Pharmaindustrie

Meilenstein auf dem Weg zum Aids-Impfstoff

Von Michael Psotta und Christian Schubert
25.09.2009
, 07:25
Versuch in Thailand: Der benutzte Impfstoff sei „sicher und begrenzt witrkungsvoll”
Die Nachricht, ein begrenzt wirkungsvoller Aids-Impfstoff sei erstmals getestet worden, gibt nicht nur den Kranken Hoffnung. Sie könnte auch der Pharmaindustrie neue Impulse für die Entwicklung von Impfungen gegen schwere Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Aids geben.
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Der größte Test eines Aids-Impfstoffes, der jemals stattfand, hat ermutigende Ergebnisse erbracht. Dies meldeten am Donnerstag die Organisatoren, darunter der französische Impfstoffhersteller Sanofi-Aventis, das amerikanische Militär und thailändische Gesundheitsbehörden. Der benutzte Impfstoff sei „sicher und in einem begrenzten Ausmaß wirkungsvoll“, berichtete Sanofi Pasteur, eine Tochtergesellschaft von Sanofi-Aventis.

Sechs Jahre lang sind in Thailand 16.400 Erwachsene mit einer Kombination aus dem Mittel Alvac – ursprünglich ein Impfstoff gegen Kanarienpocken – sowie dem bereits gescheiterten Aids-Mittel Aidsvax behandelt worden. In der Gruppe der geimpften Testpersonen sank die Infektionsrate um 31,2 Prozent gegenüber jenen Patienten, die Placebos erhielten. „Wenn auch in bescheidenem Umfang, so ist die Verringerung des HIV-Risikos doch statistisch bedeutsam“, teilte Michel DeWilde von Sanofi Pasteur mit. „Erstmals seit der Entdeckung des Aids-Virus 1983 gibt es jetzt einen Beweis, dass ein Impfstoff gegen Aids möglich ist.“ Auf den Zeitpunkt einer Zulassung will sich freilich niemand festlegen. Für die kommerzielle Zulassung eines Mittels muss in den meisten Ländern die Infektionsrate aber um mindestens 50 Prozent sinken.

Doch auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Organisation der Vereinten Nationen UN-Aids nannten die Ergebnisse hoffnungsvoll. Selbst eine nur leichte Wirksamkeit könnte viele Menschenleben retten, denn nach Expertenschätzungen werden auf der ganzen Welt täglich 7500 Menschen mit dem Aids-Virus angesteckt. 2007 starben 2 Millionen Menschen an der Krankheit. Skeptiker wiesen allerdings darauf hin, dass in den Tests nur ein in Asien vorkommender Virustyp geprüft wurde. Für Afrika beispielsweise, wo besonders viele Menschen an Aids erkranken, könnte das Mittel wirkungslos bleiben.

Bild: F.A.Z.

Das Impfstoffgeschäft wächst schnell

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Nach einem Impfstoff gegen Aids wird schon lange gesucht. 2002 weckte die amerikanische Firma Vaxgen Hoffnungen und sprach von einem 2005 möglicherweise verfügbaren Impfstoff. Doch ihr Mittel Aidsvax blieb erfolglos. Die Firma wurde später von der Stiftung GSID übernommen, die nun zusammen mit Hunderten von Wissenschaftlern auch an dem großen Aids-Test teilnahm. Der amerikanische Konzern Merck & Co. stellte 2007 seine Arbeiten an einem Impfstoff ein.

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Für die Pharmaindustrie hat sich das Impfstoffgeschäft zu einem interessanten Geschäftsgebiet entwickelt. Gemessen am Weltumsatz mit Arzneimitteln, der für 2008 auf mehr als 770 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist der Markt für Impfstoffe mit einem Volumen von rund 16 Milliarden Dollar noch klein. Allerdings wächst dieser Markt schneller als der gesamte Pharmamarkt, der 2008 einen Zuwachs von etwa 2 Prozent aufwies. Vor allem die großen Infektionskrankheiten wie die Vogel- oder die Schweinepest haben zuletzt Dynamik gebracht. So schätzt die Schweizer Bank UBS, dass die Impfstoffanbieter für die Schweinepest, Glaxo Smith Kline aus Großbritannien und Novartis aus der Schweiz, durch die anlaufende Impfwelle 1,5 beziehungsweise 1,1 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen.

Impfungen gegen schwere Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Aids sind derzeit noch kaum verfügbar, könnten aber der Pharmaindustrie neue und starke Impulse geben. Bisher gibt es zwei Impfmittel gegen eine Form des Gebärmutterhalskrebses, die Sanofi gemeinsam mit dem amerikanischen Konkurrenten Merck & Co. sowie Glaxo Smith Kline entwickelt hat. Allein die deutschen gesetzlichen Krankenkassen gaben hierfür 2008 gut 240 Millionen Euro aus. Das lässt das Potential derartiger Impfmittel erahnen und erklärt, warum die Pharmabranche daran mit Hochdruck forscht.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Psotta, Michael
Michael Psotta
Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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Christian Schubert
Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.
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