Nach hohen Gewinnen

RWE will auf Gas-Umlage verzichten

Von Jonas Jansen, Düsseldorf
11.08.2022
, 13:39
Das RWE Gas- und Dampfturbinenkraftwerk Gersteinwerk an der Lippe
Der Dax-Konzern sei „ein finanzstarkes und robustes Unternehmen“, sagt Vorstandschef Krebber. Im ersten Halbjahr verdiente RWE glänzend – und das aus gleich mehreren Gründen.
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Der Energiekonzern RWE will sich die erhöhten Kosten für den Kauf von Gas nicht über die geplante Gas-Umlage von den Kunden zurückholen. „RWE ist ein finanzstarkes und robustes Unternehmen. Wir erwägen daher, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, unsere Verluste aus der Gasersatzbeschaffung für diese Umlage geltend zu machen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Markus Krebber am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Wie hoch diese Kosten für den Dax-Konzern werden, konnte Krebber vorerst nicht beziffern, weil der Betrag davon abhänge, wie viel Gas noch geliefert werde.

Um sich gegen einen möglichen Lieferausfall abzusichern, habe das Unternehmen aus anderen Quellen – und zu deutlich höheren Preisen – Verträge abgeschlossen. Die Umlage, die von Oktober an für alle Gas-Verbraucher gelten soll, ist dafür gedacht, Unternehmen zu unterstützen, die durch ausbleibende Gaslieferungen aus Russland in Schieflage geraten sind. RWE bezieht vergleichsweise wenig Gas aus Russland. Die Speicher des Unternehmens seien derzeit zu 85 Prozent gefüllt. Das Unternehmen geht davon aus, den gesetzlichen Mindestfüllstand von 95 Prozent zum 1. November selbständig zu erreichen.

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Energiekonzern verdient glänzend

Schon im ersten Quartal hatte der Essener Energieriese zudem 750 Millionen Euro auf den Einkauf von russischer Kohle abgeschrieben, der Verlust entstand durch die britischen Sanktionen auf die russische Kohle. Nun verdient RWE trotz der Zusatzbelastung glänzend, was an mehreren Faktoren liegt: Wegen guter Windverhältnisse und guter Zahlen im Solar-Geschäft verdient der Energiekonzern mit seinen erneuerbaren Energien deutlich mehr als vor Jahresfrist. Auch im Energiehandel konnte das Unternehmen zulegen. Wie RWE am Donnerstag mitteilte, will der Konzern mehr als 5 Milliarden Euro in den Ausbau seines grünen Portfolios investieren, was rund 30 Prozent mehr seien als ursprünglich geplant. „Wenn RWE gutes Geld verdient, gewinnt die grüne Energiewelt“, sagte Krebber.

Das Unternehmen bestätigte seine vorläufigen Halbjahreszahlen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg im Kerngeschäft auf 2,36 Milliarden Euro nach 1,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das Nettovermögen betrug zu Ende Juni 1,9 Milliarden Euro, nach 360 Millionen zum Ende des vorigen Jahres. RWE hatte seine Prognose schon kräftig angehoben und erwartet nun ein bereinigtes Betriebsergebnis von 5 bis 5,5 Milliarden Euro statt 3,6 bis 4 Milliarden Euro. Das liegt auch daran, dass die Stromproduktion wegen der außergewöhnlich hohen Preise dem Unternehmen hilft. Das Jahresergebnis soll bei 1,1 Milliarden Euro liegen, nachdem das Unternehmen zuvor von 800 Millionen Euro ausgegangen war. „Unsere Anlagen werden gebraucht“, sagte Krebber.

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Drei Kohlekraftwerke werden wieder hochgefahren

Das gilt auch für den verbliebenen Atommeiler und die Kohlekraftwerke des Konzerns. Zwar erwartet RWE dort ein Ergebnis wie bisher geplant, weil es die Produktion schon in den vergangenen Jahren zu geringen Preisen auf Termin verkauft hat. Gleichwohl bringt RWE von Oktober an drei Braunkohlekraftwerke wieder befristet ans Netz. „Das wird aber nicht zu einer Renaissance fossiler Energien führen. Für RWE gilt klipp und klar: Wir stehen zum Kohleausstieg“, sagte Krebber. Mit einem bereinigten Ebitda von 501 Millionen Euro lag das Segment Kohle/Kernenergie unter dem Vorjahr, vor allem weil RWE wegen Kraftwerksschließungen weniger produziert. Auch für das Gesamtjahr erwarten die Essener dort ein rückläufiges Ergebnis zwischen 650 und 700 Millionen Euro.

Welche Auswirkungen das abermalige Hochfahren der drei Braunkohlekraftwerke hat, konnte Krebber am Donnerstag noch nicht genau sagen. Durch den Hochlauf gebe es zusätzliche Instandhaltungskosten sowie operative Kosten und höhere Kosten für CO₂-Zertifikate. „Was damit erwirtschaftet werden kann, ist nicht in unserer Kontrolle. Es wird aus unserer Sicht nicht um relevante Beträge gehen“, sagte Krebber. Zur Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken wollte sich der RWE-Vorstandschef nicht äußern, das sei Sache der Politik. In enger Abstimmung mit der Politik ist der Energiekonzern auch weiterhin zu den geplanten LNG-Terminals. „Um die Energieversorgung zu stärken, brauchen wir zusätzliche Infrastruktur, die ist am Anschlag“, sagte Krebber.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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