Protest in der Krise

Landwirte blockieren Aldi-Lager mit Traktoren

08.12.2020
, 09:39
Die deutschen Bauern kritisieren die Preispolitik des Einzelhandels. Nicht nur in Nordrhein-Westfalen.

Landwirte haben im Kreis Steinfurt die Zufahrt zum Zentrallager eines Discounters blockiert. Ungefähr 50 Traktoren versperrten das Tor des Aldi-Lagers in Greven. Die Protestaktion habe am Montagabend begonnen und dauere noch an, sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen. Bislang sei alles friedlich verlaufen. Schon in der vergangenen Woche hatten Landwirte immer wieder Zentrallager blockiert, um gegen die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels zu protestieren.

Die Zufahrt zu dem Lager ist den Angaben nach für den Lieferverkehr blockiert. Die Lastwagen stauten sich dem Sprecher zufolge bis zu einer nahen Bundesstraße. Wie lange die Blockade-Aktion in Greven dauern soll, war zunächst unklar.

Zeitgleich fanden auch in anderen Bundesländern Protestaktionen von Landwirten statt. In Niedersachsen blockierten Hunderte Traktoren Discounter-Lager an verschiedenen Orten des Bundeslandes am Montagabend. Zeitweise waren auch dort die Zufahrten nicht mehr passierbar. Am Dienstagmorgen waren nach Angaben der Polizei noch etwa 50 Traktoren vor Ort. Eine ähnliche Blockade gab es in Rheinland-Pfalz. Auch in Bayern versammelten sich Hunderte von Landwirten mit ihren Traktoren an Aldi-Lagern. Die Proteste dort fanden unter dem Motto „Faire Preise, faire Bauern“ statt, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte.

Auslöser der Wut der Landwirte war ein Brief der großen deutschen Handelsketten an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Darin hatten sich die Topmanager von Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) über Aussagen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner beschwert. Die CDU-Politikerin hatte ein Gesetz auf den Weg gebracht, mit dem Landwirte und kleinere Lieferanten besser vor dem Preisdruck der Handelsriesen geschützt werden sollen und von teils unfairen Bedingungen gesprochen. Klöckner habe ein Zerrbild der Handelsunternehmen gezeichnet, klagten die Manager.

Aldi Nord hatte am Sonntag erklärt, mit Bauernvertretern zeitnah weitere Gespräche zu führen. Dabei könne es etwa um die Idee eines Fairtrades für die deutsche Landwirtschaft gehen oder die Förderung der Landwirte durch eine flächendeckende, angemessene Bezahlung bei höheren Qualitätsstandards.

Quelle: FAZ.NET/dpa
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