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Zalando

Ein bisschen Luxus, ein bisschen Second-Hand

Von Bastian Benrath
Aktualisiert am 27.02.2020
 - 16:43
Pakete über Pakete: ein Versandlager in der Schweiz
Der Berliner Online-Modehändler hat seinen Gewinn fast verdoppelt. Nun sollen zwei Geschäftsfelder wachsen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben.

Das neuartige Coronavirus macht auch vor Europas größtem Online-Modehändler nicht halt. Zalando wollte seine Geschäftszahlen für das vergangene Jahr eigentlich in einer Pressekonferenz am Donnerstag vorstellen, diese fiel jedoch kurzfristig aus. „Wir glauben, dass jede nicht notwendige Reise abgesagt werden sollte“, sagte Finanzchef David Schröder zur Begründung.

Corona-Fälle in der Belegschaft gebe es bislang nicht. Wohl aber könnte die Krankheit Auswirkungen auf das Geschäft haben. Schröder gab die Prognose aus, dass Zalandos Umsatz im laufenden Jahr um 15 bis 20 Prozent wachsen werde – wenn durch das Virus nichts dazwischenkomme.

Es dürfte vor allem an der offenbar anrollenden Epidemie liegen, dass die Zalando-Aktie am Donnerstag um zeitweise mehr als 7 Prozent nachgab. Denn für das vergangene Jahr hat das im M-Dax notierte Berliner Unternehmen Geschäftszahlen vorgelegt, die sich durchaus sehen lassen können. Der Umsatz wuchs um 20 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro und für das Gesamtjahr stand ein Gewinn unter dem Strich – zumal mit 99,7 Millionen Euro ein fast doppelt so hoher wie im vergangenen Jahr, auch wenn der Modehändler im dritten Quartal kurzzeitig in die Verlustzone gerutscht war.

„Partner“ setzen mehr um

Die Gesamtausgaben der Kunden für auf der Plattform verkaufte Waren – in Fachkreisen Bruttowarenvolumen oder GMV genannt – wuchs sogar um 24 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro. Dass sie stärker zunahmen als der Umsatz, erklärte Schröder damit, dass das sogenannte Partnerprogramm wachse. Das sind die Umsätze von anderen Unternehmen, die zwar Zalandos Plattform nutzen, aber dort eigene Mode verkaufen.

In einem Strategieschwenk vor knapp einem Jahr hatte der Onlinehändler begonnen, dies zu forcieren, um sich als Plattform zu etablieren – und dafür einen Großteil seines Eigenmarkensortiments eingestampft. Ziel ist, wie Schröder und Vorstand Rubin Ritter am Donnerstag wieder betonten, dass Zalando der „Startpunkt für Fashion“ werden solle – der Ort im europäischen Internet, an dem Kunden alles finden, was sie in Sachen Mode haben wollen. In den kommenden Jahren sollen 40 Prozent des Bruttowarenvolumens auf die Partner entfallen, später sogar die Hälfte.

Das vergangene Jahr gibt den Berlinern recht mit dieser Strategie. Denn mit 31 Millionen sind gut 17 Prozent mehr aktive Kunden auf der Plattform unterwegs als im Vorjahr. Die Zahl der Bestellungen wuchs sogar um ein Viertel, auf 145 Millionen. Für die Zukunft will Zalando auf zwei Bereiche setzen, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben: Designerstücke und gebrauchte Mode. Dass sie eben doch etwas miteinander zu tun haben, kann man in den In-Vierteln von Berlin oder anderen Großstädten besichtigen: Dort wird fleißig alt mit neu kombiniert, während der Preis eine eher untergeordnete Rolle spielt.

„Ein großartiges Outfit wird nicht über den Preis definiert, sondern durch persönlichen Ausdruck und kreativen Individualismus kreiert“, heißt es in Zalandos Präsentation über „den neuen Luxus-Konsumenten“. David Schneider, ebenso wie Ritter im Vorstand von Zalando, sagt: „Die Premium-Kategorie ist in den letzten Monaten am schnellsten gewachsen und wir sehen ein großes Potential, darauf aufzubauen.“ Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen 50 aktuelle Marken des Premiumsegments aufgekauft, heißt es.

Im Segment Second Hand hat Zalando schon vor einiger Zeit die App „Wardrobe“ aufgelegt, in der Kunden gebrauchte Kleidung an andere Kunden oder aber an Zalando verkaufen können, wofür sie Gutscheine für neue Mode auf der Plattform erhalten. Die soll bestehen bleiben, aber zugleich soll eine neue Kategorie namens „Pre-Owned“ Einzug in Zalandos Onlineshop halten. Darin will der Händler nun auch selbst aktiv gebrauchte Mode verkaufen. Mehr als ein Drittel der zwischen 1985 und 1995 geborenen Menschen kaufte Mode aus zweiter Hand, heißt es zur Begründung. Zudem hat Zalando sich im Zuge seiner Nachhaltigkeitsstrategie aufgegeben, den Lebenszyklus seiner verkauften Kleidungsstücke zu verlängern.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Benrath, Bastian
Bastian Benrath
Redakteur in der Wirtschaft.
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