zurückgezogen. Das Patentamt erklärte dazu, es würden sehr häufig Markennamen und Logos angemeldet, die den Originalen sehr ähnlich seien, etwa „Idea“ statt „Ikea“. Solche Anträge versandeten aber wieder. Offensichtlich will Russland keine Rechtsstreitigkeiten um Markenrechte riskieren.

„KFC“ und „Burger King“ sind noch in Russland

McDonald’s, das in Russland seit 1990 präsent und sehr beliebt war, hatte Anfang März mitgeteilt, seine Filialen vorübergehend zu schließen. Allerdings meldeten russische Medien kürzlich, dass nach wie vor jede sechste Filiale, etwa 130 von 850, geöffnet sei, da sie von Franchisenehmern geleitet werde. Auch die Restaurants der Wettbewerber „KFC“ und „ Burger King “ sind weiterhin in Betrieb.

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Der neue McDonald’s-Besitzer, der 61 Jahre alte Gowor, begann seine Karriere als einfacher Schachtarbeiter im Kohlebergbau, arbeitete sich bald hinauf in die Führung des staatlichen Kohlekonzerns „Kusnjezkugol“. Mitte der 2000er-Jahre musste Gowor nach schweren Unfällen in den Minen seine Anteile an dem Konzern verkaufen. Das Geld investierte er in einen Öl- und Chemiekonzern, Hotels und Privatkliniken. Gowors Sohn, der in der Heimatregion der Familie, der Oblast Kemerowo, Abgeordneter der Kreml-Partei „Einiges Russland“ ist, veröffentlichte Anfang März auf Instagram ein Unterstützungsvideo für Russlands Krieg gegen die Ukraine. Auch sein Vater hat Verbindungen in die Machtpartei.

Die nun getroffene Vereinbarung mit McDonald’s, die noch in endgültige Kaufverträge umgewandelt werden muss, sieht vor, dass Gowor das Personal der Filialen übernimmt und die Bedingungen aus den Arbeitsverträgen für mindestens zwei Jahre nicht ändert. Zudem muss Gowor die Gehälter der Angestellten der McDonald’s-Zentrale in Russland bis zu ihrer Abwicklung übernehmen. McDonald’s hatte zuletzt etwa 55 Millionen Dollar im Monat für Miete und Gehälter seiner rund 62 000 Angestellten in Russland gezahlt.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wagner, Katharina
Katharina Wagner
Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.
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