Ace of Spades

Kult-Champagner von Jay-Z wechselt den Besitzer

Von Winand von Petersdorff, Washington
22.02.2021
, 17:41
Moët Hennessy kauft 50 Prozent der „Ace of Spades“-Marke und erteilt der Konkurrenz eine Lehre: Leg dich nicht mit Jay-Z an. Der Rapper hatte die Champagnermarke einst gekauft, um ein Zeichen gegen einen Konkurrenten zu setzen.

Moët-Hennessy kauft vom Rap-Künstler und Unternehmer Shawn Jay-Z Carter 50 Prozent der Champagner-Marke Armand de Brignac, die unter dem Kultnamen „Ace of Spades“ erfolgreich ist. Jay-Z habe es geschafft, neue Kundengruppen für hochpreisigen Champagner zu erschließen durch kreative Kommunikation, sagt der Vorstandsvorsitzende von Moët Hennessy, Philippe Schaus. Der Künstler bewarb den Champagner, dessen Marke seit knapp sieben Jahren in seinem Besitz ist, in Musikvideos, seine Frau Beyoncé promotete das edle Getränk in einem Album.

Im Geschäftsjahr 2019 wurden eine halbe Million Flaschen verkauft, die meisten davon in den Vereinigten Staaten. Moët Hennessy könne mit seinem globalen Vertriebsnetz helfen, den unter dem Kultnamen „Ace of Spades“ bekannten Champagner in aller Welt zu verkaufen, sagte Schaus. Die Verhandlungen über eine Beteiligung begannen 2019 und hätten schnell zum Ergebnis geführt, sagte Jay-Z. Eingefädelt hatte sie der mit ihm befreundete französische Unternehmer Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH, zu dem auch Moët Hennessy gehört. Angaben zum finanziellen Umfang der Transaktion machten die Beteiligten nicht.

Mit der Beteiligung durch die Großmacht auf dem Markt für edle Getränke bekommt die Karriere des Traditionschampagners Armand de Brignac eine neue bemerkenswerte Wendung. Zur Vorgeschichte gehört, dass bis zum Jahr 2006 ein Champagner mit dem Kultnamen Cristal unter Rappern und ihren nacheifernden Fans sehr beliebt war. Jay-Z berichtete jetzt, typischerweise hätten schwarze Jugendliche mit Cristal-Champagner des französischen Herstellers Louis Roederer gefeiert, wenn sie 21 Jahre alt wurden. Sie hätten begossen, dass sie bis dahin überlebt hätten, sagte Jay-Z im CNBC-Interview.

Im Jahr 2006 aber gab dann Louis Roederer-Chef Frederic Rouzaud dem „Economist“ ein Interview, das den Kultstatus von Cristal auf einen Schlag beendete. Der Manager sagte, er beobachte die Beliebtheit seines Champagners in der Rapper-Szene mit Neugier und heiterer Gemütsruhe. Ob er fürchte, die Verbindung mit Rappern könnte der Marke schaden, wurde er darauf gefragt.

Seine schicksalsschwere Antwort: „Das ist eine sehr gute Frage. Aber wir können Leuten nicht verbieten, ihn zu kaufen. Dom Perignon und Krug würden froh sein, das Geschäft zu machen.“ Jay-Z gab darauf eine offizielle Stellungnahme heraus, der zufolge er nie wieder Cristal trinken werde. Er werde den Champagner auch nicht mehr in seinen Clubs servieren. Die Aussage der französischen Champagner-Vorstands wertete er als rassistisch, herablassend und respektlos gegenüber der Hiphop-Kultur.

Von da an half Jay Z der weitgehend unbekannten Champagner-Marke Armand de Brignac auf die Sprünge. Er plazierte die goldenen Flaschen nicht nur in seinen Musikvideos – für eine finanzielle Zuwendung allerdings. Er verkaufte sie auch in seinen 40/40-Clubs. Um Barack Obamas Wiederwahl zu unterstützen, stiftete er 350 der Flaschen in einem seiner Clubs in New York. Sie werden für rund 300 Dollar im Handel verkauft und von einer Winzerfamilie veredelt, die seit 1763 im Geschäft ist.

2014 konnte Jay-Z dann die Marke selbst erwerben. Der damalige Eigentümer Sovereign Brands kommentierte, Der Musiker habe ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen konnten: 200 Millionen Dollar kursierte als Kaufsumme. Jay-Z verfolgt umfangreiche Geschäftsinteressen: Er hat unter anderem eine Modelinie, Restaurants und eine Musikproduktions-Firma. Er wolle gar nicht immer selbständig sein, sagt der Rapper. Aber wenn er kein angemessenes Angebot bekomme, dann mache er es eben selbst.

Quelle: FAZ.NET
Winand von Petersdorff-Campen - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitun
Winand von Petersdorff-Campen
Wirtschaftskorrespondent in Washington.
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