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Grüne Technologien

Neue Wasserstoff-Allianzen geschmiedet

Von Niklas Záboji und Ilka Kopplin
02.07.2022
, 13:02
Die bisherige Produktion von Wasserstoff in Oberhausen Bild: Picture Alliance
Durch die verschärften EU-Klimaziele boomt die Nachfrage nach „grünem“ Wasserstoff. Deutsche und französische Konzerne bündeln nun ihre Kräfte.
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Durch die verschärften EU-Klimaziele boomt die Nachfrage nach „grünem“ Wasserstoff. Damit der Produktionshochlauf dieses vielseitig einsetzbaren, aber ­bislang erst in kleinen Mengen aus ­­er­neuerbaren Quellen gewonnenen Energieträgers gelingt, verbünden sich Industriekonzerne zunehmend. So kündigten der deutsche Energietechnikkonzern Siemens Energy und der französische Industriegasehersteller Air Liquide am Donnerstag an, ihre Partnerschaft zum Bau von Elektrolyseuren in einem Gemeinschaftsunternehmen zu vertiefen.

Schon im vergangenen Jahr hatten die beiden Konzerne dahingehend eine Absichtserklärung vereinbart und ein erstes kleines Projekt über 30 Megawatt (MW) in Oberhausen bekannt gegeben. Über das nun gegründete, in Berlin ansässige Gemeinschaftsunternehmen, an dem der deutsche Konzern rund drei und sein französisches Pendant ein Viertel der Anteile halten, soll die industrielle Serienfertigung der Elektrolyseure ausgebaut werden. „Durch die Ausweitung der Produktion von Elektrolyseuren in großem Maßstab werden Air Liquide und Siemens Energy in der Lage sein, ihren Kunden Zugang zu großen Mengen an wettbewerbsfähigem erneuerbarem Wasserstoff zu verschaffen und deren Aktivitäten zu dekarbonisieren“, sagte der Air-Liquide-Vorstandsvorsitzende François Jackow.

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Der Bau der Elektrolyseure soll demnach im zweiten Halbjahr 2023 im Berliner Werk von Siemens Energy starten. Bis Mitte des Jahrzehnts soll die Jahresproduktion dann auf 3 Gigawatt (GW) gesteigert werden. Dafür braucht es mehr als 3000 sogenannter Stacks, also Elektrolysemodule, die dann zu größeren Einheiten zusammengefügt werden. 3 GW installierte Leistung entsprechen rund 57 Tonnen Wasserstoff, der in einer Stunde produziert werden kann. Zur Produktion der Module rüstet Siemens Energy derzeit für 30 Millionen Euro ein Werk in der deutschen Hauptstadt um, in dem bislang Komponenten für Gasturbinen gefertigt werden. Zuvor produzierte der Energietechnikkonzern die Elektrolyseure in Erlangen.

Air Liquide ist versiert im Geschäft mit Wasserstoff

Im Rahmen ihrer Kooperation wollen Siemens Energy und Air Liquide auch ihre Forschung in dem Bereich vorantreiben, um gemeinsam die nächste Generation von Elektrolyseuren zu entwickeln, hieß es. Gemeinsam wie aber auch eigenständig sind umfangreiche Wasserstoffprojekte im industriellen Maßstab geplant, die in Kooperation mit Kunden umgesetzt werden sollen. Eines der ersten Großprojekte soll mit einer Leistung von 200 MW in der Normandie entstehen.

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Mit Air Liquide hat Siemens Energy als Kooperationspartner keinen Unbekannten im Wasserstoff-Geschäft gefunden: Die Franzosen entwickeln seit jeher die auf Flüssigwasserstoff basierenden Antriebssysteme für die Ariane-Weltraumraketen mit. Die Wasserstoff-Aktivitäten von Air Liquide schließen dabei sowohl Produktion als auch Speicherung, Vertrieb und Transport ein. Der Jahresumsatz mit dem Energieträger beläuft sich auf knapp 2 Milliarden Euro und damit ein Zehntel des Gesamtumsatzes.

Insgesamt 8 Milliarden Euro will Air Liquide bis zum Jahr 2035 in die Wasserstoffinfrastruktur investieren. Dabei hilft, dass die Politik die Fördertöpfe kräftig aufgestockt hat – auch Siemens Energy und Air Liquide haben sich für verschiedene Subventionen beworben. Das begünstigt die Vernetzung der Industrie. So hat sich Thyssen-Krupp Air Liquide an Bord geholt, um die Umstellung der Stahlproduktion auf Wasserstoff voranzutreiben. Eine Pipeline soll künftig Wasserstoff direkt aus einem Produktionsnetzwerk von Air Liquide in das Duisburger Stahlwerk pumpen.

Auch Air-Liquide-Konkurrent Linde wittert im Geschäft mit Wasserstoff Morgenluft. Am Donnerstag unterzeichnete er zusammen mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus eine Absichtserklärung, um gemeinsam die Wasserstoffinfrastruktur an Flughäfen zu entwickeln. Von Anfang 2023 an wollen sie demnach Pilotprojekte an mehreren Flughäfen „definieren und starten“.

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Quelle: F.A.Z.
Niklas Záboji
Wirtschaftskorrespondent in Paris
Ilka Kopplin
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