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Anspruch und Alltag

Nur jeder vierte Manager denkt regelmäßig über Moral nach

Von Christoph Schäfer
 - 15:55
Der Umfrage zufolge bleiben Verstöße gegen Anstand und Moral in zu vielen Unternehmen unentdeckt oder werden nicht sanktioniert. Bild: Reuters

Die meisten Führungskräfte in Deutschland bescheinigen sich selbst hohe moralische Werte, trotzdem handeln sie im Alltag vergleichsweise häufig nicht danach. Nur jeder vierte Manager denkt beispielsweise regelmäßig über moralische Fragen nach. Und immerhin jeder fünfte gibt unumwunden zu, nur teilweise oder aber gar nicht nach seinen moralischen Überzeugungen zu entscheiden. Das ist das Ergebnis der „Führungskräftebefragung 2019“, die von der Wertekommission und der Technischen Universität München durchgeführt wird.

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Hinter der Wertekommission steht der Verein „Initiative Werte Bewusste Führung“, der seit 2006 in regelmäßigen Abständen Studien zum Wertebewusstsein von Führungskräften macht. An der diesjährigen Umfrage haben sich 545 Manager aus Deutschland beteiligt, fast alle davon gehören zur oberen oder mittleren Führungsebene.

Die höchste Bedeutung messen die Manager der Studie zufolge dem Wert „Vertrauen“ zu. Dahinter folgen Verantwortung, Integrität und Respekt. Bemerkenswert ist, dass nachhaltiges Handeln für die Manager nur an fünfter Stelle steht. Gerade mal jeder zwanzigste Manager sagt, dass für ihn Nachhaltigkeit der wichtigste persönliche Wert sei. Angesichts der seit einem Jahr sehr intensiv geführten Debatte über Klimapolitik und die langfristigen Auswirkungen unseres Wirtschaftens sprechen die Studienautoren von einem „bemerkenswerten“ Ergebnis.

Unethisches Verhalten wird zu selten sanktioniert

Auffällig ist auch, was die Führungskräfte zur ethischen Kultur in ihrem Unternehmen zu sagen haben. Fast 80 Prozent der Befragten geben an, dass die ethischen Normen in ihrem Betrieb klar seien. 70 Prozent erklären, dass sich das Management seiner Vorbildfunktion bewusst ist und vollkommen (34 Prozent) oder „eher“ (37 Prozent) danach handelt. Allerdings gibt fast jeder zweite Manager zu, dass es in seinem Unternehmen nur eingeschränkt möglich sei, Regelverstöße und unethisches Verhalten aufzudecken. Und etwas weniger als die Hälfte der Umfrageteilnehmer sagt, dass aufgeflogene Verstöße gegen Ethik und Moral meistens oder immer bestraft würden.

Dazu passt, dass fast jede dritte Führungskraft nach eigenen Angaben dazu neigt, in bestimmten Situationen moralische Ansprüche zurückzustellen und ethisch fragwürdig zu agieren. „Die ethische Kultur zeigt in vielen Unternehmen Deutschlands Defizite“, erklärt die Wertekommission zu den Ergebnissen der Studie. Dies gelte insbesondere mit Blick auf das Identifizieren und Sanktionieren unethischer Verhaltensweisen. „Ethisches Verhalten muss daher mit noch mehr Nachdruck eingefordert und unterstützt werden“, fordert Sven Korndörffer, der Vorsitzende des Vorstands der Wertekommission.

Quelle: F.A.Z.
Christoph Schäfer
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
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