Frankreich

Kampfjet Rafale wird zum Exportschlager

Von Niklas Záboji, Paris
04.12.2021
, 17:49
Höhenflug:  Rafale-Jet auf der Pariser Flugshow im Jahr 2019
Frankreich und die Vereinigten Arabischen Emirate rücken militärisch enger zusammen – und besiegeln den größten Export von Kampfjets in der französischen Geschichte.
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Emmanuel Macron hat seine zweitägige Reise in die Golfregion dazu genutzt, die militärische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emiraten zu vertiefen. So kam der französische Präsident am Freitagfrüh mit Scheich Muhammad Bin Zayed Al Nahayan zusammen, dem Kronprinz von Abu Dhabi und zugleich Vizekommandanten der Streitkräfte des Wüstenstaats. Zusammen setzten sie ihre Unterschrift unter den Vertrag zur Lieferung von 80 französischen Kampfflugzeugen des Typs Rafale. Zudem vereinbarten sie die Lieferung der Waffen für die Rafale-Flugzeuge sowie von zwölf Airbus-Mehrzweck- und Transporthubschraubern des Typs Caracal. Auch erklärten sich die Emirate bereit, ihre Investitionen in die französische Industrie zu verstärken, und es wurde unter anderem die Lizenz für den Ableger des französischen Louvre in den Emiraten verlängert. Exakte Summen wurden nicht genannt. Geschätzt wird das Gesamtvolumen der Vereinbarungen auf rund 25 Milliarden Euro.

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„Dies ist das Ergebnis der strategischen Partnerschaft zwischen beiden Ländern, welche ihre Fähigkeit zum gemeinsamen Handeln für ihre Autonomie und Sicherheit festigt“, teilte der Elysée-Palast mit. Die französische Rüstungsindustrie wiederum ergattert durch die Vereinbarungen einen großen, in der Kampfjetsparte sogar den größten Auftrag ihrer Geschichte. Entsprechend freudig zeigte sich Eric Trappier, Vorstandschef von Dassault Aviation , das die Rafale fertigt. „Dieser Vertrag ist eine ausgezeichnete Nachricht für Frankreich und seine Luftfahrtindustrie, für das gesamte Ökosystem von 400 großen und kleinen Unternehmen, die zur Rafale beitragen“, so Trappier. Er dankte den Behörden der Emirate für ihr Vertrauen und nannte das Kampfflugzeug „eine französische Erfolgsgeschichte“. Auch Anleger goutierten die Vertragsunterzeichnung: Der Kurs der an der Pariser Börse gehandelten Aktie von Dassault Aviation schoss kurz nach Bekanntwerden in die Höhe und notierte kurz vor Handelsschluss am Freitagnachmittag bei rund 91 Euro rund 8 Prozent im Plus.

Das siebte Land, das auf den Kampfjet setzt

Die Rafale wird durch den Wüstendeal mehr und mehr zum Exportschlager. Frankreich eingeschlossen, sind die Emirate das nunmehr siebte Land, das auf den Kampfjet setzt. Die schwierigen ersten Jahre geraten damit zunehmend in Vergessenheit: Anfang der 2000er Jahre eingeführt, kam die Rafale lange Zeit nicht an gegen Konkurrenten wie die Lockheed Martin F-35 aus Amerika. Erst im Jahr 2015 gab es mit einer Bestellung aus Ägypten den ersten Auftrag jenseits der französischen Streitkräfte. Seither zeigt die Bestellkurve steil nach oben: Auf Ägypten folgten Qatar und Indien, und mit Griechenland und Kroatien fanden die Franzosen in diesem Jahr erstmals auch in Europa Abnehmer. Dem Vernehmen nach sind auch die Gespräche mit Finnland und Indonesien weit gediehen. Produziert wird die Rafale an elf Standorten in Frankreich, direkt und indirekt beziffert Dassault Aviation dadurch nach eigenen Angaben rund 7000 Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigte das Unternehmen im vergangenen Jahr rund 12.400 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro.

Mit der Bestellung von 80 Kampfjets werde in der Rafale-Geschichte ein neues Kapitel aufgeschlagen, zeigt man sich bei Dassault Aviation überzeugt, wurden doch bislang überhaupt erst 180 Maschinen von den französischen Streitkräften und 150 Maschinen aus dem Ausland geordert. Ausgeliefert werden sollen sie an den Wüstenstaat vom Jahr 2027 an bis voraussichtlich 2031. Die Emirate haben dabei die neuste F4-Version der Rafale bestellt und wollen dadurch ihre bisherige Mirage-2000-Flotte ersetzen. Warum sie sich gegen die amerikanische F-35 entschieden haben, deren Tarnkappen-Technologie und Kommunikationsmittel als moderner gelten, ist offiziell nicht bekannt.

Für Macron und die französische Rüstungsindustrie ist der Großauftrag aus den Emiraten nach dem sommerlichen Fiasko um die abgesagte U-Boot-Lieferung nach Australien und mit Blick auf die Präsidentenwahl im kommenden Frühjahr eine Erfolgsmeldung. Nicht von ungefähr wird der Präsident auf seiner Reise in die Golfregion nicht nur von Wirtschaftsminister Bruno Le Maire und Verteidigungsministerin Florence Parly, sondern auch von zahlreichen Branchenvertretern begleitet. Zu den französischen Unternehmen, die neben Airbus und Dassault Aviation im Rüstungsbereich tätig sind, zählen Safran, Thales und die Naval Group. Mit den Emiraten verbinden der französische Staat und Dassault Aviation eine jahrzehntelange Partnerschaft. Anfang der 1970er-Jahre wurden die ersten Kampfflugzeuge dorthin geliefert. Gemeinsame Interessen verfolgen Frankreich und die Vereinigten Arabischen Emirate im Nahen Osten unter anderem gegenüber der Türkei. Im Streit um die Erdgasförderung im östlichen Mittelmeer haben sich beide Staaten auf die Seite Griechenlands gestellt.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Zaboji, Niklas
Niklas Záboji
Wirtschaftskorrespondent in Paris
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