Kampf gegen die Pandemie

Was Sie über die Corona-Impfstoffe wissen müssen

Von Ilka Kopplin
23.11.2020
, 13:45
Mit Astra-Zeneca präsentiert ein weiteres Unternehmen Daten zu seinem Impfstoff gegen das Coronavirus. Wie geht es nun weiter? Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Das Coronavirus verbreitet sich auf der ganzen Welt weiter rasend schnell. Auch in Deutschland werden deswegen die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in dieser Woche höchstwahrscheinlich noch einmal verlängert und teilweise sogar verschärft. Umso größer sind die Hoffnungen, die jetzt in einen der möglichen Impfstoffe gelegt werden, die in den kommenden Wochen und Monaten zugelassen werden sollen. FAZ.NET gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den Corona-Impfstoffen:

Wie viele Impfstoffe gibt es überhaupt?

Der Impfstoffkandidat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astra-Zeneca gemeinsam mit der Universität Oxford ist nunmehr das dritte Vakzin, zu dem erste Wirksamkeitsdaten vorgelegt wurden. Schon in den vergangenen zwei Wochen hatten das Mainzer Unternehmen Biontech gemeinsam mit Pfizer sowie der amerikanische Konzern Moderna erste Daten vorgelegt. Insgesamt zählt die Weltgesundheitsbehörde gegenwärtig gut 200 Impfstoffprojekte, von denen knapp 50 in der klinischen Entwicklung und ungefähr ein Dutzend in der dritten und abschließenden Studienphase sind.

Wie gut sind die Impfstoffe wirklich?

Laut der nun veröffentlichten Zwischenanalyse zeigt der Impfstoff von Astra-Zeneca eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent zum Schutz vor Covid-19, wenn er zunächst mit einer halben Dosis verabreicht wurde, gefolgt von einer vollen Dosis im Abstand von mindestens einem Monat. Ein anderes in der Studie getestetes Dosierungsschema zeigte eine Wirksamkeit von 62 Prozent, wenn zwei volle Dosen im Abstand von mindestens einem Monat geimpft wurden. Die kombinierte Analyse beider Dosierungsschemata ergab eine durchschnittliche Wirksamkeit von 70 Prozent.

Den ersten Daten zufolge ist das Vakzin damit etwas weniger vielversprechend als die der Konkurrenz. Die Partner Biontech und Pfizer erzielten in ihrer finalen Analyse sogar eine Rate von 95 Prozent, das Unternehmen Moderna erreichte in einer Zwischenanalyse ebenfalls 94,5 Prozent. Die Daten wurden jeweils von unabhängigen Fachleuten bewertet.

Wie unterscheiden sich die Impfstoffe?

Während die Impfstoffe von Biontech und Moderna auf einer neuen Technologie basieren, beruht das Vakzin von Astra-Zeneca, das mit der Universität Oxford entwickelt wird, auf einer herkömmlichen Herstellungsweise. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Vektorimpfstoff, der auf harmlosen Viren als Träger basiert. Forscher statten die Trägerviren so aus, dass dem Immunsystem eine Infektion vorgetäuscht wird, auf das es mit der Bildung von Antikörpern reagiert und so ein Immunschutz entsteht.

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna basieren dagegen auf der sogenannten Boten-RNA (mRNA), die den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger vermitteln soll.

Braucht es denn mehrere Impfstoffe?

Zur Versorgung der Weltbevölkerung wird es mehr als nur einen Impfstoff brauchen, da mehrere Milliarden Dosen benötigt werden, die ein Hersteller allein niemals bewältigen könnte. Und dies übrigens insbesondere deshalb, weil die meisten der derzeit entwickelten Vakzine auf zwei Impfdosen basieren.

Ein Überblick der drei am weitesten fortgeschrittenen Hersteller zeigt: Astra-Zeneca erwartet, im nächsten Jahr eine Kapazität von bis zu 3 Milliarden Dosen bereitstellen zu können. Moderna will in diesem Jahr noch bis zu 20 Millionen Dosen, im nächsten Jahr bis zu einer Milliarde Dosen produzieren. Dafür arbeiten die Amerikaner auch mit Auftragsfertigern zusammen, in Europa beispielsweise mit Lonza in der Schweiz.

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Zum Vergleich: Biontech und Pfizer wollen in diesem Jahr noch 50 Millionen Dosen und im Jahr 2021 bis zu 1,3 Milliarden Dosen bereitstellen. Hinzu kommt, dass sich schon viele Regierungen in den vergangenen Wochen und Monaten hunderte Millionen Dosen vorab gesichert haben, sodass im Umkehrschluss andere Länder zunächst leer ausgehen dürften. Erst an diesem Montag teilte beispielsweise Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit, dass sich Deutschland zusätzlich noch 30 Millionen Dosen des Mainzer Herstellers Biontech gesichert habe.

Zudem stellen Transport und Logistik mancher Impfstoffe in infrastrukturell schwächere Länder eine besondere Herausforderung dar. Astra-Zenecas Vakzin kann bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen 2 und 8 Grad transportiert und bis zu sechs Monate gelagert werden. Damit hätte im Vergleich zu den Impfstoffen von Moderna sowie Biontech und Pfizer, die auf einer anderen Technologie basieren, einen Vorteil. Modernas Impfung bleibt bei diesen Kühlschranktemperaturen nur 30 Tage lang stabil und kann bis zu sechs Monate bei minus 20 Grad gelagert werden. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer muss dagegen bei minus 70 Grad transportiert und gelagert werden, bei Kühlschranktemperaturen kann er fünf Tage lagern.

Und wie geht es nun weiter?

Weiterhin ist kein Impfstoff zugelassen. Biontech und Pfizer haben Ende vergangener Woche ihre Daten bei der amerikanischen Behörde für eine Notfallzulassung eingereicht, über die im Dezember entschieden werden könnte. In Europa durchlaufen Biontech und Pfizer ein beschleunigtes, so genanntes rollierendes Verfahren. Moderna plant ebenfalls in den nächsten Wochen, einen Antrag für eine Notfallzulassung einzureichen. Astra-Zeneca will die Daten bei verschiedenen Behörden auf der Welt einreichen, die die Möglichkeit eines beschleunigten Zulassungsverfahrens bieten.

Da viele der Impfstoffhersteller schon vor Monaten ihre Produktionskapazitäten hochgefahren haben, könnten die Impfstoffe mit erfolgter Zulassung oftmals ohne Verzögerung ausgeliefert werden. Bis dahin müssen allerdings auch die jeweiligen Regierungen die Impfung in ihren Ländern vor Ort organisiert haben. Hierzulande soll das über Impfzentren geschehen, die in der Verantwortung der Bundesländer liegen werden.

Schon in der zweiten Dezemberhälfte könnte ein erster Impfstoff in Europa zugelassen werden, hatte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen vergangene Woche unter Hinweis auf Informationen der europäischen Arzneimittelagentur EMA gesagt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte am Montag, in Deutschland könnten die Impfungen zum Jahresende losgehen, später auch in Arztpraxen.

Quelle: FAZ.NET/Reuters
Autorenporträt / Kopplin, Ilka
Ilka Kopplin
Redakteurin in der Wirtschaft.
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