FAZ plus ArtikelNeue Normalität nach Corona

„Wem nützt billig?“

Von Rüdiger Köhn
12.05.2021
, 11:53
Die Industrie wandelt sich radikal, sagt Siemens-Chefaufseher Jim Hagemann Snabe im Interview. Warum sie schneller und flexibler werden muss und was Siemens von Tesla lernen kann.

Herr Snabe, wie sieht die neue Normalität nach Corona aus?

Ganz anders als vor der Pandemie. Natürlich werden die Menschen endlich wieder im Büro zusammenkommen, vielleicht auch mehr im Team zusammenrücken, sich mit Kollegen, Geschäftsfreunden und Kunden treffen, auch mal bei einem Glas Wein oder Bier. Der Mensch ist ein soziales Wesen, und nach mehr als einem Jahr mit der Pandemie sehnen wir uns alle nach persönlichen Begegnungen ...

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Als Berufsaufsichtsrat die Ruhe in Person

Der Eindruck trügt nicht, dass Jim Hagemann Snabe mit dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Roland Busch besser auskommt als mit dessen Vorgänger Joe Kaeser. Mit Blick auf Technologie und Digitalisierung bewegen sie sich auf einer Wellenlänge. Grund für das innige Verhältnis dürfte aber auch die Entfremdung zu Buschs Vorgänger Joe Kaeser in den Jahren 2019 und 2020 gewesen sein. Zu sehr hatte Kaeser taktiert, als es um seine Zukunft im Unternehmen ging. Das strapazierte die Nerven und zögerte wichtige andere Personalbeschlüsse im Vorstand hinaus. Dabei ist der Däne Snabe (55 Jahre) ein Mann von Kaesers Gnaden. Nachdem dieser Mitte 2013 Siemens-Chef geworden war, holte er den Manager mit Software-Erfahrung wenige Monate später in den Aufsichtsrat des Technologiekonzerns. Siemens sollte sich schließlich zum digitalen Unternehmen wandeln. Snabe war während des radikalen Umbaus treuer Wegbegleiter. Zurückhaltend und mit leiser Stimme hat der Chefkontrolleur meist mit unnachahmlichem dänischen Akzent und lächelnder Miene hinter dem omnipräsenten Kaeser gestanden. Aus diesem Schatten ist Snabe – die Ruhe in Person – herausgetreten. Er bringt jetzt mehr denn je die Expertise ein, die er etwa als Chefentwickler des Softwarekonzerns SAP gesammelt hat. Er studierte Betriebs- sowie Finanzwissenschaft und arbeitete seit 1994 als Leiter der Beratungsabteilung von SAP. 2008 trat er in den Vorstand ein und wurde 2010 Vorstandssprecher. Nach vier Jahren ging er. Vermutet wurde, dass der damalige Ko-Chef Bill McDermott zu dominant war. Snabe wechselte im Mai 2014 in den SAP-Aufsichtsrat und verließ ihn 2017 mit Blick auf die Siemens-Oberaufsicht, die er Anfang 2018 übernahm. Nach der Wiederwahl in diesem Februar wird er bis Anfang 2025 Oberaufseher sein. Neben Digitalisierung ist Umstrukturieren sein Thema. Als Verwaltungsratschef des einst angeschlagenen dänischen Reedereikonzerns A.P. Møller-Mærsk hat er das Unternehmen neu ausgerichtet. Snabe ist Berufsaufsichtsrat par excellence. Sein Netzwerk groß: Er ist auch stellvertretender Allianz-Aufsichtsratschef.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Köhn, Rüdiger (kön.)
Rüdiger Köhn
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.
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