FAZ plus ArtikelSanofi-Manager im Gespräch

„Wer als erster den Impfstoff hat, kommt als erster aus der Wirtschaftskrise“

Von Christian Schubert, Paris
22.04.2020
, 17:03
David Loew
David Loew erklärt, wie Sanofi-Pasteur im nächsten Jahr bis zu 600 Millionen Dosen des Impfstoffes gegen Covid-19 produzieren will, warum Europa Garantien geben muss und die Grippe-Impfung so wichtig ist.
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Auf Herdenimmunität zu setzen, gilt als zu gefährlich. Die Alternative ist, sich weltweit einzuschränken, bis ein Impfstoff da ist. Sie leiten die Impfstoffe-Tochtergesellschaft von Sanofi, einem der vier größten Hersteller der Welt. Wann dürfen wir mit dem Impfstoff gegen Covid-19 rechnen?

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Die Frage ist, wie Sie das meinen. Wenn es heißt, dass ein Impfstoff in ganz kleinen Dosen für Notsituationen irgendjemandem in den Vereinigten Staaten geliefert wird, dann ist das nicht, wovon wir reden. Wir haben eine Weltbevölkerung von 7 bis 8 Milliarden Menschen. Wenn Sie annehmen, dass Sie zwei Dosen brauchen, hätten wir also einen Bedarf von 16 Milliarden Dosen. Sagen wir mal, dass die Hälfte der Bevölkerung geimpft wird, sind wir also bei 8 Milliarden Dosen. Das sind gigantische Volumen, die man sich kaum vorstellen kann. Zum Vergleich: Sanofi Pasteur produziert heute über alle Impfstoffe hinweg mit seinen 12.000 Mitarbeitern 1 Milliarde Dosen im Jahr. Wir stehen vor einer Herausforderungen, wie wir sie noch nie gesehen haben.

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Zur Person

Der 53 Jahre alte Schweizer David Loew hat mehr als zwei Jahrzehnte beim Pharmakonzern Roche gearbeitet, bevor er 2013 zu Sanofi wechselte. Drei Jahre später übertrug man dem Manager, der eine Ausbildung in Finanz-, Betriebswirtschaft und Marketing erhielt, die Leitung der Tochtergesellschaft Sanofi Pasteur mit Hauptsitz in Lyon, die mit einem Umsatz von 5,7 Milliarden Euro einer der fünf großen Geschäftsbereiche des französischen Konzerns ist. Mit einer operativen Umsatzrendite von gut 38 Prozent waren die Impfstoffe 2019 der profitabelste Geschäftsbereich von Sanofi. Das Unternehmen stellt in Frankreich, den Vereinigten Staaten, China, Kanada und Mexiko Impfstoffe her. Es gehört zu den „big four“ unter den Impfstoff-Herstellern - neben Pfizer, MSD (in den Vereinigten Staaten bekannt als Merck & Co) sowie GlaxoSmithKline.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Schubert, Christian
Christian Schubert
Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.
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