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Kamerahersteller

Nikon schließt ein Kapitel der Fotogeschichte

Von Patrick Welter, Tokio
13.07.2022
, 07:32
Nikon stellt das Df-Modell vor, Aufnahme von 2013 Bild: AFP
Der traditionsreiche japanische Kamerahersteller entwickelt zumindest derzeit keine Spiegelreflexkameras mehr. Das Ende der Kameratechnik, der Nikon einst mit dem Modell F den Durchbruch verschaffte, rückt näher.
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Der japanische Kamerahersteller Nikon schließt nach mehr als 60 Jahren ein Kapitel der Kamerageschichte. Das Unternehmen entwickele derzeit keine Spiegelreflexkameras (SLR) mehr, sagte eine Sprecherin der F.A.Z. Zumindest perspektivisch zieht Nikon damit den Schlussstrich unter eine Technik, die den Markt für Fotoapparate seit Jahrzehnten bestimmte und der das Unternehmen einst mit den Modellen der F-Serie den Durchbruch verschaffte. Die letzte neue Spiegelreflexkamera, die Nikon vorstellte, war 2020 das digitale Spitzenmodell D6.

Für Nikon bedeutet das keinen Abschied aus dem Geschäft mit Kameras und Objektiven. Das Unternehmen richtet seine Aktivitäten im Fotogeschäft mehr und mehr auf sogenannte spiegellose Kameras aus, die Marktanteile gewinnen. Nikon halte die Entwicklung von SLR an, um die Ressourcen auf spiegellose Kameras zu fokussieren, teilte das Unternehmen mit.

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Auch die Produktion, der Verkauf und der Kundendienst für digitale Spiegelreflexkameras gingen weiter, erklärte Nikon in einer Pressemitteilung. Zuvor hatte die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtet, dass Nikon sich aus dem Geschäft mit Spiegelreflexkameras zurückziehen wolle. Nikon nannte den Bericht spekulativ. „Derzeit haben wir die Entwicklung von SLR gestoppt, aber wir haben keinen Rückzug angekündigt“, sagte die Sprecherin. Theoretisch hält Nikon damit die Tür für neue Modelle auch in der klassischen Technik offen.

Doch das Aus für die Spiegelreflexkameras zeichnet sich am schrumpfenden Fotomarkt schon seit Jahren ab. Sony, das sich neben dem Marktführer Canon und Nikon in das Trio der größten Anbieter vorgearbeitet hat, hat seit vielen Jahren die spiegellosen Kameras popularisiert. Canon und Nikon sind dem Trend verspätet gefolgt und forcieren nun den Ausbau entsprechender Kamerasysteme. Dazu trägt bei, dass die Unternehmen im schrumpfenden Markt zunehmend auf teurere Kameras mit größeren Gewinnmargen für gehobene Amateure und professionelle Fotografen setzen, nachdem die Fotobedürfnisse des Massenmarkts durch die allgegenwärtigen Smartphones abgedeckt sind.

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Geschäft vor allem mit spiegelloser Technik

Nikons Wettbewerber Canon erklärte auf Anfrage, man habe keine Pläne, das Geschäft mit Spiegelreflexkameras aufzugeben. „Bis auf weiteres werden wir weiter digitale SLR und spiegellose Produkte produzieren und verkaufen“, teilte das Unternehmen mit. Für das Einsteiger- und mittlere Segment erwartet Canon nach eigenen Angaben eine solide Nachfrage für digitale SLR.

Den perspektivischen Abschied von der Spiegelreflextechnik zeigen Nikons eigene Prognosen. Im vergangenen Geschäftsjahr trug das Geschäft mit den spiegellosen Kameras und ihren Objektiven etwas mehr als die Hälfte zum Umsatz Nikons im Fotobereich bei, die Spiegelreflextechnik dagegen nur etwa ein Viertel. Für 2022 erwartet das Unternehmen, dass die spiegellose Technik mehr als drei Viertel und SLR nur noch einen kleinen Bruchteil ausmachen. Insgesamt erwirtschaftete Nikon im vergangenen Jahr mit Produkten im Bildbereich ein Drittel des Umsatzes und 38 Prozent des operativen Gewinns. Das Unternehmen erwartet in dem Bereich keine großen Wachstumsperspektiven und einen stagnierenden Umsatz bis 2025. Nikon orientiert sich schon seit längerem zu neuen Geschäftsfeldern wie die Medizintechnik oder die Robotik.

Nikon war nicht das erste Unternehmen, das eine Spiegelreflexkamera entwickelt hatte. Vorläufer sind deutsche Entwicklungen schon in den dreißiger Jahren. Die in der ehemaligen DDR verstaatlichte VEB-Zeiss Ikon Dresden brachte 1949 die Contax S an den Markt. Die Contax S und die schon 1948 vorgestellte italienische Rectaflex gelten als Urahnen der heutigen digitalen Spiegelreflexkameras. Unternehmen wie Asahi (Pentax) stellten in den früher fünfzig Jahren in Japan erste Spiegelreflexkameras vor. Mit dem im April 1959 eingeführten Modell F etablierte Nikon dann die Spiegelreflextechnik zum Standard für Profifotografen und Amateure.

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In Spiegelreflexkameras wird das durch das Objektiv einfallende Licht mit einem Spiegel und einem Pentaprisma zum Sucher gelenkt. Der Fotograf blickt so durch das Objektiv. Erst kurz vor der Aufnahme klappt der Spiegel nach oben, damit früher das Negativ und heute der digitale Sensor belichtet werden kann. Das Hoch– und Runterklappen des Spiegels führt zu der lauten Geräuschkulisse, die Pressefotografen über Jahrzehnte verbreiteten.

In den heute zunehmend verbreiteten spiegellosen Kameras fällt das Licht direkt auf den Sensor und wird dort ausgelesen und digital verarbeitet. Der Fotograf blickt nicht mehr durch das Objektiv, sondern im Sucher auf einen kleinen elektronischen Bildschirm. Die spiegellosen Kameras sind leiser als die traditionellen Spiegelreflexkameras. Ein Nachteil dieser Technik ist, dass die elektronische Verarbeitung der Lichtsignale und die Darstellung auf dem Bildschirm Zeit braucht. Das Bild, das der Fotograf im Sucher vor dem Auslösen sieht, ist immer schon Geschichte. Doch moderne Chips haben die Technik so beschleunigt, dass die Zeitverzögerung von Bruchteilen einer Sekunde nicht mehr stört.

Quelle: FAZ.NET
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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