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Neue Erhebung

So hoch ist der Milliardenschaden durch Ladendiebe

Von Michael Ashelm
Aktualisiert am 28.07.2020
 - 16:24
Viele Diebesbanden sind überregional und professionell organisiert. Bild: Picture-Alliance
Einzelhändler schlagen Alarm: Organisierte Banden begingen zuletzt wieder mehr Ladendiebstähle und sorgen für einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden. Und die Dunkelziffer beträgt mehr als 98 Prozent.

Trotz aufwendiger Präventivmaßnahmen gegen Diebe wird hierzulande in Geschäften des Einzelhandels immer mehr gestohlen. So sind laut einer Erhebung des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI im vergangenen Jahr Waren im Wert von 3,75 Milliarden Euro geklaut worden. Inklusive der Verluste aufgrund von falschen Preisauszeichnungen oder anderen Organisationsfehlern entgingen dem Handel 4,4 Milliarden Euro, was 5 Prozent mehr ist als im Jahr 2018.

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Fast 2,5 Milliarden Euro davon gingen aufs Konto von klauenden Kunden, Produkte im Wert von 950 Millionen Euro seien von eigenen Mitarbeitern in den Geschäften entwendet worden und ein Verlust von rund 360 Millionen Euro ließe sich auf Lieferanten und Servicekräfte zurückführen, welche Waren mitgehen lassen. Dem Staat entstehe mit dem Diebstahl ein volkswirtschaftlicher Schaden von 510 Millionen Euro im Jahr aufgrund der Mehrwertsteuerausfälle. „Rein statistisch gesehen wird durch jede Person in Deutschland ein Warenwert von knapp 30 Euro pro Jahr gestohlen“, teilte Frank Horst mit, Sicherheitsfachmann des EHI.

Das Institut führt an, dass die Zahl der einfachen Ladendiebstähle seit dem Jahr 1997 zwar nahezu kontinuierlich gesunken sei, sich die schweren Ladendiebstähle in den vergangenen 13 Jahren aber nahezu verdreifacht hätten. Aufgrund der hohen Dunkelziffer von mehr als 98 Prozent besitze die Statistik des Bundeskriminalamtes nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit, heißt es vom EHI. Aus dem durchschnittlichen Schaden aller angezeigten Diebstähle und dem tatsächlichen Schaden im Handel ergebe sich, dass jährlich rechnerisch mehr als 22,2 Millionen Ladendiebstähle mit je einem Warenwert von 110 Euro unentdeckt blieben.

„Gewerbsmäßig agierende Täter sind oft überregional aktiv“

Der Handelsverband Deutschland (HDE) mahnt, dass die Zahl der schweren Delikte für 2019 im Vergleich zum Vorjahr fast wieder den Spitzenwert von 2016 erreicht habe. So fordert der HDE eine deutlich bessere personelle und materielle Ausstattung der Strafverfolgungsbehörden, um die konsequente Sanktion und Abschreckung potentieller Täter zu gewährleisten. „Der Anstieg bei den schweren Ladendiebstählen, die oft von organisierten Banden begangen werden, macht dem Einzelhandel große Sorgen. Dabei entsteht ein enormer wirtschaftlicher Schaden“, teilte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth auf Anfrage mit.

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Der Handelsverband fordert die Bundesländer auf, den Anfang 2019 zwischen den Regierungschefs von Bund und Ländern vereinbarten „Pakt für den Rechtsstaat“ mit insgesamt 2000 neuen Stellen in der Justiz konsequent bis 2021 umzusetzen. Außerdem setze sich der HDE dafür ein, die Digitalisierung der Justiz voranzutreiben und insbesondere den Datenaustausch zwischen den Behörden im Bereich der Strafverfolgung zu verbessern.

„Diebesbanden machen nicht an Ländergrenzen halt, gewerbsmäßig agierende Täter sind oft überregional aktiv. Deshalb brauchen Polizei und Staatsanwaltschaften mehr Zusammenarbeit über die Grenzen der Bundesländer hinweg, sowie einen schnellen, professionellen, digitalen Austausch zwischen den Ermittlungsbehörden“, sagte Genth. Der HDE gab an, dass viele Händler den bürokratischen Aufwand einer Anzeige scheuten, weil die Verfahren nur selten zur Überführung oder Verurteilung der Täter führten.

Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI schwächen die Inventurdifferenzen erheblich die Rendite der Unternehmen und Geschäfte. Setze man die entgangenen Verkaufspreise in Bezug zum Bruttoumsatz, entsprächen sie in branchengewichteter Hochrechnung einem Wert von rund 1 Prozent des Umsatzes. Zusammen mit den Ausgaben für Diebstahlprävention und Sicherungsmaßnahmen entginge dem Handel so rund 1,32 Prozent seines Umsatzes. Baumärkte und Drogerien würden besonders häufig von Dieben und kriminellen Banden heimgesucht.

Quelle: F.A.Z.
Michael Ashelm
Redakteur in der Wirtschaft.
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