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Musikfonds Hipgnosis

Musikverrückte Unternehmer erzielen Rendite mit Pophits

Von Markus Frühauf und Carsten Knop
19.09.2020
, 12:13
Die Gründer von Hipgnosis: Merck Mercuriadis (links) und Nile Rodgers (rechts) Bild: Unternehmen
Die Geschäftsidee, mit Rechten an Popsongs Geld zu verdienen, begeistert auch die Börse. Hinter dem Fonds stehen zwei Gründer, die sich nicht nur mit Musik bestens auskennen.
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Wer mit Merck Mercuriadis, dem Chef und Gründer des Songrechte-Fonds Hipgnosis, ein Gespräch beginnt, muss darauf vorbereitet sein, die erste Frage gestellt zu bekommen. Die lautet gerne: „Welchen Songkatalog würden Sie kaufen?“ Mit der Antwort kann man schnell danebenliegen, denn Mercuriadis ist musikverrückt, und das im positiven Sinn. Umso besser fällt der Gesprächsauftakt aus, wenn man den Musikgeschmack des 56 Jahre alten Kanadiers mit einer Plattensammlung von – nach seinen Angaben – 100.000 Exemplaren trifft.

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Antwortet sein Gesprächspartner wie aus der Pistole geschossen: „den von Clash“, dann lässt sich das als erfreulicher Gesprächsauftakt werten. Die britische Punk-Legende Clash gehört zu den Lieblingsbands von Mercuriadis, der griechischer Abstammung ist. Popmusik ist sein Lebenselixier: „Ihre besten Zeiten feiern die Menschen mit Musik, ebenso suchen sie in schwierigen Phasen wie der Corona-Krise Zuflucht in Musik.“

Mercuriadis muss es wissen, schließlich arbeitet er seit mehr als 40 Jahren im Musikgeschäft, darunter auch für Virgin Records von Richard Branson. Den Anlegern preist er Musik als ein von der Entwicklung an den Kapitalmärkten völlig unabhängiges Produkt an. Er hat sich auf diesem Gebiet einiges vorgenommen, sein Songrechte-Fonds Hipgnosis soll die Musikwelt aufmischen.

An der Börse kommt das gut an. Die Investoren ziehen bei den Kapitalerhöhungen begeistert mit. Die Hipgnosis-Aktie hat die Corona-Krise sehr gut überstanden und zulegen können. Grund für die Zuversicht bietet das wachsende Geschäft mit Streamingdiensten wie Spotify, Apple Music, Amazon Music oder des chinesischen Technologiekonzerns Tencent.

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Tantiemen aus dem Streaming

Wird ein Song aus dem Hipgnosis-Bestand irgendwo in der Welt auf Computer, Smartphone oder Tablet gestreamt, dann kassiert der Fonds Tantiemen. Insbesondere in Wachstumsmärkten wie China oder Indien winkt den Streamingdiensten enormes Potential. Die Rechte an Pophits haben noch weitere Ertragschancen. Das gilt vor allem für Lizenzgebühren aus Filmen, Computerspielen und Werbespots.

Fast wöchentlich kauft Mercuriadis, der früher Stars wie Beyoncé, Elton John, Guns n’ Roses, Iron Maiden oder Pet Shop Boys betreut hat, derzeit Liedrechte. Am vergangenen Freitag kam der von der Pretenders-Sängerin Chrissie Hynde („Brass in Pocket“) hinzu. Anfang vergangener Woche wurde der Musikverlag Big Deal Music erworben, der Songrechte von aktuellen Popacts wie Shawn Mendes, One Direction oder Panic At The Disco besitzt.

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Anfang August kaufte Hipgnosis – der Name ist auf die für die Plattencover von Pink Floyd, Genesis oder Led Zeppelin verantwortliche britische Grafikdesign-Agentur Hipgnosis zurückzuführen – den Katalog der New Yorker Punk- und New-Wave-Band Blondie. Auch die Popballaden eines Barry Manilow gehören dazu.

Vor zwei Wochen kamen 50 Prozent an den Songrechten des Hip-Hop-Musikers Robert „RZA“ Diggs hinzu, einst Mitglied der einflussreichen Rapper vom Wu-Tang Clan. Und kürzlich wurde der Katalog des kalifornischen Hardrockers Nikki Sixx erworben, der einst die Skandalgruppe Mötley Crüe anführte.

Viele Nummer-eins-Hits

Mercuriadis, der in London lebt, sitzt auf den Rechten von 15 000 Songs, darunter sehr viele Nummer-eins-Hits und Evergreens wie die Chic-Discohits „Le Freak“ oder „Good Times“, „Sweet Dreams are Made of This“ von den Eurythmics, „Livin’ on a Prayer“ von Bon Jovi oder „Don’t Stop Believin’“ von Journey. Rund eine Milliarde Pfund hat er dafür ausgegeben, die Kasse verfügt dank einer kürzlich mit Banken abgeschlossenen Kreditlinie über weitere Reserven.

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Sein Ziel ist es, die Karten im Musikgeschäft neu zu mischen. Konzentrieren sich die großen Plattenlabels darauf, neue Hits und Stars zu entwickeln, verlässt sich Mercuriadis auf Songs, die sich schon als wertvoll erwiesen haben. Und die Rechte an seinem Hit-Archiv hat er Investoren über seinen Fonds zugänglich gemacht.

Ihnen verspricht er verlässliche Einnahmen, mit Titeln, die nach seinen Worten „kulturell bedeutend“ sind. Das müssen nicht nur Stücke aus seiner Jugend sein, auch Hip-Hop und Elektronik gehören dazu. Mercuriadis hat einen sehr breiten Musikgeschmack – von den Beatles, Pink Floyd über Patti Smith und Clash bis hin zu den deutschen Elektronikpionieren Kraftwerk und Neu.

Wahres Potential heben

So breitgefächert wie der Musikgeschmack des langjährigen Managers ist auch sein Wissen über die Wertschöpfung in dem Geschäft. Die großen Labels konzentrierten sich zu stark auf neue Produktionen, aber vernachlässigten den Schatz, den sie schon besäßen. Das Verlagsgeschäft mit Songrechten werde dort bislang eher stiefmütterlich behandelt. Das wahre Potential wird seiner Ansicht nach nicht gehoben. Darauf hat er es mit seinem Fonds abgesehen.

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Viele Künstler, die an Mercuriadis verkauft haben, wollen für ihr Alter eine siebenstellige Summe einstreichen und nicht jedes Jahr auf die Tantiemenüberweisungen warten. Zudem wollen sie ihren Nachlass geregelt wissen. Die Rechte einem Fonds zu überlassen, der sie nach ihren Vorstellungen verantwortungsbewusst verwaltet, kann für viele eine Lösung darstellen. Und bei einer guten Performance ihrer Songs winken den Künstlern weiterhin Bonuszahlungen.

Was verantwortungsbewusst bedeutet, dafür ist der von Mercuriadis geschätzte Neil Young ein gutes Beispiel. Der in Kalifornien lebende Kanadier – einer der größten Songschreiber der amerikanischen Musik in den vergangenen 60 Jahren – untersagte Präsident Donald Trump, den Song „Rockin’ in the Free World“ für Wahlkampfauftritte zu verwenden.

Solche Konfliktsituationen können auch woanders auftreten. So hatten die Erben des Countrystars Johnny Cash vor Jahrzehnten das Angebot eines Herstellers von Hämorrhoidensalben abgelehnt, den Song „Ring of Fire“ für eine Werbekampagne zu verwenden. Für Mercuriadis spricht die Unterstützung durch prominente Musiker, die nicht nur ihre Songrechte an seinen Fonds abtreten, sondern diesen als Berater unterstützen.

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Dazu zählen Eurythmics-Kopf Dave Stewart oder Nile Rodgers, der mit Chic die schwarze Musik seit den 70er Jahren entscheidend geprägt hat und als Produzent weiterhin bestens im Geschäft ist. Mit Rodgers hat Mercuriadis vor zwei Jahren den Fonds gegründet, und der 68 Jahre alte Musiker ist weiterhin davon überzeugt: „Merck war immer ganz vorne dabei, wenn es in den vergangenen 30 Jahren galt, die Rechte der Künstler und Songschreiber zu verteidigen“, lobt Rodgers seinen Partner.

Bessere Lage für Songschreiber

Er hole den größtmöglichen Wert heraus und schütze gleichzeitig die Kunst. Das treffe auch für seine Arbeit mit Hipgnosis zu. „Unsere Ziele sind ein hoher Ertrag für die Investoren, gleichzeitig wollen wir das Potential unserer Songrechte und unserer finanziellen Mittel nutzen, um die Verdienstmöglichkeiten der Songschreiber zu verbessern“, fügt Rodgers hinzu.

Er ist in der Szene noch immer bestens vernetzt, auch wenn das nicht jedem sofort klar ist, wie diese kleine Episode zeigt: „Eben hat mich Madonna angerufen“, sagt der Mann mit dem freundlichen Lächeln und schaute erwartungsvoll. Im Kopf des Gesprächspartners jagten die Gedanken: „Wer ist er? Jetzt nur nichts anmerken lassen, den kennen hier alle.“

Das Gegenüber ist in munterer Erzähllaune. Ja, Madonna bitte ihn schon häufiger mal um Rat, er könne auch gar nicht so lange in London bleiben, denn er müsse morgen wieder in Los Angeles ins Studio. Ins Studio? Ja, es gehe um seinen nächsten Auftritt in der Fernsehshow „American Idol“, dem Vorbild für „Deutschland sucht den Superstar“. Alle sagen Nile zu ihm. Aber wer ist Nile?

Dann wird er von anderen Gesprächspartnern in Beschlag genommen, man bleibt ratlos zurück, während andere sagen: „Toller Typ.“ Kurz darauf steht er auf einer kleinen Bühne in einem Landhotel vor den Toren von London und erklärt, wie er seine Lieder komponiert hat. Mit der Gitarre in der Hand spielt er einen Song nach dem nächsten an.

Der Moderator hatte gesagt, es handle sich um Nile Rodgers, und plötzlich will man seinen Ohren nicht mehr trauen. „Le Freak“, von ihm, „We are Family“, „Lost in Music“, „Get Lucky“, alles von ihm komponiert – und vieles mehr. Und Madonna? „Like a Virgin“, von ihm produziert, „Notorious“ von Duran Duran, „Let’s Dance“ von David Bowie. In „Beverly Hills Cop III“ hat er auch mitgespielt. Man hätte ihn wohl kennen sollen.

Aber Nile Rodgers stört das nicht: Der Mann ist auf dem Boden geblieben, vermutlich freut es den Musiker, der 1952 in einfachsten New Yorker Verhältnissen geboren wurde, sogar, dass ihn nicht gleich jeder (er-)kennt. Seine Lehre auf der Bühne übrigens: Man muss nicht alles im kreativen Leben völlig neu erfinden; es sei vielmehr ein ebenso innovativer Prozess, Inspirationen von Dritten aufzunehmen und dann so neu zu arrangieren und eigene Ideen damit zu verbinden, dass etwas Neues dabei herauskommt.

Interessant, Apple-Mitbegründer Steve Jobs hat so etwas in der Informationstechnologie gemacht. Ganz offensichtlich funktioniert es auch in der Musik. Dass Rodgers von dem Hipgnosis-Geschäftsmodell überzeugt ist, das kann Mercuriadis als Ritterschlag werten.

Quelle: F.A.Z.
Markus Frühauf
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