Klage von Amazon

Microsoft verliert umstrittenen Pentagon-Auftrag

Von Roland Lindner, New York
06.07.2021
, 20:41
Das Pentagon-Gebäude in Washington
Amazon hatte beklagt, Donald Trump habe das Rennen wegen seiner „Vendetta“ gegen Jeff Bezos beeinflusst. Jetzt wird das Geschäft neu ausgeschrieben.
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Microsoft hat eine umstrittene und auf zehn Milliarden Dollar dotierte Bestellung des amerikanischen Verteidigungsministeriums wieder verloren. Das Pentagon teilte mit, es werde den im Oktober 2019 vergebenen Auftrag annullieren und noch einmal neu ausschreiben. Bei dem Geschäft, das den Namen „Jedi“ („Joint Enterprise Defense Infrastructure“) trug, ging es um Cloud Computing. Die Auftragsvergabe war deshalb so brisant, weil sie mit Vorwürfen einherging, der frühere amerikanische Präsident Donald Trump habe sich auf ungebührliche Weise eingemischt.

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Der Zuschlag für Microsoft war überraschend, weil der Online-Händler Amazon mit seiner Cloud-Sparte AWS als klarer Favorit galt. Amazon klagte gegen die Entscheidung und behauptete, auf Druck von Trump aus dem Rennen gedrängt worden zu sein. Es sei eine „persönliche Vendetta“ gewesen, Trump sehe Amazon, seinen Gründer Jeff Bezos und die ihm gehörende Zeitung „Washington Post“ als „politische Feinde“ und habe mit „wiederholten Attacken in der Öffentlichkeit und hinter den Kulissen“ versucht, das Geschäft zu beeinflussen. Trump hat sich oft über die Zeitung und deren kritische Berichte über ihn beschwert.

Microsoft und Amazon könnten sich den Auftrag teilen

Der von Amazon losgetretene Rechtsstreit dauert noch immer an und hat die Umsetzung des Auftrags gebremst. Mit seiner Entscheidung für eine Neuausschreibung hat das Pentagon nun die Reißleine gezogen und fängt wieder von vorne an. Es deutet viel darauf hin, dass Microsoft sich bei der geplanten Neuauflage den Auftrag mit Amazon teilen muss. Das Pentagon teilte mit, es wolle nun anders als beim ersten Mal mehrere Partner auswählen. Microsoft und Amazon seien dabei bislang die einzigen, die die notwendigen Anforderungen erfüllten, es würden allerdings auch andere möglichen Lieferanten geprüft.

Ursprüngliches Ziel des Jedi-Auftrags war es, das amerikanische Militär ins Cloud-Zeitalter zu bringen und seine bislang fragmentierten Netzwerke zu einem einheitlichen System zu verbinden sowie mit künstlicher Intelligenz aufzurüsten. Neben Microsoft und Amazon hatten sich zunächst auch andere Technologiekonzerne wie Oracle und IBM um das Geschäft beworben, fielen dann aber in einer Vorauswahl heraus. Der Auftrag wird nun in seiner neuen Version einen anderen Namen haben und Joint Warfighter Cloud Capability (JWCC) heißen.

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Microsoft schrieb in einem Blogeintrag, die Entscheidung des Pentagon zu „respektieren und zu akzeptieren“. Die Behörde habe eine „schwierige Wahl“ zu treffen gehabt, eine möglicherweise jahrelange juristische Auseinandersetzung fortzusetzen oder einen anderen Weg zu finden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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