<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Porsche-Chef Wiedeking

König Wendelin

Von Susanne Preuss
Aktualisiert am 25.09.2005
 - 18:37
Ihm gefällt, wenn alle entsetzt aufschreien - Wendelin Wiedeking
Der Einstieg als Großaktionär beim Branchenriesen aus Wolfsburg ist für Wendelin Wiedeking nur ein weiterer Schritt in einer durchdachten Strategie. Die kleine Porsche-Welt hat der Vorstandsvorsitzende voll im Griff.

Das gefällt Wendelin Wiedeking: wenn alle entsetzt aufschreien: „Was? Der ist doch verrückt!“

Das Wort verrückt wertet der Porsche-Chef bestimmt als Kompliment. Er weicht gern von den gängigen Mustern ab. Und er weiß wohl, daß es nicht leicht zu verstehen ist, wenn der kleinste Autobauer bei einem der ganz großen Autokonzerne einsteigt. Ungläubig ziehen die Menschen die Augenbrauen hoch: Porsche wird Großaktionär bei Volkswagen? Umgekehrt wäre man angesichts der Größenunterschiede eher geneigt zu glauben.

Doch Denkverbote gibt es bei Wendelin Wiedeking nicht, das hat er schon oft bewiesen. Bei einem Zulieferer, der auch schon den russischen Lada zusammengebaut hatte, gab er die Montage des kleinen Boxster in Auftrag - und die Kunden nahmen es, ohne zu murren, hin. Zu einer Modellpalette von reinrassigen Sportwagen fügte er als dritte Baureihe den Geländewagen hinzu, der in einer VW-Fabrik in der Slowakei gebaut wird - und sämtliche Produktionsplanungen wurden übertroffen.

Auf Quartalsberichte verzichtete Porsche, weil Wiedeking überzeugt ist, daß diese ein Geschäftsbeschaffungsmodell für Finanzanalysten seien - und der Aktienkurs hat sich verdreifacht, seit Porsche aufgrund dieser Entscheidung vor vier Jahren aus dem M-Dax verbannt wurde.

Wiedeking ist außerordentlich risikoscheu

Nun aber VW. Das ist ein anderes Kaliber. Ist Wiedeking denn nicht nur verrückt, sondern größenwahnsinnig geworden, fragt man sich. Hat er die Bodenhaftung verloren? Bei Hauptversammlungen gebärdet sich der Porsche-Chef längst, als wäre er König Wendelin I., der sich im Glanz seines Erfolges sonnt: Da hält er hof und nimmt artig die Glückwünsche der Kleinaktionäre entgegen.

Management-Preise zu erhalten ist für ihn schon Routine. Und er weiß, daß man ihm noch viel mehr zutraut. Als kurz vor der Bundestagswahl mehr als 500 Führungskräfte unter 15 Managern ihren liebsten Kanzlerkandidaten wählten, blieben 14 Kandidaten unter „ferner liefen“, für Wiedeking (übrigens ein Freund Gerhard Schröders) entschieden sich 57 Prozent der Führungskräfte. Man könnte daher schnell vermuten, daß Wiedeking unter Realitätsverlust leidet.

Doch der zweite Blick beweist das Gegenteil: Wiedeking ist sogar außerordentlich risikoscheu. Wann immer er eine Investitionsentscheidung zu treffen hatte, ließ er sich nicht von Analysten und Aktionären drängen, sondern wartete ab, bis alles durchgerechnet war, so auch im Fall der vierten Baureihe, ein viertüriges Coupe, das den Stuttgarter Autobauer in eine andere Dimension führen soll.

Kontrolle und Expansion - aber behutsam

Das beinahe schon übersteigerte Sicherheitsbewußtsein könnte ihm einmal zum Verhängnis werden, unken viele. Doch der Hobby-Modelleisenbahner läßt sich von solchen Kritikern nicht beeindrucken, steht an den Schalthebeln seiner kleinen Porsche-Welt, kontrolliert, daß alles läuft wie geplant, baut immer wieder ein Stück dazu, damit es nicht langweilig wird, aber immer behutsam.

Als Wiedeking 1992 bei Porsche zum Sprecher des Vorstands berufen wurde, war genau diese Haltung gefragt. Bei dem Stuttgarter Sportwagenbauer hatte man einige selbstbewußte und risikofreudige Vorstandschefs kommen und gehen sehen, und nun stand das Unternehmen vor der Pleite. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piech vertrauten den Sanierungsfall Wiedeking an, der so gar nicht glamourös wirkte: ein promovierter Maschinenbauer aus Westfalen, der sich seine Sporen als Sanierer des heute zu Federal Mogul gehörenden Zulieferers Glyco verdient hatte und gerade erst 40 geworden war.

Immer neue Rekorde bei Umsatz und Ergebnis

Wiedeking krempelte Porsche um, entließ ein Drittel der Beschäftigten und machte sich die verbliebene Belegschaft zu Verbündeten. Der Rest klingt wie im Märchen: Aus einem dreistelligen Millionenverlust im Jahr 1993 wurde bereits ein Jahr später wieder ein Gewinn, und nun ist man schon seit Jahren an immer neue Rekorde bei Umsatz und Ergebnis gewöhnt.

Den Eigentümern der Stammaktien, aber auch den Inhabern der Vorzugsaktien hat Wiedekings Leistung seither viele hundert Millionen Euro Dividende und dazu einige Milliarden Wertsteigerung für ihre Aktienportfeuilles beschert. Er selbst hat übrigens keine einzige Porsche-Aktie, sagt Wiedeking. Ihm reicht es, der populärste und wohl bestbezahlte deutsche Manager zu sein und im übrigen jeden Herbst von seinem Kartoffelacker eine reiche Ernte einzufahren.

Quelle: F.A.Z., 26.09.2005, Nr. 224 / Seite 17
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.