Songrechte verkauft

Paul Simon nimmt sich ein Beispiel an Bob Dylan

Von Benjamin Fischer
01.04.2021
, 13:44
Art Garfunkel und Paul Simon (rechts) während eines Konzerts in Sydney im Oktober 2016
Auch der Simon & Garfunkel-Songwriter und 16-fache Grammy-Gewinner verkauft seinen Autorenkatalog. Zum Zuge kommt in seinem Fall Sony Music.
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Paul Simon reiht sich ein in die Riege arrivierter Songwriter und verkauft seinen Autorenkatalog. Die Rechte an Texten und Kompositionen von Simon & Garfunkel-Klassikern wie „Bridge Over Troubled Water“ aus 1970, „The Boxer“ oder „Mrs. Robinson“ und jene von Werken aus Simons Solo-Karriere liegen künftig bei der Verlagssparte von Sony Music, Sony Music Publishing (bis vor kurzem ATV), wie beide Parteien am Mittwochabend deutscher Zeit mitteilten.

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„Ich freue mich, dass Sony Music Publishing meine Songs für die kommenden Jahrzehnte verwalten wird“, wurde der 79 Jahre alte 16-fache Grammy-Gewinner in der Mitteilung zitiert. Er habe seine Karriere auf dem Sony-Label Columbia begonnen, daher fühle es sich wie eine „natürliche Erweiterung“ an, nun auch mit der Verlagssparte des Musikunternehmens zusammenzuarbeiten. Sony Music-Chef Rob Stringer erklärte, es sei eine Ehre auch den Verlagskatalog von Paul Simon zu repräsentieren. Simons Songs und Musikaufnahmen anvertraut zu bekommen bezeichnete Stringer als ein „Privileg der höchsten künstlerischen Ordnung für Sony Music“.

Von 1964 an haben Simon & Garfunkel fünf Alben veröffentlicht und Sony zufolge mehr als 100 Millionen Platten verkauft. Als Solo-Künstler kamen von Paul Simon bis heute nochmal 13 Alben hinzu. Wie das Branchenmagazin „Billboard“ berichtet, hatte bislang die Verlagssparte von Universal Music Simons Autorenkatalog verwaltet, die Rechte lagen aber bei dem Musiker. Fortan ist Sony also sowohl für Texte und Kompositionen wie auch für Simons Rechte an seinen Aufnahmen verantwortlich. Sonys Verlagssparte hält unter anderem die Autorenrechte an den Beatles-Songs, die einst Michael Jackson gekauft hatte sowie beispielsweise an Werken von Leonard Cohen.

In einer Reihe mit Shakira, Dylan oder Imagine Dragons

Finanzielle Details der Vereinbarung zwischen Simon und Sony wurden derweil nicht mitgeteilt. Vergleichbare Deals aus der jüngsten Vergangenheit lassen es aber naheliegend erscheinen, dass der Kaufpreis auch hier im dreistelligen Millionenbereich liegt. Universal Music Publishing soll etwa für die Rechte an mehr als 600 Bob-Dylan-Werken bis zu 400 Millionen Dollar gezahlt haben. Außerhalb Amerikas werden die Rechte weiterhin von Sonys Verlagssparte verwaltet. Die Vereinbarung gelte noch „einige Jahre“ hatte Sony im Zuge des Universal-Kaufs im Dezember vergangenen Jahres erklärt. Künstler und Unternehmen kennen sich: Dylans Label-Partner ist seit langer Zeit Sonys Columbia Records, was den Musiker aber nicht vom Verkauf der Autorenrechte an die Konkurrenz abgehalten hat.

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Viel Geld kosteten kürzlich auch andere Kataloge: 50 Prozent der Rechte an Texten und Kompositionen von 1180 Neil Young-Songs sollen dem an der Londoner Börse notierten Hipgnosis-Fonds bis zu 150 Millionen Dollar wert gewesen sein, während der von Blackrock unterstützte amerikanische Verlag Primary Wave für 80 Prozent der Autorenrechte von Fleetwood Mac-Frontfrau Stevie Nicks rund 100 Millionen Dollar ausgegeben haben soll.

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Mit Sony Music kommt dieses Mal wieder eines der neben Universal und Warner Music großen globalen Musikunternehmen bei einem prominenten Katalog-Verkauf zum Zuge. Doch längst setzen auch Investoren von außerhalb der Musikbranche zunehmend darauf, dass sich die Werte von Katalogen mit Klassikern im Zuge des weiter wachsenden Streamingbereichs sowie durch die Nutzung der Musik in Filmen, Videospielen, Werbung und anderen, gerade digitalen Kanälen in Zukunft noch steigern lassen.

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So haben im Angesicht zahlungskräftiger Interessenten auch diverse jüngere Künstler in den vergangenen Monaten Rechte verkauft. Zu dieser vielfältigen Gruppe gehören etwa Shakira oder die amerikanischen Bands The Killers und Imagine Dragons. Während Shakira mit Hipgnosis ins Geschäft kam, gingen Imagine Dragons einen Deal mit Concord Music Publishing ein. Die ebenfalls aus Las Vegas stammenden Killers verkauften ihre Autorenrechte an vor 2020 entstandenen Stücken an die Holding Eldridge Industries.

BMG und KKR wollen zusammen angreifen

Rechteanteile und die dem Besitzer damit zustehenden Tantiemen aus der Vermarktung von etablierten Songs gelten zunehmend als ebenso sicheres, wie wertstabiles und entsprechend begehrtes Investment. Das zeigt sich auch an den Preisen, die sich in der Regel an den im Jahr zu erwartenden Tantiemen orientieren. Hipgnosis zahlt hier nach Angaben aus dem Dezember für Katalogkäufe im Schnitt das 15-fache – wobei es je nach Künstler auch durchaus mehr sein kann. Universal soll für Dylans Werke sogar mehr als das 25-fache ausgegeben haben.

Bei der Mehrheit der Katalogverkäufe in jüngster Zeit ging es – wie nun auch bei Simon – um Verlagsrechte. Diese sind besonders reizvoll, da der Besitzer der Urheberrechte bei jedweder Verwendung der Texte und Kompositionen profitiert – so beispielsweise auch bei Cover-Versionen, die bisweilen erfolgreicher sind als die Original-Aufnahme. Doch natürlich werden auch Rechte an Musikaufnahmen gehandelt. Die Iconic Artists Group erwarb Mitte Februar gleich Anteile an einem ganzen Rechtepaket, das neben Musikaufnahmen, Texten und Kompositionen obendrein Markenrechte der Beach Boys umfasst.

„Früher war das Einholen der Tantiemen aus Verlagsrechten deutlich einfacher als im Recorded-Bereich“, erklärte Hartwig Masuch, Chef der Bertelsmann-Musiksparte BMG, im Januar gegenüber der F.A.Z. „Aber in einem Markt, in dem heute der Großteil der Umsätze im Digitalen erwirtschaftet wird, macht das kaum noch einen Unterschied.“

Entsprechend hat die jüngst geschaffene Allianz zwischen BMG und dem mächtigen Finanzinvestor KKR verschiedenste Musikrechte im Visier. Die Ankündigung, dass „Transaktionen aller Größenordnungen“ möglich seien, bekräftigt derweil Masuchs Einschätzung aus dem Januar: „Es ist schon erstaunlich, wie viel Geld Akteure wie Hipgnosis und Primary Wave erhalten und investieren, aber zusehends ruft das Gebiet auch die etablierten Größen der Finanzwelt auf den Plan.“ Dass die etablierten Platzhirsche der Musikindustrie nicht gewillt sind, Branchenfremden das Feld zu überlassen, hat freilich Sony Music gerade nochmals unterstrichen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenbild/ Benjamin Fischer
Benjamin Fischer
Redakteur in der Wirtschaft.
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