Streikender Geldtransporteur

Berliner Geldautomaten ohne Bares

Von Christine Scharrenbroch
06.05.2015
, 22:55
Geldtransporter von Prosegur
Sichtbarkeit der Bildbeschreibung wechseln
Ein Streik beim Geldtransporteur Prosegur sorgt für Ebbe an den Automaten der Hauptstadt. Die Kassenschalter werden aber weiter mit Geld beliefert.
ANZEIGE

Enttäuschend verläuft derzeit für so manchen Bankkunden in Berlin und Brandenburg der Gang zum Geldautomaten. In etlichen Filialen sind die Geräte außer Betrieb, weil der Bargeldbestand aufgebraucht ist. Grund für diesen Engpass ist ein Streik beim Geld- und Werttransportunternehmen Prosegur, dessen Ende nicht absehbar ist.

Seit mehr als einer Woche befinden sich knapp 180 der 350 Mitarbeiter der Prosegur-Niederlassung in Potsdam im unbefristeten Ausstand. Derzeit könne in der Region nur etwa ein Viertel der Geldautomaten mit Bargeld bestückt werden, räumt Deutschland-Geschäftsführer Lothar Thoma gegenüber dieser Zeitung ein. Zu den Kunden von Prosegur in Berlin und Brandenburg zählen etwa die Commerzbank, die Deutsche Bank sowie deren Tochtergesellschaft Berliner Bank.

ANZEIGE

In einigen Filialen befüllten inzwischen Bankmitarbeiter die Geldautomaten, berichtet Thoma. Nicht möglich sei dies jedoch bei Automaten außerhalb von Filialen - wegen der Schwierigkeit des sicheren Transports hoher Geldbestände. Schon lange haben die meisten Banken die Befüllung der Automaten an externe Dienstleister ausgelagert.

Die Versorgung in Berlin drohe selbst im Fall eines längeren Streiks nicht auf breiter Fläche zusammenzubrechen, beschwichtigt Thoma. Die Ausfälle beträfen in erster Linie die Geldautomaten. Bei der Bargeld-Belieferung der Kassenschalter in den Bankfilialen gebe es nur punktuell Schwierigkeiten. Auch die Versorgung des Einzelhandels - Lieferung von Münzgeld und Abholung von Tageseinnahmen - funktioniere weitgehend. Beim Handelsverband Berlin-Brandenburg sind bisher keine Schwierigkeiten von Handelsunternehmen bekannt, wie Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen berichtet.

ANZEIGE

Druckmittel: Marktanteil von 40 Prozent in Berlin

Am Montag war auch in der siebten Verhandlungsrunde keine Einigung über den Haustarifvertrag für den Potsdamer Standort von Prosegur gelungen. Verdi verlangt, den Stundenlohn von 10,92 Euro um eine Zulage von 1 Euro zu erhöhen. Prosegur hat eine Aufstockung um 65 Cent angeboten, allerdings gekoppelt an eine Reduzierung des Krankenstands von im Jahresschnitt 8 auf 4 Prozent. „Das war nicht verhandlungsfähig“, kommentiert ein Verdi-Sprecher die Offerte. Die Forderung der Gewerkschaft lehnt Thoma mit dem Hinweis ab, dass es im Januar schon eine Lohnerhöhung von 4 Prozent nach dem bundesweit geltenden Entgelttarifvertrag gegeben habe und Prosegur bei den tariflichen Leistungen schon ein Fünftel über den Wettbewerbern liege. Zum Vergleich: An seinen westdeutschen Standorten zahlt Prosegur zwischen 12 und 14,50 Euro je Stunde.

Von punktuellen Einschränkungen bei der Bargeldversorgung an Geldautomaten spricht Alexander von Schmettow, Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft. Die Commerzbank räumt Engpässe bei einem Teil ihrer Geldautomaten in Berlin ein, nennt aber keine Details. Um die Auswirkungen für die Kunden möglichst gering zu halten, würden auch andere Dienstleister eingesetzt.

ANZEIGE

Auch die Deutsche Bank berichtet von Unregelmäßigkeiten bei der Bargeldversorgung an den Geldautomaten in der Region. Über die Filialen sei die Versorgung der Kunden mit Bargeld jedoch sichergestellt, heißt es. Während bei der Deutschen Bank alle betroffenen Standorte mit Kassen ausgestattet sind, gibt ihre Tochtergesellschaft Berliner Bank nur noch in 6 der 38 Filialen Bargeld aus.

Die spanische Prosegur sieht sich in Deutschland mit 210 Millionen Euro Umsatz als Marktführer bei Geld- und Werttransporten. In Berlin hat das Unternehmen eine besonders starke Stellung, seit es vor zwei Jahren das Deutschlandgeschäft des amerikanischen Wettbewerbers Brink‘s übernommen wurde. Ein Teil der Brink‘s-Aktivitäten musste zwar auf Druck des Bundeskartellamts an den Branchenzweiten, die mehrheitlich im Besitz der Hannover Finanz befindliche Ziemann-Gruppe, weitergereicht werden. Dennoch kommt Prosegur nach Thomas Angaben in der Hauptstadt auf einen Marktanteil von 40 Prozent vor Anbietern wie Ziemann und dem Familienunternehmen WSN aus Neubrandenburg.

In den deutschen Markt war Prosegur Ende 2011 durch den Kauf der damals führenden Securlog eingestiegen. Securlog ging 2006 aus der insolventen Heros hervor, die über ein Schnellballsystem gestürzt war. Trotz einiger Übernahmen in den vergangenen Jahren gilt die rund 550 Millionen Euro Umsatz schwere Werttransportbranche mit grob geschätzt 70 Anbietern immer noch als zersplittert.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Scharrenbroch, Christine
Christine Scharrenbroch
Freie Autorin in der Wirtschaft.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Kapitalanalge
Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
Sprachkurse
Lernen Sie Englisch
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Zertifikate
Ihre Weiterbildung im Projektmanagement
ANZEIGE