Nach Fusions-Hängepartie

Kaiser’s Tengelmann droht mit radikalem Stellenabbau

10.09.2016
, 10:59
Kahlschlag geplant? Kaiser’s Tengelmann droht.
Der Chef der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann soll gedroht haben, ein Drittel seiner Arbeitsplätze zu streichen. Hintergrund ist die Hängepartie um den Verkauf an Edeka.
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Nach der zwei Jahre langen Hängepartie um den Verkauf der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann an Edeka droht Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub einem Zeitungsbericht zufolge mit einem Kahlschlag. Haub wolle bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 23. September einen Plan vorlegen, der die Schließung von Filialen und den Abbau von 5000 Arbeitsplätzen vorsehe, berichtete die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ vom Samstag. Haub äußerte sich der Zeitung gegenüber nicht.

Bei Kaiser's Tengelmann arbeiten derzeit rund 16.000 Beschäftigte. Somit wäre etwas weniger als ein Drittel der Belegschaft von den Streichungen betroffen. Die Nachrichtenagentur dpa zitiert eine nicht näher genannte Quelle, die sogar von 8000 gefährdeten Stellen spricht. Das wäre die Hälfte der Gesamtbelegschaft.

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Die Verluste der Supermarktkette seien zuletzt dramatisch angestiegen, hieß es unter Berufung auf Konzernkreise weiter. Von zehn Millionen Euro je Monat sei die Rede. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte die Fusion mit einer Sondererlaubnis genehmigt und damit das Bundeskartellamt überstimmt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf erklärte dies aber für rechtswidrig. Nun entscheidet der Bundesgerichtshof.

Schon Ende der Woche aufs Tempo gedrückt

Tengelmann hatte schon Ende der Woche betont, wie sehr dem Unternehmen an einer zügigen Entscheidung gelegen ist. Die Begründung für die von den Anwälten des Unternehmens vorgelegte Nichtzulassungsbeschwerde enthalte einen Zusatz zur Eilbedürftigkeit, berichtete eine Tengelmann-Sprecherin am Donnerstag. Der Stopp von Gabriels Ministererlaubnis ist knapp zwei Monaten her. Nun wünschten sich die Anwälte eine Entscheidung über die eingereichte Rechtsbeschwerde noch „deutlich“ vor der mündlichen Verhandlung in Düsseldorf Mitte November, hatte das „Handelsblatt“ berichtet.

Hintergrund sei eine zunehmend schwieriger werdende Lage der Supermarktkette, hieß es bereits dann. Für Kaiser's Tengelmann werde es immer schwieriger, einen ordentlichen Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Weil die Kette keine günstigen Einkaufskonditionen erhalte, liefen die Kunden davon.

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Bundeswirtschaftsminister Gabriel verteidigte sein Eingreifen in die Fusion der Handelsketten Edeka und Kaiser's Tengelmann am Donnerstag vor dem Bundestags. „Wenn es einen Gemeinwohlgrund gibt, dann doch wohl den der Sicherung von 8000 bis 16.000 Arbeitsplätze", sagte der SPD-Chef. Die inzwischen abgeschlossenen Tarifverträge gingen über das hinaus, was er den Unternehmen an Auflagen für die Fusion gemacht habe. „Ich will mal sehen, wer das ernsthaft in Frage stellen kann, deswegen bin ich ganz gelassen.“

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Quelle: Reuters/dpa
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