Investmentgesellschaft Pimco

Der nächste Finanzriese will Musikrechte kaufen

Von Benjamin Fischer
14.01.2022
, 17:49
David Bowies Erben haben für rund 250 Millionen Dollar seine Autorenrechte an Warner Music verkauft.
2022 begann mit dem Verkauf der Autorenrechte von David Bowie. Weitere Deals sind nur eine Frage der Zeit. Mit Pimco hat nun offenbar auch die milliardenschwere Investmentgesellschaft der Allianz einen Blick auf die Musik geworfen.
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Ein weiterer großer Name aus der Finanzwelt schickt sich offenbar an, in den boomenden Markt für Musikrechte einzusteigen. Wie die „Financial Times“ berichtet, hat sich die Investmentgesellschaft Pimco hierfür mit der Musiksparte des Bertelsmann-Konzerns (BMG) zusammengeschlossen. Wie viel Pimco investieren will oder welche Art von Rechten gekauft werden sollen, blieb zunächst unklar.

Pimco gehört zum deutschen Allianz-Konzern und verwaltet derzeit rund 2,2 Billionen Dollar. BMG kommentierte den Bericht auf F.A.Z.-Anfrage nicht. Das hinter Universal, Sony und Warner Music viertgrößte Musikunternehmen der Welt ist im März 2021 schon eine Partnerschaft mit der Beteiligungsgesellschaft KKR eingegangen. Beide wollen zusammen rund eine Milliarde Dollar in Pakete mit verschiedenen Musikrechten investieren.

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Kurz vor Weihnachten wurde mit dem Kauf der wie es hieß „gesamten Musikinteressen“ der Band ZZ Top der erste gemeinsame Deal öffentlich gemacht. Anfang diesen Jahres berichtete Bloomberg zudem über den Kauf eines Rechtepakets von John Legend. Der britischen Finanzzeitung zufolge soll Pimco im Vergleich kleinere Abschlüsse anpeilen.

Springsteen sorgte für bislang größten Deal

KKR und BMG tätigten zuletzt auch separat voneinander Zukäufe. So übernahm die Bertelsmann-Gesellschaft etwa Anfang Oktober vergangenen Jahres Turners Anteil an der Vermarktung ihrer Musikaufnahmen sowie ihrer Texte und Kompositionen ebenso wie ihre Leistungsschutz- und Aufführungsrechte („Neighboring Rights“) und Rechte an Name, Bild und Abbild. Ende November erwarb BMG zudem die Rechte an den Aufnahmen der Heavy-Metal-Band Mötley Crüe.

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KKR wiederum schnappte sich Mitte Oktober für rund 1,1 Milliarden Dollar einen Katalog mit rund 62.000 Rechten an Werken von Kobalt Capital, dem Investment-Arm des britischen Musikunternehmens Kobalt Music. Das Paket beinhaltete „vorrangig“ Rechte an Kompositionen und Texten von Songs aus diversen Musik-Genres.

Darunter sollen unter anderem auch Werke sein, die von Stars wie The Weeknd oder Lorde aufgenommen wurden. Die Rechte an diesen Aufnahmen umfasst die Übernahme nicht. Diese sind separat von den Rechten an zugrundeliegenden Texten und Kompositionen zu betrachten. Im jüngsten Boom werden bislang vor allem letztere, also Autorenrechte, verkauft.

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Dies liegt nicht zuletzt daran, dass gerade bei älteren Künstlern die Rechte an den Aufnahmen im Gegenzug für die Finanzierung einer Veröffentlichung oft deutlich länger als heute üblich an ihre Labels abgetreten wurden. Die Rechte fallen jedoch mit der Zeit zurück oder können natürlich im Rahmen von Verhandlungen zurückerlangt werden.

Pimco in guter Gesellschaft

Bruce Springsteen etwa hielt bis zuletzt auch die Rechte an seinen Aufnahmen und hat diese im Paket mit seinen Autorenrechten abgetreten. Auf 500 bis 550 Millionen Dollar wird sein Deal mit Sony Music in Branchenmedien taxiert, dafür hält die Nummer zwei der Musikindustrie nunmehr die kompletten Rechte am Schaffen des 72 Jahre Superstars. Der Verkauf gilt als der bislang größte Abschluss eines einzelnen Künstlers – vor Bob Dylans Transaktion mit der Verlagssparte von Marktführer Universal Music. Bis zu 400 Millionen Dollar soll Dylan für die Rechte an Texten und Kompositionen von mehr als 600 seiner Werke erhalten haben.

Längst gibt es eine Vielzahl von an Musikrechten interessierten Akteuren. Das liegt einerseits am Aufschwung der Musikindustrie und andererseits am Niedrigzinsumfeld. Im Fall von Springsteen hat Sonys Verlag beispielsweise für den Kauf der Autorenrechte die US-Holding Eldridge Industries mit ins Boot geholt, die neben Beteiligungen in der Tech-, Medien-, oder Sport-Welt auch im Besitz von Autorenrechten der Band The Killers ist. Was die Käufer eint, ganz gleich ob Finanzinvestor oder klassisches Musikunternehmen, ist die Aussicht auf langfristig stabile Einnahmen aus der Verwertung der Rechte – sei es durch das seit Jahren boomende Streaming oder die Nutzung der betreffenden Songs in Serien, der Werbung oder für öffentliche Aufführungen.

Pimco befindet sich mit dem Fokus auf den Bereich in guter Gesellschaft. Neben KKR haben mit Blackstone und Apollo Global Management jüngst auch zwei andere Finanzriesen hohe Investitionen in Musikkataloge angekündigt, während der amerikanische Verlag und fleißige Käufer, Primary Wave, unter anderem von Blackrock unterstützt wird. Nachdem das Jahr 2022 mit dem rund 250 Millionen Dollar teuren Kauf von David Bowies Autorenrechten durch Warner Music begonnen hat, steht der nächste große Rechte-Deal noch aus. Dass er kommen wird, steht außer Frage – und in Branchenmedien kursieren mit Phil Collins und Sting auch schon zwei prominente Namen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenbild/ Benjamin Fischer
Benjamin Fischer
Redakteur in der Wirtschaft.
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