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Nach Explosion

BASF kämpft um ihre Produktion

Von Bernd Freytag, Ludwigshafen
 - 20:42

Die Zahl der Toten des Explosionsunglücks auf dem Gelände des Chemiekonzerns BASF ist auf drei gestiegen. Am Mittwoch bargen Taucher der Feuerwehr im Becken des Unglückshafens eine Leiche, vermutlich der vermisste Matrose. Die Identifizierung steht allerdings noch aus, die zuständige Staatsanwaltschaft Frankenthal, die den Hergang des Unglücks untersucht, hat die Obduktion des Leichnams angeordnet. Damit ist vermutlich auch der letzte Vermisste gefunden. Etliche Schwerverletzte, die meisten davon Feuerwehrleute, ringen noch ums Überleben.

Während das Unternehmen alle Kulturveranstaltungen absagte und mit einer Schweigeminute und Trauerbeflaggung der Verunglückten gedachte, werden die wirtschaftlichen Auswirkungen des Schadens deutlicher. Seit der Explosion sind große Teile des größten Chemiestandorts der Welt lahmgelegt. Während die Aufarbeitung der Explosion gerade erst begonnen hat und viele Mitarbeiter das Unglück verarbeiten müssen, versucht der Konzern fieberhaft die Produktion auf dem Werksverbund mit seinen fast 39.000 Beschäftigen sicherzustellen. Rund um das Werk stauen sich Lastwagen. Das wichtigste Zufahrtstor, durch das das Gros der täglich 2100 Lastwagen in die Fabrik fährt, ist geschlossen. Es liegt, wie das ebenfalls geschlossene Logistikterminal, zu nahe am Unglückshafen. Der Hafen selbst, eine der wichtigsten Versorgungsadern, ist ebenfalls gesperrt.

24 von rund 200 Anlagen sind heruntergefahren

Die Folgen sind schon jetzt zu spüren: 24 der rund 200 Anlagen auf dem 10 Kilometer langen Gelände hat der Konzern aus Rohstoffmangel bereits heruntergefahren. Es fehlt vor allem an den beiden Grundchemikalien Ethylen und Propylen, die als Basis für eine ganze Reihe von Chemikalien und Kunststoffprodukten gebraucht werden: Ethylen wird unter anderem zur Herstellung von Dämmstoffen und Lösemitteln verwendet, Propylen bei der Produktion von Autolacken und Klebstoffen. Die verheerende Explosion, bei der nach Aussagen der BASF ebendiese beiden Chemikalien brannten, hat nicht nur die Zufahrt von Schiffen unmöglich gemacht.

BASF

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In dem 300 Meter langen und 15 Meter breiten Leitungsgraben verlaufen nach Darstellung des Konzerns auch die Leitungen, die den Werksverbund in Ludwigshafen an die weitverzweigten meist unterirdisch verlaufenden Pipelinenetze in Deutschland anschließen, unter anderem an den zweiten Verbundstandort des Unternehmens in Antwerpen. Damit sei die Versorgung von Ethylen und Propylen nahezu unterbrochen.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Konzern wegen Rohstoffmangels auch seine beiden chemischen Großanlagen, die sogenannten Steamcracker, herunterfahren musste, in denen Rohbenzin, sogenanntes Naphtha, in Ethylen und Propylen aufgespalten wird. 2 Millionen Tonnen Naphtha verarbeitet der Konzern normalerweise in einem Jahr. Seit der Explosion ist auch dieser Versorgungsstrang lahmgelegt.

Aktienkurs kaum verändert

Am Mittwochabend kündigte das Unternehmen an, die beiden Cracker in den nächsten Tagen schrittweise wieder anzufahren. Das dafür notwendige Naphtha soll über einen zweiten Werkshafen auf der benachbarten „Friesenheimer Insel“ geliefert werden. Durch die schrittweise Inbetriebnahme der beiden Cracker könnten auch die betroffenen Anlagen wieder angefahren werden. Wegen der durch den Brand beschädigten Zuleitungen im Unglückshafen hat BASF sogenannten „Force-Majeure“-Erklärungen für die Abnahme von Naphtha, Ethylen und Propylen herausgegeben. Damit soll die die in vielen Verträgen eingebaute „Höhere Gewalt“-Klausel greifen: der Konzern wäre ohne Haftung von seinen Abnahmeverpflichtungen befreit. Zu möglichen Lieferengpässen hieß es lediglich: Aktuell würden verschiedene Maßnahmen geprüft, um den Einfluss auf Kundenlieferungen so gering wie möglich zu halten. BASF stehe in engem Kontakt mit ihren Kunden, um sie über die aktuelle Verfügbarkeit von Produkten zu informieren.

Ludwigshafen
Explosion mit Todesopfer erschüttert Chemiekonzern BASF
© reuters, reuters

Vorsorglich wies der Konzern auf die finanzielle Absicherung für derartige Fälle hin. „BASF verfügt über eine Sachversicherung für eigene Schäden sowie eine Haftpflichtversicherung für Schäden bei Dritten“, erklärte das Unternehmen auf Nachfrage. Diese Zusicherung dürfte weiter für Ruhe an der Börse sorgen. Seit dem tragischen Unglück hat sich der Aktienkurs kaum bewegt. Bis Staatsanwaltschaft und BASF den Schaden untersucht haben, die Leitungen repariert und abgenommen sind, dürften Wochen vergehen. Der Konzern selbst nannte gestern weder eine Zeitspanne noch mögliche Kosten für den Wiederaufbau.

Quelle: F.A.Z.
Bernd Freytag
Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.
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